Before, Before Midnight, Julie Delpy

JULIE DELPY: „DIE ROMANTIK KOMMT AUS MEINEN TAGEBÜCHERN“

Die „Before“-Trilogie ist ein einzigartiges Langzeitprojekt, das sich über 18 Jahre erstreckte. Im Interview spricht die Schauspielerin darüber, wie ihre persönliche Entwicklung die Rolle der Céline beeinflusst hat, und über das Geheimnis funktionierender Ehen.

Julie Delpy (l.) und Filmpartner Ethan Hawke in „Before Midnight“ ©Prokino Filmverleih GmbH

ARTE Magazin: 22 Jahre sind seit den Dreharbeiten für den ersten Film der Trilogie, „Before Sunrise“, vergangen. Wie denken Sie daran zurück?

Julie Delpy: „Before Sunrise“ war der erste Film, an dem ich selbst mitgeschrieben habe. Viele der Szenen, die von anderen als besonders empfunden und erwähnt wurden, stammten aus meiner Feder. Dadurch habe ich das erste Mal das Gefühl bekommen, dass das, was ich zu sagen habe, tatsächlich interessant und unterhaltend für andere Menschen ist.

In den neun Jahren, die zwischen den jeweiligen Filmen vergingen, haben Sie sich auch persönlich entwickelt und verändert. Inwiefern hat das die Filme und Ihre Rolle der Céline beeinflusst?

Natürlich sind die Figuren im Film fiktional, aber es gibt Parallelen – nicht nur zu meinem, sondern auch zu den Leben vieler anderer Menschen. Viele verlieben sich in ihren Zwanzigern, haben bereits Kinder, wenn sie 40 werden. Doch die Filme haben tatsächlich auch einen sehr persönlichen Bezug: Viel von der Romantik, die im ersten Film eine große Rolle spielt, entstammt meinen Tagebüchern aus der Zeit.

„Sind die Menschen heute überhaupt noch an echten Gefühlen interessiert?“

Sie sagten auch einmal in einem Interview, in den Filmen gehe es um „echte Gefühle“. Welche Gefühle?

In allen drei Filmen geht es um Liebe: Im ersten um das Verlieben, im zweiten darum, sich wieder mit dieser Liebe zu verbinden und sie neu zu erleben, und im dritten Film geht es um die Rettung und das Überleben der Liebe. Aber sind Menschen heute überhaupt noch an echten Gefühlen interessiert? Wollen sie nicht lieber Kim Kardashians Hintern sehen und autoritäre Führer wählen?

In „Before Midnight“ geht es um sehr reale Probleme einer Ehe: Alltagsroutinen, Eifersucht, Elternschaft, die Angst, für den anderen nicht mehr attraktiv und interessant zu sein. Was denken Sie, was ist das Geheimnis einer funktionierenden Ehe? Gibt es eins?

Ich kenne das Geheimnis nicht, aber ein paar Dinge gehören sicher dazu: Gemeinsamkeiten zu haben, Spaß zu haben, Empathie und Verständnis für den anderen aufzubringen. Meine Eltern waren mehr als vierzig Jahre zusammen – sie hatten wirklich viel Spaß miteinander. Vielleicht ist das der Schlüssel.

Wie führen Menschen in ihren Zwanzigern Beziehungen – und wie in ihren Dreißigern und Vierzigern?

Natürlich ist jeder verschieden. Aber Leute in ihren Zwanzigern haben normalerweise den Kopf voller romantischer Vorstellungen, in den Dreißigern nimmt das ab und das gemeinsame Leben ist auch von Enttäuschungen geprägt. In den Vierzigern kann wieder Frieden einkehren, der auch die Romantik zurückbringen kann.

Das Interview führte Lydia Evers

Before Midnight

In „Before Sunrise“ erlebte man 1995, wie sich die Französin Céline und der Amerikaner Jesse binnen eines Tages ineinander verliebten. In „Before Sunset“ fanden sie neun Jahre später endlich zusammen. Und 2013, wieder neun Jahre später, enthüllt Regisseur Richard Linklater, was aus den beiden geworden ist: Céline und Jesse führen mittlerweile eine Bilderbuchehe mit Kind und Kegel. Aber im Griechenlandurlaub holt der Alltag sie ein und stellt sie vor eine schwierige Entscheidung. Kann eine romantische Nacht im Hotel die Liebe retten?

Mittwoch, 28. Juni, 20.15 Uhr

Kategorien: März 2018 · März 2018