Berlin, KaDeWe, Traumkaufhäuser

DAS KADEWE IN BERLIN: NICHT NUR SHOPPINGTEMPEL

Das KaDeWe will sich in den nächsten Jahren neu erfinden. Dabei muss es den Spagat zwischen Tradition und Moderne schaffen.

Der Eingang des KaDeWe in Berlin © GettyImages

Anfang des 20. Jahrhunderts: In Paris florieren die Galeries Lafayette, in Moskau gibt sich die russische Schickeria im GUM die Klinke in die Hand. Das kann das aufstrebende und auf Fortschritt bedachte Berlin nicht auf sich sitzen lassen. 1905 setzt sich der Kaufmann Adolf Jandorf an die Planung für das „Kaufhaus des Westens“, 1907 eröffnet es.

110 Jahre später, im Jahr 2017, kämpfen Kaufhäuser wie das KaDeWe weltweit um die Aufrechterhaltung ihres Prestiges. Der Onlinehandel rückt ihnen auf die Pelle, das Konzept eines Kaufhauses finden viele junge Kunden heute veraltet. Das KaDeWe möchte diesen Entwicklungen nicht tatenlos zusehen. Im April kündigte die KaDeWe Group, zu der auch das Alsterhaus in Hamburg und das Oberpollinger in München gehören, einen zeitgemäßen Umbau seiner Häuser an. Kosten: rund 300 Millionen Euro.

Bessere Orientierung, neues Dach

Bis 2023 soll das Shopping-Erlebnis für die rund 10 Millionen Kauffreudigen, die pro Jahr ins KaDeWe strömen, ein anderes, ein neues werden. Das Haus wird in vier Teile geteilt, die unterschiedliche Modewelten – Design, Klassik, sportlich und experimentell – beheimaten sollen. Insgesamt soll das Haus übersichtlicher werden. Nicht wenige Kunden haben sich in der Vergangenheit darüber beschwert, dass man sich auf den 60.000 Quadratmetern so schlecht zurechtfinde.

Das Niederländer Architektenbüro Office for Metropolitan Architecture (OMA) um den Star-Architekten Rem Koolhaas ist mit dem Vorhaben beauftragt worden. Werbung wird im Vorfeld vor allem mit dem Dachausbau des KaDeWe betrieben: Die siebte Etage soll eine Glaskuppel bekommen, die Gastronomie künftig auch nach Ladenschluss geöffnet bleiben.

Veränderung und Tradition

Die Welt des Einkaufens wandelt sich rasend schnell. Shoppen darf nicht mehr nur Shoppen sein, sondern muss zum Erlebnis werden – denn „nur“ einkaufen, das lässt sich auch im Internet. Kaufhäuser wie das KaDeWe stehen deshalb unter Druck, an ihren Konzepten zu feilen. Sie müssen zeitgemäß sein, anders und einzigartig, ohne ihre Stammkunden zu verprellen. Die sind gerade in Berlin wichtig: Das KaDeWe steht zwar in unmittelbarer Nähe zum Ku’damm, der Shoppingmeile der Hauptstadt, doch viele Berliner wohnen seit Jahren und Jahrzehnten in der Gegend. Nicht wenige Kunden kommen immer wieder. Stammkunden, so heißt es, schätzen und lieben vor allem das Alte, Bewährte.

Es ist also ein Spagat, den das KaDeWe in den nächsten Jahren hinlegen muss: Um auf der Höhe der Zeit zu bleiben, muss es sich verändern. Aber um nicht zum Retorten-Touristentempel zu verkommen, muss es sich auf seine Tradition besinnen.

Die großen Traumkaufhäuser: KaDeWe, Berlin

Dokumentationsreihe

Keine europäische Metropole, die nicht ein Luxuskaufhaus als Aushängeschild hat. Ob das KaDeWe in Berlin, das GUM in Moskau, die Galeries Lafayette in Paris oder Macy’s in New York – die Tempel des Konsums sind nicht nur besondere Meisterwerke der Architektur und Tourismusmagneten der Superlative. Die Traumkaufhäuser Europas sind vor allem Chronisten der Geschichte der Menschen ihres Landes – ihrer Moden, Lebensweisen und Sehnsüchte. Das 1907 in Berlin eröffnete KaDeWe ist bis heute Deutschlands berühmtestes Kaufhaus. Wer Luxus sucht, wird hier fündig. Zugleich ist das Kaufhaus des Westens aber auch ein Ort mit einer einzigartigen Geschichte.

Sonntag, 18. Juni, 17.30 Uhr

Kategorien: März 2018 · März 2018