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GIANNATOU: „IN GRIECHENLAND IST DIE KUNST GERADE SEHR FREI“

Viele junge Griechen verlassen ihr Land – die Schauspielerin Chara Mata Giannatou entschied sich dagegen. Ihre Rolle in „Ein Atem“ überzeugte sie auch deshalb, weil der Film bewusst mit Klischees spielt.

Chara Mata Giannatou wurde in Berlin geboren und wuchs in Athen auf © Andreas Simopoulos

Mit fünf Jahren entschloss sich Chara Mata Giannatou, in die Fußstapfen ihres deutschen Opas zu treten. Der hieß Harald Leipnitz, war Schauspieler und hatte sich unter anderem durch seine Rollen in Karl-May-Filmen einen Namen gemacht. Er starb im Jahr 2000, da war Giannatou gerade 11 Jahre alt und hatte den Traum mit der Schauspielerei erst mal wieder an den Nagel gehängt. Bis er wieder aufkam, als sie sich als Jugendliche fragte, was sie später beruflich machen wolle. Ihre erste Rolle: Die Penthesilea in einer Aufführung an ihrer Schule in Athen. „Da wusste ich: Das ist es, was ich machen will“, erinnert sich die heute 28-Jährige.

Ein Stück Familiengeschichte ist auch in ihre Rolle in Christian Züberts „Ein Atem“ eingeschrieben: Giannatou spielt eine Griechin, die im Zuge der Krise nach Deutschland kommt, um zu arbeiten. „Ich habe mich persönlich in der Rolle gesehen“, sagt Giannatou. Sie selbst wurde in Berlin geboren, wuchs in Athen auf und lebt heute noch dort.

Spiel mit deutsch-griechischen Klischees

Ihre Hauptrolle in „Ein Atem“ war für sie, die sonst bisher im Theater zu Hause war, das Debüt vor der Kamera. Die Unterschiede der beiden Genres faszinieren sie – auf eines festlegen möchte sie sich nicht: „Beim Theater hat man mehr Kontrolle über die eigene Rolle, es ist sehr viel direkter als der Film“, sagt sie. „Dafür ist Film größer, auch aufregender, weil so viel mehr Menschen erreicht werden.“

In „Ein Atem“ wird auch mit deutschen und griechischen Klischees gespielt. Die junge Griechin Elena arbeitet als Nanny für eine erfolgreiche Deutsche – bis das Kind spurlos verschwindet und der Film eine dramatische Wendung nimmt. Die beiden unterschiedlichen Frauen müssen sich gemeinsam der Suche nach dem Kind annehmen. „Es war eine bewusste Entscheidung des Filmemachers Christian Zübert, auch Klischees einzubauen“, sagt sie. Im Gespräch mit griechischen und deutschen Freunden machte sie eine interessante Entdeckung: „Die Griechen favorisierten meist die deutsche Frauenfigur, und die Deutschen die griechische.“

Zur Not Gelegenheitsjobs

Trotz des Erfolgs mit der Rolle in einem deutschen Film will Giannatou zurzeit nicht aus Athen weg. „Gerade weil es hier in Griechenland kein Geld gibt, ist die Kunst sehr frei“, sagt sie. „Wenn man gemeinsam an einem Film- oder Theaterprojekt arbeitet, weiß jeder der Beteiligten, dass er nur für die Sache selbst dabei ist.“ Sie schätzt die Hingabe, den Teamgeist, abseits von ökonomischen Zwängen. Bewusst distanziert sie sich von einer Karriere, die nur darauf ausgerichtet ist, Geld zu verdienen: „Ich bin ja noch jung“, sagt sie, „ich kann zur Not auch noch Gelegenheitsjobs nebenbei machen.“

An der Arbeit in Deutschland hingegen schätzt Giannatou die Professionalität. „Alles ist bestens organisiert“, sagt sie. Ihre erste Filmset-Erfahrung behält sie auch deshalb in besonderer Erinnerung. „Ich konnte mich zweieinhalb Monate nur auf meine Arbeit konzentrieren – was für ein Luxus.“

Ein Atem

Zwei Frauen. Ein verlorenes Kind. Und ein Atem, der beide vereint und alles entscheidet. Die junge Griechin Elena zieht von Athen nach Frankfurt, um ein besseres Leben zu haben. Doch dann erfährt sie, dass sie schwanger ist. Sie beginnt, als Kindermädchen für eine deutsche Familie zu arbeiten. Diese hat genaue Vorstellungen, was für ihre Tochter richtig ist. In einem Moment der Unachtsamkeit passiert eine Katastrophe, und Elena flieht nach Griechenland. Die Mutter des Kindes folgt ihr. „Ein Atem“ ist ein intensives und intimes Drama mit Thriller-Plot über zwei Frauen, die beide auf der Suche nach ihrer Rolle als Mutter sind.

Freitag, 16. Juni, 20.15 Uhr

Kategorien: Juni 2017