GUM, Moskau, Traumkaufhäuser

EIN STÜCK RUSSISCHE GESCHICHTE: DAS GUM IN MOSKAU

Mitten im Zentrum Moskaus am Roten Platz thront das GUM. Es ist das älteste Einkaufszentrum der russischen Hauptstadt und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.

Das GUM am Roten Platz in Moskau ©Marcus Winterbauer

Wenn Bauwerke eine Seele haben, musste die des GUM nach der Oktoberrevolution 1917 viele Jahrzehnte lang eine besondere Resilienz beweisen. Es hatte Anfang des 20. Jahrhunderts eine Glanzzeit erlebt, Menschen kamen von überall, um das gigantische Warenhaus zu bestaunen. Über die russischen Grenzen hinaus hatte es in Europa Ruhm erlangt. Die neue sowjetische Regierung allerdings stand dem Konsumtempel kritisch gegenüber.

Das GUM wurde nationalisiert und blieb zwar zunächst ein Kaufhaus, doch die Läden schlossen nach und nach, weil sich der Handel nicht mehr lohnte. Anfang der 1920er Jahre war kaum noch ein Geschäft übrig. Zwar wurde daraufhin für ein paar Jahre wieder privater Handel erlaubt und das GUM bekam den Namen, den es heute noch trägt (Glawny Uniwersalny Magasin, auf Deutsch Hauptwarenhaus), doch das Haus fand nicht zu seinem alten Glanz zurück.

Knapp dem Abriss entgangen

Stalin ließ das Kaufhaus schließlich Ende der 1920er Jahre komplett schließen. Der Verwaltungsapparat zog ein. Kein Klimpern der Kassen war mehr zu hören, keine Massen an Kauffreudigen fluteten nun mehr die Hallen. In den 1930er Jahren wurde sogar überlegt, das GUM abzureißen, um den Roten Platz zu erweitern. Nach dem Krieg sollte es einem riesigen Denkmal anlässlich des Sieges über die Deutschen weichen. Doch die Pläne wurden nie realisiert.

Erst 1953, nach mehr als 25 Jahren Zweckentfremdung, eröffnete das GUM schließlich wieder als Kaufhaus. Während der Sowjetzeit gab es hier eine geheime Abteilung, in der Waren aus dem Westen an Privilegierte verkauft wurden. Nicht selten gelangte so auch Westware in den normalen, für alle zugänglichen Verkaufsbereich. Die Menschen standen teilweise stundenlang Schlange, um die heiß begehrten Kleidungsstücke zu kaufen. Der Haupteingang zum Roten Platz wurde geschlossen: Vor den ausländischen Touristen sollte der Andrang verborgen werden.

Nach fast vierzig Jahren wurde 1993 der Haupteingang wiedereröffnet. Das GUM war nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wieder privatisiert worden. Heute ist es ein Muss auf der Liste jedes Moskau-Touristen. Die wenigsten können sich die Kleidung aus den teuren Luxusboutiquen leisten. Doch in den Cafés lässt es sich wunderbar verweilen – und ein Stück russische Geschichte atmen.

Carla Baum

Die großen Traumkaufhäuser: GUM, Moskau

Kaum eine Metropole, die nicht ein Luxuskaufhaus als Aushängeschild hat – die Tempel des Konsums sind nicht nur Meisterwerke der Architektur, sie sind auch glamouröse Chronisten der Geschichte der Menschen ihres Landes, ihrer Moden, Lebensweisen und Sehnsüchte. Die Dokumentation blickt hinter die Kulissen des GUM in Moskau, trifft auf Kunden und Verkäufer und erkundet das Innenleben des prächtigen Kaufhauses GUM am Roten Platz.

Sonntag, 11. Juni, 17. 30 Uhr

Kategorien: Juni 2017