Galeries Lafayette, Paris, Traumkaufhäuser
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KLEIN ANGEFANGEN, GROSS RAUSGEKOMMEN: DIE GALERIES LAFAYETTE

Die Geschichte des Pariser Kaufhauses Galeries Lafayette spiegelt die Geschichte des 20. Jahrhunderts wider – auch ihre dunkelsten Kapitel.

Die Pariser Galeries Lafayette ©Elke Werry

Viele große Ideen haben mal klein angefangen: Im Jahr 1893 eröffneten die Cousins Théophile Bader und Alphonse Kahn ein Wäschemodegeschäft an der Rue La Fayette. Die Ladenfläche maß nur 70 Quadratmeter, doch das Geschäft hatte eine verkaufstechnisch sehr günstige Lage: in der Nähe der Oper und der großen Pariser Boulevards, auch der Bahnhof Saint-Lazare war nur einen Steinwurf entfernt. Bader und Kahn tauften ihren Laden „Aux Galeries Lafayette“.

Heute, 124 Jahre später, beträgt die Verkaufsfläche 70.000 Quadratmeter und erstreckt sich auf drei Gebäude. Die Galeries Lafayette sind zum Exportmodell geworden, in vielen europäischen Städten gibt es Filialen. Zu verdanken ist das dem Geschäftssinn der Cousins Bader und Kahn: Drei Jahre nach der Eröffnung ihres Wäschemodegeschäfts kauften sie das ganze Eckhaus. Nun konnten die Kunden über fünf Etagen flanieren und kaufen.

In den Jahren danach wurde das Haus stetig erweitert und ausgebaut sowie Nebengebäude dazugekauft. Als auch diese aus den Nähten zu platzen drohten, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts ein zehnstöckiger Neubau angeordnet, der schließlich 1908 fertig wurde und bis 1912 erweitert und verfeinert wurde. Das Markenzeichen der Galeries Lafayette: die prächtige, 43 Meter hohe Jugendstilkuppel.

Dunkles Kapitel: Nazizeit und Enteignung

Die Galeries Lafayette wurden zu einem Kaufhaus von Weltrang. Schon 1907 waren mehr als 750 Menschen dort angestellt. Es entstanden Filialen in Nizza, Lyon, London und Bukarest. Nichts schien die Erfolgsschiene der Galeries Lafayette stoppen zu können, auch die große Finanzkrise von 1929 nicht. 1939 jedoch fielen die Nazis in Paris ein.

Die gesamte Geschäftsleitung, Anfang der 1940er Jahre bestehend aus Théophile Bader, Max Heilbronn und Raoul Meyer, fiel den antijüdischen Gesetzen zum Opfer. Das Unternehmen wurde „arisiert“. Bader starb 1942, Heilbronn wurde ins KZ Buchenwald deportiert. Er überlebte nicht nur dieses, sondern auch den Transfer in zwei weitere Konzentrationslager.

Nach dem Krieg nahm er gemeinsam mit Meyer die Geschäftsleitung wieder auf. Es sollte Jahre dauern, bis sich die Galeries Lafayette von dieser dunklen Epoche erholten. Doch das Kaufhaus überlebte auch die schwierige Nachkriegszeit. 1951 feierte es die Einweihung der höchsten Rolltreppe Europas.

Zeichen der Zeit

Die Geschichte und die Entwicklung der Galeries Lafayette reflektierten stets auch gesellschaftliche Veränderungen und Neuheiten. In der Aufbruchstimmung der 1950er Jahre wurden erstmals internationale Modeausstellungen organisiert. Ende der 1960er Jahre eröffnete gegenüber vom Kaufhaus ein neues Geschäft aus dem Hause Galeries Lafayette, das neben Mode auch Schallplatten und Kosmetik verkaufte. In den 1970er Jahren zahlte sich der wirtschaftliche Aufschwung der Nachkriegszeit endgültig aus: Die Galeries Lafayette waren nun in fast jeder größeren Stadt in Frankreich mit einem Warenhaus vertreten.

Ein besonderes Zeichen setzte die Filiale in Berlin: Die Galeries Lafayette eröffneten 1996 als eines der ersten Unternehmen nach der deutschen Wiedervereinigung im ehemaligen Ostteil der Stadt ein Warenhaus. Die Filiale ist bis heute die erste und einzige deutsche Dependance der Galeries Lafayette. Mit dem Pariser Original allerdings kann es der Einkaufstempel an der Friedrichstraße nicht aufnehmen: In der französischen Hauptstadt stehen die Galeries Lafayette heute neben Notre Dame und dem Eiffelturm auf der Liste der beliebtesten Touristenattraktionen.

Die großen Traumkaufhäuser: Galeries Lafayette, Paris

Dokumentationsreihe (2/4)

Keine europäische Metropole, die nicht ein Luxuskaufhaus als Aushängeschild hat. Ob das KaDeWe in Berlin, das GUM in Moskau, die Galeries Lafayette in Paris oder Macy’s in New York – die Tempel des Konsums sind nicht nur besondere Meisterwerke der Architektur und Tourismusmagneten der Superlative. Die Traumkaufhäuser Europas sind vor allem Chronisten der Geschichte der Menschen ihres Landes – ihrer Moden, Lebensweisen und Sehnsüchte. Seit fünf Generationen sind die Galeries Lafayette ein Familienunternehmen, das Trends gesetzt hat und Kriege oder Umbrüche unbeschadet überstand. Die Dokumentation blickt hinter die Kulissen und begleitet die Macher und Mode-Trendsetter bei ihrer Arbeit.

Sonntag, 4. Juni, 17.30 Uhr

Kategorien: März 2018 · März 2018