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MARGARET GETCHELL: DIE FRAU HINTER DEM ERFOLG VON MACY’S

Macy’s ist Einkaufstempel, Touristenmagnet, ein Stück US-amerikanischer Geschichte. Für den Erfolg des Unternehmens war zu einem großen Teil eine besondere Frau verantwortlich: Margaret Getchell.

Margaret Getchell, die erste „Businesswoman“ der Welt ©Macy’s

Dass Frauen im 19. Jahrhundert in Textilgeschäften arbeiteten, war nicht ungewöhnlich. Viele junge Frauen verdienten sich so ihren Lebensunterhalt, bis sie heirateten. Bei Margaret Getchell lief es anders. Sie kam Anfang der 1860er Jahre zu „R.H. Macy“, damals ein rasch expandierendes Textilgeschäft in der Innenstadt New Yorks. Ihren Job als Lehrerin in der Provinz hatte sie mit Anfang 20 an den Nagel gehängt, wie so viele zog es die junge Frau in die aufregende Großstadt New York.

Der Inhaber des Textilgeschäfts, Rowland Hussey Macy, wurde bald auf Getchells herausragendes Talent aufmerksam. Nach einer ersten Beförderung zur Buchhalterin – Getchell stach durch ihren gekonnten Umgang mit Zahlen heraus – verschaffte er ihr nach vier Jahren einen Führungsposten an seiner Seite. Was heute noch immer nicht selbstverständlich ist, war damals einzigartig: Getchell wurde die erste Frau, die einen Führungsposten in einem Einzelhandelsunternehmen besetzte.

Erfolgreiche Geschäftsfrau

Getchell war voller Tatendrang und neuer Werbe- und Verkaufsideen, die sie in das Unternehmen einbrachte. Der Überlieferung nach war es ihre Anregung, fertige Kleidung statt Stoff sowie Schmuck und Hüte zu verkaufen. Auch für ihre aufwendigen Schaufensterdekorationen war sie bekannt. Einen absoluten Kundenmagneten kreierte sie, als sie zwei als Puppen verkleidete Katzen ins Schaufenster setzte. Cat content – funktionierte auch damals schon!

Eine ihrer Ideen war es außerdem, einen Wasserautomaten im Laden zu installieren, damit Kunden während eines langen Aufenthalts im Geschäft ihren Durst stillen konnten – eine Einrichtung, die heute vielerorts gängig ist.

Das New Yorker Kaufhaus Macy’s heute ARTE © Thomas Bergmann

Unter ihrer Leitung wuchs Macy’s auf seine dreifache Größe an. Zehn weitere Läden in der Straße kamen innerhalb von 20 Jahren zum ursprünglichen Geschäft dazu. Ende der 1860er Jahre hatte Macy’s bereits über 200 Angestellte und einen Jahresumsatz von über einer Million Dollar – damals eine enorm stattliche Summe.

Tragischer Tod

Getchell galt als ehrgeizige, hart arbeitende Frau, die oft bis mitten in die Nacht mit Rowland Hussey Macy aufblieb, um an neuen Ideen zu feilen. Sie heiratete mit 30 Jahren den Freund eines Sohnes von Macy. Ihren Posten musste sie daraufhin zwar abgeben, da ihr Mann ins Unternehmen einstieg. Doch sie blieb dem Unternehmen auch als sechsfache Mutter noch verbunden, arbeitete während ihrer Schwangerschaften und war die Frau der Stunde, wenn Not am Mann war.

Wäre sie alt geworden, hätte ihr wohl jeder die Rückkehr zu „Macy’s“ zugetraut. Auch ihr Mann unterstützte sie. Doch 1880, im Alter von nur 38 Jahren, starb Getchell an Herzversagen. Als Vorbild im andauernden Kampf für Gleichberechtigung in der Arbeitswelt wird sie noch heute geschätzt und erinnert.

Die großen Traumkaufhäuser: Macy’s, New York

Dokumentationsreihe (1/4)

Keine europäische Metropole, die nicht ein Luxuskaufhaus als Aushängeschild hat. Ob das KaDeWe in Berlin, das GUM in Moskau, die Galeries Lafayette in Paris oder Macy’s in New York – die Tempel des Konsums sind nicht nur besondere Meisterwerke der Architektur und Tourismusmagneten der Superlative. Die Traumkaufhäuser sind vor allem Chronisten der Geschichte der Menschen ihres Landes – ihrer Moden, Lebensweisen und Sehnsüchte. Macy’s in New York entwickelte sich vom kleinen Kurzwarengeschäft zum größten Kaufhaus der Welt. Zum Verkauf gehört bei Macy’s auch die große Show. Weltweit einmalig ist die traditionelle Macy’s Thanksgiving Parade. Riesige Ballonfiguren schweben dann durch Manhattan bis zum Kaufhaus.

Sonntag, 28 Mai, 17.30 Uhr

Kategorien: Mai 2017