Jean-Luc Godard, kino, Michel Piccoli, Quartett Bestial
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FÜNF BEICHTEN VON MICHEL PICCOLI

Der französische Schauspieler Michel Piccoli ist ein Stück Kinogeschichte. Das ARTE Magazin hat in seiner Geheimniskiste gewühlt.

Michel Piccoli wird dieses Jahr 92 Jahre alt @GettyImages

Er arbeitete mit Größen wie Buñuel, Godard und Chabrol – und hat sie alle überlebt. Im Dezember vergangenen Jahres ist Michel Piccoli 91 Jahre alt geworden. Das Kino des 20. Jahrhunderts, seine Entwicklungen, kaum einer hat sie so umfassend erlebt wie Piccoli. Bei so einem bewegten Leben bleiben auch persönliche Höhen und Tiefen nicht aus. Ein paar von ihnen haben wir hier gesammelt.

Lange Zeit war Michel Piccoli unsicher, ob er als Schauspieler Erfolg haben würde. Erst in seinem 18. Film, „Die Verachtung“ von Jean-Luc Godard durfte er die Hauptrolle spielen, den Autoren Paul Javal. Sie wurde sein Durchbruch. „Je t’aime totalement, tendrement, tragiquement“ (Ich liebe dich vollkommen, zärtlich und tragisch) sagt Piccoli im Film zu seiner Filmpartnerin Brigitte Bardot – was für ein Satz!

Mit 17 Jahren begann Piccoli gegen den Willen seiner Eltern eine Schauspielausbildung bei René Simon in Paris. Schon als Schüler hatte er die Bühne für sich entdeckt und an diversen Laien-Aufführungen mitgewirkt.

„Film ist etwas Wunderbares: Du siehst Frauen über Frauen, alle bekleidet. Dann heißt es Aufnahme, und sie hängen ihren Hintern in die Sonne.“ Ob dieser Satz so heute noch durchgehen würde? Und er kommt aus dem gleichen Mund dessen, der eben noch den hochromantischen Satz gesagt hat (siehe Punkt 1)!

Als Junge spielte Piccoli oft mit Puppen. Hartnäckig hielt sich das Gerücht, Piccoli sei homosexuell – was er aber verneinte.

Mit Romy Schneider verband ihn mehr als die Arbeit, gestand Piccoli 2016 in seiner Autobiografie. Jahrzehntelang hatte er zu einer vermuteten Affäre mit der Schauspielerin beharrlich geschwiegen, nun hat er sie im hohen Alter zugegeben.

Ein Abend mit Michel Piccoli

Er gilt als einer der bedeutendsten Charakterdarsteller des französischen Kinos und blickt auf 70 Jahre Karriere im Film zurück. ARTE widmet dem Darsteller aus „Themroc“, „Belle de Jour – Schöne des Tages“ und jüngst „Habemus Papam – Ein Papst büxt aus“ einen Abend.

Quartett Bestial

Thriller

Pierre Losseray (Michel Piccoli), ein brillanter Chirurg, lässt sich nach einem Herzinfarkt in einer kleinen Provinzstadt nieder und baut sich dort eine neue Existenz auf. Sein Talent spricht sich herum und das Geschäft brummt, wodurch der Brézé-Clan auf ihn aufmerksam wird. Die reiche Familie ist im Besitz mehrerer Privatkliniken in der Gegend, und durch die neue Konkurrenz bleiben ihnen die Patienten aus. Die Brézés setzen Pierre unter Druck. Doch dieser stellt Nachforschungen an und entdeckt, dass es seinem Vorgänger mit den Brézés noch schlimmer erging …

Sonntag, 28. Mai, 20.15 Uhr

Der erstaunliche Monsieur Piccoli

Porträt

Michel Piccoli – das sind 70 Jahre Theater, Film und Fernsehen und fast 200 Spielfilme. Ob als leidenschaftlicher und romantischer Liebhaber, eiskalter Mörder oder verzweifelter Künstler – in seiner knapp 70-jährigen Karriere avancierte der 91-jährige Schauspieler zu einer Ikone des französischen Kinos, die immer wieder überraschte. Die Dokumentation beleuchtet seine ungewöhnliche Laufbahn anhand der Filme von Marco Ferreri, Claude Sautet und Luis Buñuel – dreier großer Cineasten, die Piccolis Wegbegleiter waren und das Kino der 70er und 80er Jahre mit ihrer eigenen Handschrift prägten.

Sonntag, 28. Mai, 22.00 Uhr

Kategorien: Mai 2017