Steve Bannon, Trump, USA
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TRUMP-FOTOGRAF SACHS: „INSZENIERT WIRD IMMER“

Ronald M. Sachs ist seit 30 Jahren Fotograf im Weißen Haus. Dem ARTE Magazin hat er ein Foto gezeigt, das für ihn besonders für die Präsidentschaft Trumps steht. Im Interview verrät er, warum es einfacher ist, mit Trump zu arbeiten, als mit Obama.

Dieses Foto steht für Ronald M. Sachs besonders für Trumps Präsidentschaft dpa © Ronald M. Sachs

ARTE Magazin: Herr Sachs, 30 Jahre sind Sie schon in Washington als Fotograf. Eine lange Zeit!

Ronald M. Sachs: Ja, ich habe schon Ronald Reagan mitbekommen. Genau genommen habe ich allerdings die Amtsantritte aller Präsidenten seit 1965 mitbekommen. Da war ich 12 und habe mein erstes Foto bei der Vereidigung von Präsident Johnson gemacht.

Das Foto, das Sie herausgesucht haben, ist eines der ersten, das Sie von Donald Trump gemacht haben.

Genau. Das war am 23.Januar. Der Präsident unterzeichnet da den ersten von insgesamt drei Erlassen. Hier geht es um die Aufhebung des Trans-Pazifischen Freihandelsabkommens TTP. Es folgten ein Einstellungsstopp der US Regierung außer fürs Militär und das Ende von US-finanzierten Abtreibungen im Ausland.

Ein ziemlich straffes Programm …

Ja, wobei es auch noch eine Backstory gibt. An diesem Tag hatte der Präsident noch ein Gespräch mit LKW-Fahrern. Die waren ihm gegenüber so positiv gestimmt, dass er uns Fotografen noch einmal zurückgepfiffen hat, damit wir auch davon Bilder machen können.

Ist denn unter Trump alles so inszeniert, so gestellt?

Inszeniert wird immer, unter jedem Präsidenten. Die Fotos zeigen immer nur 10 Prozent von dem, was passiert. Unter Trump hat sich der Zugang für uns Fotografen ehrlich gesagt sogar verbessert.

Inwiefern?

Unter Barack Obama hatten wir immer nur ein paar Minuten, bei Donald Trump können wir auch mal länger dabei sein und Fotos machen. Er hat da generell eine offenere Handhabe.

Zurück zum Foto: Wir sehen ganz rechts auch Steve Bannon, den Chefstrategen. Ist er denn wirklich so schwer zu fassen?

Es stimmt, alle wollen irgendwie an Bannon ran. Das liegt aber natürlich vor allem an seinem düsteren Ruf. Für einen Berater des Präsidenten ist er schon ziemlich präsent, sehr oft dabei. Das ist nicht üblich. Die Strategen sitzen normalerweise nicht mit am Verhandlungstisch, sondern halten sich im Hintergrund.

Wie gibt Bannon sich ansonsten?

Er ist immer vor dem Präsidenten im Raum, bespricht sich. Sobald Donald Trump kommt, sagt er nichts mehr.

Hat er jemals mit Ihnen gesprochen?

Mit den Medien redet er prinzipiell nicht. Er tut immer so, als wären wir nicht da. Uns ignoriert er wirklich komplett.

Und Präsident Trump?

Der mag es mittlerweile, fotografiert zu werden. Obwohl ihm hier und da auch die Situation entgleitet. Ich meine, was wir beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel erleben durften, war doch einfach ein Geschenk. Da war nichts gestellt. Ihren Gesichtsausdruck während der gemeinsamen Pressekonferenz werde ich nie vergessen.

Das Interview führte: Shila Meyer-Behjat

 

 

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Kategorien: Mai 2017