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DER KLEINE UNTERSCHIED

Klischee, Vorurteil, Stereotyp – diese Begriffe werden oft synonym benutzt. Doch sie bezeichnen unterschiedliche Formen des Schubladendenkens.

Alle Deutschen lieben Dackel und Bier? © Getty Images

Denkt jemand zu sehr in vorgefertigten Mustern, werfen wir ihm gerne „Schubladendenken“ vor. Doch es gibt verschiedene Arten des Schubladendenkens, wie die Differenzierung der Begriffe „Stereotyp“, „Vorurteil“ und „Klischee“ zeigt. Wer versteht, wie sich die drei unterscheiden, lernt nicht zuletzt etwas über sich selbst.

Stereotyp

Das sagt der Duden: Vereinfachendes, verallgemeinerndes, stereotypes Urteil, [ungerechtfertigtes] Vorurteil über sich oder andere oder eine Sache; festes, klischeehaftes Bild.

Typischer Satz: „Alle Schweden sind blond.“

Das steckt dahinter: Wir Menschen sind komplexe Wesen und die Welt um uns herum ist es auch. Damit wir uns in all dieser Komplexität zurechtfinden können, brauchen wir Vereinfachungen, nach denen wir Menschen und Dinge, die uns öfter begegnen, einteilen. So entstehen unbewusst Stereotype und in diesem Rahmen sind sie auch sinnvoll. Wenn ihr Kern auch nicht immer wahrheitsgetreu ist, so beruhen sie doch auf unseren Erfahrungen und unserer Wahrnehmung der Welt. Sie richten sich meist nicht gegen etwas oder jemanden und können auch positiv gemeint sein.

Vorurteil

Das sagt der Duden: Ohne Prüfung der objektiven Tatsachen voreilig gefasste oder übernommene, meist von feindseligen Gefühlen gegen jemanden oder etwas geprägte Meinung.

Typischer Satz: „Ausländer sind krimineller als Deutsche.“

Das steckt dahinter: Der Teufel steckt im Detail – während beim Stereotyp im Duden von einem „Bild“ die Rede ist, wird das Vorurteil als eine „Meinung“ bezeichnet. Das macht es in gewisser Weise gefährlicher als das Stereotyp. Eine Meinung ist im Gegensatz zu einem Bild mit unreflektierten, meist negativen Gefühlen verbunden und lässt sich nur schwerlich durch objektive Fakten oder Informationen widerlegen. Das Vorurteil ist nicht nur eine unbewusste Einteilung, um Komplexität zu reduzieren, sondern richtet sich nicht selten gegen eine ganze Bevölkerungsgruppe.

Klischee

Das sagt der Duden: eingefahrene, überkommene Vorstellung

Typischer Satz:
„Frauen können nicht einparken.“

Das steckt dahinter: Der Begriff leitet sich vom französischen Verb clicher ab, was so viel bedeutet wie abklatschen, nachahmen. Das Wort cliché bzw. Klischee kommt ursprünglich aus dem Buchdruck, wo es einen vorgefertigten Druckstock bezeichnet. Druckstöcke wurden dazu benutzt, eine bestimmte Zusammensetzung an grafischen und textlichen Elementen (zum Beispiel eine Buchseite) zu reproduzieren, funktionierten also wie ein Stempel. Dieser kleine sprachwissenschaftliche und historische Ausflug verdeutlicht den Unterschied zwischen Vorurteilen, Stereotypen und Klischees. Ein Klischee ist ähnlich wie das Stereotyp und das Vorurteil ein vorgefertigtes Denkmuster und beinhaltet eine Reduktion auf angeblich typische Merkmale einer Sache. Jedoch wird es nicht nur für die Beschreibung von Personen oder Personengruppen verwendet (Alle Deutschen sind…), sondern auch in Zusammenhang mit Dingen, Phänomenen oder Stimmungen.

Carla Baum

 

 

Stereotyp

Dokureihe

Wohnen wirklich alle Italiener noch bei Mama und essen den ganzen Tag Pasta? Sitzt halb Holland tatsächlich bekifft im Wohnwagen? Und schlafen die Spanier echt den halben Tag, also, nach dem Stierkampf …? Europa ist voller Vorurteile. Aber ist manchmal etwas Wahres dran? Wer könnte das besser herauszufinden, als jemand Neutrales aus der Schweiz? Knackeboul, einer der erfolgreichsten Schweizer Rapper und ein mediales Multitalent, macht sich auf in die wilde Welt der Vorurteile und entdeckt dabei Europa völlig neu.

Ab Montag, 29.Mai, 16.15 Uhr

Stereotyp Foodchallenge

Webserie

Die TV-Serie wird ergänzt durch acht fünfminütigen Folgen zum Thema nationale Spezialitäten. Denn auch vor diesen machen Klischees nicht halt. Franzosen essen Frösche, Italiener Pizza und Deutsche Haxen, klar! Knackeboul probiert auch Skurriles wie Schweizer Mehlwurmravioli oder Schwedens Gammelfisch Surströmming.

Ab 22.5. auf creative.arte.tv

Kategorien: Mai 2017