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BENNO OHNESORG: STAAT VS. STUDENT

Warum wurde Benno Ohnesorg kaltblütig erschossen? Diese Frage bewegt auch 50 Jahre nach dem Tod des Demonstranten, wie eine ARTE-Doku zeigt.

Kurz nach dem tödlichen Schuss: Friederike Hausmann kniet neben Student Ohnesorg / © Bernard Larsson

Es ist der Abend des 2. Juni 1967, der die Bundesrepublik verändern sollte. Am Ende eines bewegten Tages, an dem Tausende Studenten in West-Berlin gegen den Besuch des iranischen Schahs protestiert haben, liegt der 26-jährige Benno Ohnesorg blutend auf der Straße. Niedergestreckt von dem Zivilpolizisten Karl-Heinz Kurras. Mit einem Kopfschuss. Was daraus resultiert: die Radikalisierung einer ganzen Studentengeneration, die im Terror der RAF gipfelt. Und: eine tief greifende gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Rolle des autoritär auftretenden Staates im Nachkriegsdeutschland.

Das Bild, das die Erinnerungen an die Gewalt in jener Nacht bis heute prägt, zeigt eine junge Frau, die neben dem im Sterben liegenden Ohnesorg kniet und seinen Kopf stützt. Die Frau heißt Friederike Hausmann und ist, neben vielen weiteren Zeitzeugen, Protagonistin einer neuen ARTE-Dokumentation zu den dramatischen Geschehnissen des 2. Juni. Für Filmemacherin Sabine Jung war das Foto mit Hausmann Ausgangspunkt für ihre Recherchen. Die führten sie zu damals eingesetzten Polizisten. Zum Anwalt und Ex-Innenminister Otto Schily. Und zu Erika Hörning.

Sie sah mit eigenen Augen, wie Beamte grundlos auf den Demonstranten Ohnesorg einprügelten und wie der „Mann mit rotem Hemd und Jesus-Latschen“, wie ihn Hörning beschreibt, wenig später angeschossen zu Boden fiel. „Dieser Tag steckt heute noch tief drin in den Menschen, die dabei waren“, sagt Jung. Was nach Ohnesorgs Tod viele einte: „die Angst, dass der Staat wieder kippt. Die Nazi-Zeit war ja nicht lange her.“

Heute weiß man, dass der Polizist Kurras ein Doppelleben als DDR-Spitzel führte. Warum er Ohnesorg erschossen hat, warum er dafür nie verurteilt wurde und warum der deutsche Staat und einige Medien den Täter lange in Schutz nahmen, lässt sich dagegen weiter nur erahnen.

Bernd Skischally

Benno Ohnesorg – sein Tod und unser Leben

Geschichtsdoku

2. Juni 1967, Westberlin: Der Tod des Studenten Benno Ohnesorg durch den Schuss eines Polizisten markiert nicht nur die Geburtsstunde der Radikalisierung, sondern auch den Ausgangspunkt für einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel in Deutschland. Anlässlich des 50. Jahrestages rekapituliert der Dokumentarfilm „Benno Ohnesorg – Sein Tod und unser Leben“ die Geschehnisse des 2. Juni 1967, geknüpft an die persönlichen Erinnerungen von Menschen, für die der Tag zu einem persönlichen Wendepunkt wurde. Unter ihnen ist Friederike Hausmann, in deren Armen Benno Ohnesorg starb.

Dienstag, 16. Mai, 22.50 Uhr

Kategorien: Mai 2017