Choreographie, Elbphilharmonie, Hamburg, Sasha Waltz

SASHA WALTZ: KUNST BRAUCHT RAUM

Sasha Waltz ist Deutschlands bekannteste Choreografin. Mit uns hat sie über Inspirationen aus der Natur und die Choreografie in der Elbphilharmonie gesprochen, die nun auf ARTE ausgestrahlt wird.

Sasha Waltz findet Inspirationen in der Natur @Till Janz

Wenn sie sich entspannen muss und Abstand von der Arbeit braucht, sagt Sasha Waltz, dann geht sie in den Garten und zupft Unkraut. Ganz so weit entfernt ist sie von ihrer Arbeit aber auch dort nicht: „Elemente wie Wasser und Feuer können immer wieder inspirieren.“ Als Waltz vor der Aufgabe stand, die Oper „Matsukaze“ des japanischen Komponisten Toshio Hosokawa zu choreografieren, richtete sie ihren Blick ganz bewusst in die Natur: auf Lichtspiele im Wasser und auf dem Mond. Von der Beobachtung der Natur sei es kein großer Schritt mehr zum Umsetzen tänzerischer Bewegungen. Vogelschwärme etwa, so die Choreografin, „bringen ja von selbst unglaubliche Choreografien mit, die man dann tänzerisch ganz ähnlich umsetzen kann.“

Herausforderung Elbphilharmonie

Mit Natur hatte Waltz’ Choreografie zur Eröffnung der Elbphilharmonie im Januar dieses Jahres wenig zu tun. Das neue Konzerthaus ist künstlerisch gestaltet und durchdacht in jedem Raum. Waltz sagt über ihren Auftrag: „Die Elbphilharmonie war eine ganz besondere Herausforderung, weil der Fokus nicht auf den Konzertsälen, sondern auf dem Foyer lag – einem einzigen Raum, der sich über sechs Ebenen wie ein Kreis um den zentralen Großen Saal legt.“

Bei der Konzeption ihrer Choreografie achtete Waltz besonders darauf, dass das Publikum dem Raum des Foyers Aufmerksamkeit schenkt. Denn die richtet sich normalerweise in freudiger Erwartung des Konzerts eher auf den Saal – besonders am Eröffnungsabend des Hamburger Konzerthauses. Jeder der Anwesenden wollte wissen: Wie sieht der Saal aus? Klingt er wirklich so toll, wie versprochen?

Waltz gestaltete ihre Choreografie deshalb so, dass das Publikum nicht nur passiv zuschauen, sondern aktiv in die Inszenierung mit einbezogen wurde: „Die Zuschauer haben sich unten im Foyer an einem zentralen Ort gesammelt und wurden dann durch die Choreografie bis in die sechse Etage in den Großen Saal und dann wieder durch die schmaler werdenden Gänge nach unten geführt.“ Wenn man nicht das Glück hatte, am Eröffnungsabend mit dabei zu sein, darf man also auf die ARTE Ausstrahlung gespannt sein.

Zur Person

Sasha Waltz wurde 1963 in Karlsruhe geboren. Sie studierte Tanz und Choreografie in Amsterdam und New York, bevor sie 1993 ihre Compagnie „Sasha Waltz & Guests“ gründete. Zu ihren bekanntesten Werken gehören die „Körper“-Trilogie sowie ihre „Dialoge“ – Projekte, mit denen sie unter anderem das Neue Museum in Berlin einweihte.

Lydia Evers

Das vollständige Interview mit Sasha Waltz lesen Sie im aktuellen ARTE Magazin

Sasha Waltz in der Elbphilharmonie: Figure Humaine

Tanz

Noch vor der offiziellen Eröffnung der Elbphilharmonie in Hamburg fand ein „Housewarming“ der besonderen Art statt: Mit 80 Musiker- und TänzerInnen belebten Sasha Waltz & Guests zum ersten Mal das neue Wahrzeichen Hamburgs. Die eigentliche Bühne spielt dabei nur eine Nebenrolle: Es sind die Foyers, Treppen, Gänge und Emporen, von denen sich Sasha Waltz und ihre Tänzer zu einem temperamentvollen Abend inspirieren lassen. ARTE zeigt Ausschnitte aus den Soli, Duetten und Gruppen, die sich spielerisch zu einer ganz eigenen Lesart des Hauses verbinden.

Sonntag, 14. Mai, 23.20 Uhr

Kategorien: Mai 2017