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JACQUES CARTIER: DER MANN, DER DEN SANKT-LORENZ-STROM ENTDECKTE

Der Sankt-Lorenz-Strom fließt im Grenzgebiet von Kanada und den USA. Der Franzose Jacques Cartier war im 16. Jahrhundert der erste, der sich auf ihn vorwagte – und dem Fluss seinen Namen gab.

Jacques Cartier fuhr schon als junger Mann zur See @GettyImages

Als Christoph Kolumbus im August 1492 das erste Mal aufbrach, um, wie es in den Geschichtsbüchern steht, Amerika zu entdecken, war Jacques Cartier noch nicht einmal ein Jahr alt. Es war ein spannendes Zeitalter, in das er hineingeboren wurde – das der großen Entdeckungsreisen, des Infragestellens von Weltordnungen und geografischen Aufzeichnungen aus dem Mittelalter. Angesteckt von diesem Geist und der Meeresverbundenheit seiner Heimat, der Bretagne, wandte sich Cartier früh selbst der Seefahrt zu.

Im Auftrag des Königs

Er muss seinen Job gut gemacht haben – denn bald wurde König Franz I. auf seine Navigationskünste aufmerksam. Unter den Herrschern Europas herrschte damals ein regelrechtes Wetteifern um spektakuläre Entdeckungsreisen ihrer Landsmänner. So konnte es auch König Franz I. nicht auf sich sitzen lassen, dass die Flotte des Portugiesen Ferdinand Magellan gerade von einer dreijährigen Weltumseglung zurückgekehrt war. Die spanische Krone, unter dessen Auftrag die Flotte unterwegs gewesen war, brüstete sich mit der Heldenreise, auf der Magellan sein Leben gelassen hatte.

König Franz’ Auftrag an Jacques Cartier lautete sodann: Finde eine kürzere Route nach Asien. Magellan war auf seiner Reise um den Südzipfel Lateinamerikas gesegelt. Cartier nahm den Auftrag an: Am 20. April 1534 brach er mit 60 Seemännern und zwei Schiffen in Saint-Malo auf. 20 Tage war die Flotte auf See, bis sie Amerika erreichte.

Seine Suche nach einem Fluss, der in den Kontinent hinein führen und – wie er hoffte – zum Pazifik führen würde, verlief zunächst erfolglos. Wegen schlechten Wetters übersah er die Einfahrt in den Sankt-Lorenz-Strom. Er kehrte nach Frankreich zurück, bereits mit dem Entschluss, auf eine zweite Expedition aufzubrechen.

Dem Vogel gefolgt

Im August 1535 war Cartier schließlich wieder in Kanada, diesmal mit 110 Mann und zwei Eingeborenen, die er von seiner letzten Reise mit nach Frankreich genommen hatte. Während einer Pause mit seiner Mannschaft, so will es die Legende, beobachtete er einen Vogel, der Richtung Osten flog. Cartier folgte seiner Eingebung und befahl der Mannschaft, mit den Schiffen dem Vogel hinterherzusegeln. Er traf auf die Mündung eines großen Stroms. Über den Namen musste er nicht lange nachdenken: Der 10. August, der Tag der Entdeckung, ist der Gedenktag des heiligen Laurentius von Rom – Cartier wählte daher den Namen „Sankt-Lorenz-Strom“.

Der Sankt-Lorenz-Strom @GettyImages

Es ist nicht der einzige berühmte Name, der auf Cartier zurückzuführen ist. Bis zur Siedlung Hochelaga, dem heutigen Montréal, wagte er sich mit seiner Mannschaft auf dem Strom vor. Im weiteren Verlauf war der Strom nicht schiffbar. In Hochelaga stieg er auf einen Hügel, den er Mont Real taufte. Noch heute trägt der Berg diesen Namen – und auch die Stadt wurde später nach ihm umbenannt.

Als Cartier von seiner Expedition nach Frankreich zurückkehrte, hatte er zwar keinen Weg nach Asien gefunden. Enttäuscht war der König trotzdem nicht, als Cartier ihm in den höchsten Tönen von den Reichtümern Kanadas vorschwärmte. Er erhielt den Auftrag, bei einer dritten Expedition Siedlungen auf kanadischem Boden zu errichten, an der Stelle des heutigen Quebec.

Die Expedition scheiterte, die Mannschaft wurde von Indianern angegriffen, und Cartier musste nach seiner Rückkehr erkennen, dass das, was er für Gold und Diamanten gehalten hatte, in Wirklichkeit nur Quartz und Eisenpyrit war. Trotz des Scheiterns seiner Pläne war Cartier ein Platz in den Reihen der großen europäischen Entdecker des 16. Jahrhunderts sicher.

Carla Baum

 

 

1000 Inseln im Sankt-Lorenz-Strom

Dokureihe

Ein Wunder der Natur im Grenzgebiet von Kanada und den USA: die Inselgruppe Thousand Islands. Ihre Schönheit und Legenden faszinieren die Menschen seit Jahrhunderten. Die Ureinwohner nutzen ihre natürlichen Schätze bis heute. Almut Faass und Frank Gensthaler erzählen im ersten Teil ihrer fünfteiligen Dokumentationsreihe, wie sich die Menschen nach dem langen Winter auf die kommende Saison vorbereiten.

Montag, 8. Mai, 18.35 Uhr

Kategorien: Mai 2017