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REPUBLIK MIT KRÖNCHEN

Frankreich hat die Wahl. Am 23. April und 7. Mai sind Millionen Franzosen aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Dabei wollen unsere Nachbarn insgeheim doch nur eines: einfach wieder einen König.

© Martin Haake

Der König ist tot. Es lebe die Republik! So dachten sich die Franzosen das am 21. Januar 1793, nachdem sie ihrem verhassten Monarchen den Kopf abgeschlagen hatten. Doch so einfach ist das nicht. Heute lässt sich klar erkennen: Die Grande Nation ist die Sonnenkönige seit der Guillotinierung Ludwigs XVI. nicht losgeworden.

Gleich der erste Anlauf zur République française wurde von einem Mann ausgebremst, dem es an blauem Blut und Körpergröße, nicht aber an Selbstverliebtheit und Dreistigkeit mangelte: Nach sieben Jahren führte Napoleon Bonaparte 1804 die Monarchie wieder ein und krönte sich zum Kaiser. Genauso verfuhr 50 Jahre später Napoleon III. mit der II. Republik. Die III. Republik fiel tragischerweise dem Größenwahn Hitlers zum Opfer, wohingegen die IV. von Charles de Gaulle beendet wurde.

Dieser hatte 1958 die Idee, den Präsidenten mit königähnlichen Machtbefugnissen auszustatten, weshalb die V. Republik wohl noch immer anhält. Im Gegensatz zum Amt eines deutschen Kanzlers, der stärker von Parlament und Partei abhängig ist, verfügt der französische Präsident damit bis heute über mehr Möglichkeiten: Er kann etwa die Nationalversammlung auflösen und neue Wahlen anordnen, wenn er es für richtig hält. Er selbst wiederum darf vom Parlament, anders als in Deutschland, nur wegen Hochverrats abgewählt werden. Zwar kann der Präsident nicht machen, was er will, dafür sorgt das Verfassungsgericht. Doch mit diesen Instrumenten gilt er als mächtigstes Staatsoberhaupt unter den europäischen Regierenden.

Wäre eine Demokratie ohne diese quasi-royalen Befugnisse, ohne pompöse Repräsentanz des Staatsoberhaupts in Frankreich überhaupt denkbar? Für die Wähler offenbar nicht. Von ganz normalen Präsidenten wie François Hollande sind sie enttäuscht, vielleicht fehlt ihnen hier das königlich Schillernde, das stark Erhabene.

Wie bei den Monarchen der Vergangenheit gehören neben aller Macht bisweilen auch Mätressen zum Herrschertum dazu. So führte sogar ein Staatsmann wie François Mitterrand ein veritables Doppelleben mit seiner langjährigen Geliebten. Jacques Chirac freute sich gar über den Spitznamen „Monsieur 5 minutes douche comprise“ (Herr 5 Minuten, Dusche inklusive).

Der Beliebtheit französischer Präsidenten tun solche Affären keinen Abbruch – eine Toleranz unter den Wählern, von der ein Altbundeskanzler Gerhard Schröder bei uns nur träumen kann. Die Franzosen sind ihren Präsidenten gegenüber ziemlich gnädig. Solange das Ergebnis stimmt, sind Regeln auch mal Nebensache.

Sabine Klüber

 

Karambolage

Samstags, um 18.55 Uhr auf ARTE

Kategorien: April 2017 · Non classé