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Drei Könige für Alle

Ein neues Jahr, ein neues Wirrwarr. Denn schon im Januar startet in den deutschen Bundesländern die Zeit der unterschiedlichen Feiertage. Wo bleibt da die Égalité, die Gleichbehandlung? Jean-Michel Hauteville wagt ein Plädoyer.

© Martin Haake

© Martin Haake

Ach ja –  so sagen es die Deutschen gern –, es ist so weit: Der traurige Januar ist wieder da. Und damit die ganz normale Arbeit. Kaum erwacht und noch verkatert vom Silvester-Knallen fängt schon wieder eine ganz gewöhnliche Woche an. Es sei denn, man lebt in Süddeutschland. Denn in Bayern und Baden-Württemberg – und auch Sachsen-Anhalt sollte man nicht übersehen – bietet der Dreikönigstag am 6. Januar einen sanften Übergang aus der Weihnachtszeit in den fleißigen Alltag. Schon wieder ein Feiertag, wie herrlich! Im Rest der Republik wird hingegen ab dem 2. Januar den ganzen Monat ununterbrochen geschuftet, jeden Wochentag von frühmorgens bis zur Dämmerstunde. Und wehe, wenn jemand in Hannover seine Kollegen aus Stuttgart ausgerechnet am Tag der Erscheinung des Herrn dringend braucht! Geht nicht – ätsch!

Und das ist nur der Anfang. Es folgt eine Vielzahl solcher Tage, an denen sich ein paar geografisch gut Situierte eine Auszeit nehmen dürfen und die anderen ackern. Das stößt selbst dem fleißigsten Bundesbürger auch mal auf und schürt die große Lust am Vergleichen: „Was haben die Nordrhein-Westfalen falsch gemacht, dass sie schlechter dastehen als die Bayern (nur bei den Feiertagen natürlich)?“, fragt sich da der frustrierte Rheinländer. Tatsächlich: In München gibt es 13, in Köln hingegen nur elf freie Tage im Jahr. Die größten Verlierer finden sich allerdings im Norden und Osten. In Berlin, Hamburg und Niedersachsen existieren neun gesetzliche Feiertage. Fronleichnam? Ist ja wohl auch nichts zum Feiern!

Für die Franzosen ist dieser Flickenteppich an Feierlichkeiten ein Graus. Natürlich gibt es auch hier einzelne regionale Ausnahmen. Zum Beispiel wird an Karfreitag nur im Elsass und in den sonnigen Übersee-Départements per Gesetz gefaulenzt. Aber im Wesentlichen herrscht beim Thema Feiertage ein schönes Prinzip der Égalité. Gründe zum Meckern finden die Franzosen immer – nur diesen nicht. Und das ist auch gut so.

In Deutschland gäbe es durchaus zwingende Gründe, die Anzahl der Feiertage bundesweit nach oben zu harmonisieren. In einem zu Fronleichnam veröffentlichten Artikel wies ein deutsches Finanzmagazin nach, dass Feiertage die Wirtschaft geradezu anfeuerten. Der Nachweis? Elf der 30 Dax-Unternehmen seien in einem der drei Bundesländer angesiedelt, die zwölf oder mehr Feiertage im Jahr haben. In den fünf Ländern, in denen es neun Feiertage gibt, sitzen dagegen lediglich drei Dax-Konzerne.

Klingt doch einleuchtend. Für den Franzosen in Deutschland wäre eine Égalité bei den Feiertagen jedenfalls hilfreich. Frohe Allerheiligen – allerseits!

Jean-Michel Hauteville

ARTE Programmhinweis

Karambolage

Sonntags, um 19.30 Uhr und auf arte.tv/karambolage

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Weitere Informationen 
unter arte.tv/edition

Kategorien: Januar 2017