Typisch Frankreich: Oh du schöne Weihnachtszeit

Die Franzosen sind unsere Nachbarn, doch wie gut kennen wir sie wirklich? Im Dezember geht das ARTE Magazin den Ursprüngen von Weihnachtsbaum und Weihnachtsmarkt nach.

© Martin Haake

© Martin Haake

Frankreich ist fest in deutscher Hand! Und zwar jedes Jahr aufs Neue: zur Weihnachtszeit. Warum? Weil das, was die Zeit vor Weihnachten auch in Frankreich klar dominiert, ursprünglich aus dem deutschsprachigen Raum stammt. Lange Zeit glaubte man, dass der erste Weihnachtsbaum im Straßburger Münster gestanden hat. Doch findige Volkskundler haben jetzt erforscht, dass der Brauch aus Bremen kommt.

Eine Zunftchronik aus dem Jahr 1570 verrät, dass im dortigen Zunfthaus eine mit Äpfeln, Nüssen, Datteln, Brezeln und Papierblumen geschmückte Tanne aufgestellt wurde, die die Kinder der Zunftleute zu Weihnachten abschütteln durften, um das Herabgefallene aufzuessen. Dann kam das geschmückte Immergrün sehr schnell an den Oberrhein. Zuerst nach Basel und dann nach Straßburg ins Münster, worüber der damalige (um 1633) Pfarrer Johann Conrad Dannhauer gar nicht erfreut war, da er Heiden am Werk witterte. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Brauch bei Hof wie beim Bürgertum schick und landete spätestens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch in jedem französischen Wohnzimmer.

Der zweite Weihnachtsexportschlager „made in Germanien“ ist der Weihnachtsmarkt. 1310 wurde der Nikolausmarkt in München erstmals urkundlich erwähnt. Verschiedene deutsche Städte kopierten den Brauch, bis dann auch Straßburg 1570 den Christkindelsmärik um das Münster eröffnete. Lange Zeit beschränkte sich diese Sitte in Frankreich auf die deutschsprachigen Regionen Elsass und Lothringen, doch seit den 1990er Jahren schießen die weihnachtlichen Märkte auch andernorts aus dem Boden, sodass man mittlerweile selbst in Marseille oder Nizza bei nicht besonders winterlichen Temperaturen Glühwein schlürfen oder zumindest Zimtsterne und Weihnachtskrippen kaufen kann.

Wundern könnte man sich ja darüber, dass diese Traditionen auch unser Nachbarland so sehr beherrschen. Sind sie doch eindeutig mit Weihnachten, also einem religiösen Fest, verbunden und ist Frankreich doch ein laizistischer Staat, in dem Religion im öffentlichen Raum nichts verloren hat. Doch so leicht lassen sich die Franzosen den Spaß an verzierten Tannen und Märkten mit Leckereien nicht verderben. Natürlich dürfen Weihnachtsbäume und -märkte auch in Frankreich nicht nur auf dem Marktplatz stehen und abgehalten werden, sondern wenn’s gefällt auch im Rathaus oder im Atrium des Fernsehsenders ARTE. Denn sie sind eben keine religiösen Bräuche und haben nichts mit dem zu tun, was man an Weihnachten feiert – die Geburt Jesu. Nein, es sind heidnische Bräuche, wie schon der Straßburger Pfarrer Dannhauer wusste. Und woher stammen die? Na, aus Germanien natürlich!

Sabine Klüber

 

ARTE Programmhinweis

Karambolage

Sonntags, um 19.30 Uhr und auf arte.tv/karambolage

DVD-TIPP: „Karambolage“ erscheint in der ARTE EDITION. Weitere Informationen

unter arte.tv/edition

Kategorien: Dezember 2016