Typisch Frankreich: Das gewisse Etwas

Sie sind unsere Nachbarn, aber wie gut kennen wir sie wirklich? Zur Fashion Week in Paris fragt das ARTE Magazin, woher das Gespür der Französinnen für Stil kommt.

© Martin Haake

© Martin Haake

Die französische Frau ist nicht einfach nur eine Frau. Sie ist ein Mythos. Verkörpert sie doch Anmut und Chic, Nonchalance und Erotik und verfügt – neben dem geringsten Bodymaß-Index aller Europäerinnen – auch noch über einen umwerfend sicheren Geschmack, wenn es um die stilgerechte Garderobe geht.

Kein Wunder, könnte man meinen, kommen doch die weltweit führenden Modehäuser und Kreateure aus Frankreich: Coco Chanel, Christian Dior, Yves Saint Laurent – um nur einige zu nennen. Auch deutsche Designer, allen voran Karl Lagerfeld, sind in Paris einfach inspirierter als daheim. Wohl auch, weil sie sich dort von Französinnen wie dem Model Inès de la Fressange, Ex-Chanel-Gesicht und Muse des deutschen Grand Couturier, inspirieren lassen können.

Was war also zuerst da? Die kreative Henne oder ihr gut gekleidetes Ei? Auch in diesem Fall lässt sich die Frage nicht abschließend beantworten. Nur so viel ist sicher: Sowohl die Haute Couture – zu Deutsch „gehobene Schneiderei“ – als auch die Prêt-à-porter-Mode für den Alltag der mondänen Dame wurden in Paris erfunden. Erstere Mitte des 19. Jahrhunderts vom englischen Modeschöpfer Charles Frederick Worth, Letztere in den Pariser Modesalons der 1930er Jahre. Fast zehn Jahre zuvor hatte Coco Chanel das „kleine Schwarze“ geschaffen und damit die Modewelt revolutioniert. Ihre nüchternen Kreationen standen für die selbstbewusste, moderne Frau mit Stil.

„Das kleine Schwarze ist kein Kleid“, sagt Inès de la Fressange, die heute selbst als Mode-Ikone gilt. „Es ist ein Konzept.“ Genau wie das französische Stilprogramm, das festen Regeln folgt, an die sich die Mehrheit der Französinnen hält. Die oberste Stilregel lautet: Bloß nicht zu durchdacht aussehen! Da läuft die Schauspielerin Charlotte Gainsbourg schon einmal mit strubbeliger Mähne über den roten Teppich in Cannes, ganz so, als sei sie gerade erst aus dem Bett gestiegen. Das wirkt charmant, ist aber kein Zufall, sondern Kalkül. Zweite Regel: bloß kein Bling-Bling! Die Französin verabscheut es, mit zur Schau gestellten Marken und teurem Schmuck zu protzen. Zu diesem reduzierten Chic passt Regel Nummer drei: Nie mehrere auffällige Kleidungsstücke auf einmal tragen! Ganz nach dem Motto: Keine wird schöner, wenn sie sich als lebender Weihnachtsbaum verkleidet.

Einiges spricht dafür, dass französische Mädchen mit High Heels an den Füßen geboren, ihnen diese Normen des guten Geschmacks schon über die Muttermilch weitergegeben werden. Aber so sicher ist das wohl auch nicht: Das „Je ne sais quoi“, also dieses gewisse Etwas, lässt sie später einfach hochhakig elegant über die gröbsten Pflastersteine stolzieren – und wird dann das ganze Leben lang kultiviert.

Sabine Klüber

 

ARTE Programmhinweis

Karambolage

Sonntags, um 19.30 Uhr und auf arte.tv/karambolage

DvD-TIPP: „Karambolage“ erscheint in der ARTE EDITION. Weitere Informationen

unter arte.tv/edition

Kategorien: Oktober 2016