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Trügerisches Sommeridyll

In „Mord im Mittsommer“ gibt es eiskalte Verbrechen vor malerischer Kulisse. Im September zeigt ARTE die neuen Staffeln der schwedischen Erfolgsserie.

ARTE France © Filmlance International/AB/Johan Paulin

ARTE France © Filmlance International/AB/Johan Paulin

Karmesinrote Holzhäuser, lichte Kiefernwälder, geschliffene Granitfelsen und Segeljachten, die im Hafen ankern – das ist Sandhamn. Ein 90-Seelen-Ort auf einer kleinen Insel im Stockholmer Schärengarten und beliebtes Ausflugsziel im Sommer.

„Für mich ist Sandhamn ein Ort der Stille und Erholung, wie ein Stück Himmel auf Erden“, sagt Schauspieler Jakob Cedergren über das Idyll, das sich in „Mord im Mittsommer“ als trügerisch entpuppt. In dem schwedischen Krimiexport spürt der charismatische Däne als Kommissar Thomas Andreasson die Bösen auf.

Nachdem er in den ersten beiden Staffeln die Mordfälle am Geschwisterpaar Berggren und Insolvenzanwalt Juliander gelöst hat, befasst er sich jetzt mit dem Verschwinden zweier Mädchen, dem vermeintlichen Selbstmord eines Studenten und einer Mittsommernachtsfeier, die aus dem Ruder läuft. Neben der teilweise zermürbenden Arbeit halten ihn seine Jugendfreundin Nora, Kollegin Mia und Ex-Frau Pernilla auf Trab.

Persönliche Konflikte und Gefühle treffen auf Verbrechen – „Mord im Mittsommer“ ist eine bunte Mischung. „In meinen Augen sieht das Leben genauso aus“, meint Viveca Sten, die mit ihren Romanen die Vorlage zur Serie lieferte. Ihre Protagonisten sollen keine unnahbaren Übermenschen sein, sondern ganz normale Leute, die ein Leben neben der Arbeit führen und mit denen sich Leser und Zuschauer identifizieren können. Kommissar Andreasson beispielsweise sieht Sten als eine Art großen Bruder, jemand, den sich alle irgendwie in ihrem Leben wünschen. Ihrer Meinung nach erfüllt Jakob Cedergren dieses Bild perfekt. Der Darsteller selbst sagt über seine Rolle: „Er ist etwas einfach gestrickt, aber im Herzen ein guter Mensch.“

Viveca Sten findet sich in zwei Charakteren der Krimireihe wieder: In die Figur der Nora hat sie ihre Erfahrungen als Juristin einfließen lassen, Pernilla ähnelt ihr – zumindest teilweise – charakterlich. Ansonsten hat die Autorin wenig Reales in den Büchern verarbeitet. „Ich wollte kein Alter Ego erschaffen“, sagt sie.

Mit einer Ausnahme: Dass gerade Sandhamn zum Ort des Verbrechens wurde, ist kein Zufall. Stens Familie verbringt seit fünf Generationen ihre Sommer auf dem Eiland. In einem dieser Urlaube hatte die 57-Jährige plötzlich eine Vision. „Ich sah sehr deutlich eine Leiche vor mir am Strand, eingewickelt in ein Fischernetz.“ Als sie davon erzählt, lacht sie auf – sie weiß vermutlich, wie skurril das klingt.

Aus dieser Vision wurde „Mord im Mittsommer“. Buch und Serie waren so erfolgreich, dass Viveca Sten die Juristerei 2011 endgültig an den Nagel hängen konnte. Im April dieses Jahres hat die Autorin den siebten Fall von Thomas Andreasson veröffentlicht. Mit den Filmen soll hingegen nach Staffel fünf Schluss sein. Dass das wenig zu heißen hat, weiß Jakob Cedergren aus eigener Erfahrung: „Nach jedem Film habe ich gedacht: Nun ist es zu Ende. Und dann geht die Geschichte doch weiter.“

Jessika Knauer

 

ARTE Highlight

Mord im Mittsommer

Staffel 3: Die Toten von Sandhamn
Krimiserie (1–3)
Donnerstag, 1.9. | ab 20.15

Staffel 4: Heute Nacht bist du tot
Krimiserie (1–3)
Donnerstag, 8.9. | ab 20.15

Staffel 5: Im Eifer des Gefechts
Krimiserie (1–3)
Donnerstag, 15.9. | ab 20.15

Kategorien: September 2016