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Der Rebell und das Mädchen

Sie ist zurückhaltend, er provozierte, sie ist charmant, er eckte an – trotz vieler Gegensätze verband Dennis Hopper und Diane Kruger eine jahrelange Freundschaft. Über eine ungewöhnliche Beziehung zweier Künstler.

© Patricia von Ah / thelicensingproject.com

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Das ich an Dennis am meisten geschätzt habe?“, grübelt Diane Kruger: „Dass ihm so vieles einfach scheißegal war!“ Die deutsche Schauspielerin und die amerikanische Filmlegende Dennis Hopper könnten kaum unterschiedlicher sein: sie, die 2004 als schöne Helena mit dem Film „Troja“ international bekannt wurde, eine zurückhaltende Frau, die nicht zu viel von ihrem Privatleben in den USA preisgibt. Dagegen Dennis Hopper, dessen langjähriger Alkohol- und Drogenkonsum genauso bekannt ist wie sein Talent als Darsteller und Fotograf. Der Mann, der dem „Columbia Pictures“-Boss Harry Cohn mit gerade einmal 18 Jahren ein „Fuck you, man!“ entgegenschleuderte und der 1969 mit seinem Film „Easy Rider“ zum Gesicht von Unabhängigkeit und Rebellion wurde. Für ein Live-Kunstprojekt 1983 zündete er 17 an seinem Körper befestigte Dynamitstangen an. Doch trotz all dieser Gegensätze bauten Diane Kruger und Dennis Hopper eine Freundschaft auf. In der Dokumentation „Dennis Hopper: Uneasy Rider“, die zum ARTE-Schwerpunkt „Summer of Scandals“ gehört, erzählt sie davon. Die Darstellerin weiß: „Ich habe Dennis viel in meiner Karriere zu verdanken.“

Wie Hopper kommt auch Kruger aus einer Kleinstadt – sie aus Algermissen in Niedersachsen, er aus Dodge City, Kansas – und versuchte früh, der Provinz zu entfliehen: „Ich wollte in einer großen Stadt leben, um frei zu sein und interessante Menschen zu treffen.“ Einer der wichtigsten Menschen war schließlich Dennis Hopper, den sie 2002 bei den Dreharbeiten zu „The Piano Player“ in Südafrika kennenlernte. „Ich spielte in dem Film seine Tochter und war sehr nervös, ihn zu treffen“, erzählt Kruger.

Die kühle Deutsche und der Exzentriker näherten sich erst langsam an: „Dennis wirkte wie ein Verrückter, als ich ihn zum ersten Mal traf“, sagt sie. „Er war ungeduldig, weil ich nicht gleich alles richtig machte. Dann sah er, dass ich eingeschüchtert war, und fragte: ‚Wie lange arbeitest du als Schauspielerin?‘ ‚Das ist das erste Mal.‘ Ab da brachte er mir alles bei.“

Getty Images © Maarten de Boer/Contour

Getty Images © Maarten de Boer/Contour

 

Doch Hopper war kein einfacher Mensch: „Er erwartete viel von anderen. Hatte er das Gefühl, dass man nicht aufmerksam oder nicht gut genug war, konnte er harsch sein“, erinnert sich Kruger. „Doch wenn er jemanden mochte, war er sehr großzügig.“

Die beiden verbrachten viel Zeit miteinander, auch nach Drehschluss. Sie ging mit ihm auf Safaris, sah zu, mit wie viel Fachwissen und Begeisterung er afrikanische Kunst kaufte, und amüsierte sich, wenn Hopper skurrile Geschichten erzählte. „Er war von den großartigsten, verrücktesten, kreativsten Menschen der Welt umgeben und gab mir Einblicke, was Schauspielern heißt“, sagt Kruger. „Zwischen uns hat es einfach geklickt. Ich wollte alles von ihm aufnehmen, für mich war er ein Geschenk Gottes.“

Es faszinierte sie, dass seine Gedanken „mit 2.000 Meilen pro Stunde“ arbeiteten und es für ihn keine Grenzen gab. „Er wäre eher gestorben, als nicht so leben zu können, wie er es tat“, glaubt sie. 1974 hatte Hopper noch gesagt: „Eins weiß ich sicher, ich habe gelebt. Ich hatte ein unglaubliches Leben und es wird noch unglaublicher, bevor es irgendwann vorbei ist.“ Erst als sie Hopper kurz vor seinem Tod 2010 sah, sei das Funkeln in seinen Augen verschwunden.

Sie weiß: „Ich bin nicht wie er, ich bin ängstlicher. Aber ich habe ihn bewundert – für seine bedingungslose Hingabe an Kreativität und Freiheit.“

Text: Karoline Nuckel

 

ARTE Schwerpunkt
Summer of Scandals

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Das Leben des Brian
Satire
Sonntag, 14.8. | 20.15

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Porträt
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Konzert
Samstag, 20.8. | 23.25

Hollywood Confidential
Kulturdoku
Sonntag, 21.8. | 20.15

Dennis Hopper: Uneasy Rider
Porträt
Sonntag, 21.8. | 21.15

Eyes Wide Shut
Erotikthriller
Sonntag, 21.8. | 22.15

arte.tv/summer

Kategorien: August 2016