Italien, Maccallini, Motorroller, Vespa

Isch ‘abe eine Vespa

Er hat gar kein Auto – aber natürlich eine Vespa. Sie gehört zu Italien wie Espresso, Spaghetti und Tiramisu, sagt Schauspieler Bruno Maccallini. Eine Hommage an den Zweitakter zum 70. Geburtstag.

Illustration © Martin Haake

Illustration © Martin Haake

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde schnell ein Gefährt gebraucht, das einfach zu produzieren und kostengünstig war, sich auch selbst reparieren ließ und gleichzeitig dem wieder aufkeimenden Gefühl von Unabhängigkeit entsprach. Die Firma Piaggio landete einen Volltreffer mit ihrer Vespa. Und wer hätte damals gedacht, dass bald schon ein Siegeszug zuerst durch Europa und dann um die ganze Welt beginnen sollte – der bis heute anhält.

Liebe im Zweitakt

Eine Vespa kann sich augenblicklich in das Gemüt ihres Besitzers versetzen, ja mit ihm verschmelzen. Sie rast, wenn man es morgens eilig hat, ohne zu zögern zwischen den im Stau stehenden Autos hindurch. Wenn man dringend noch vor Ladenschluss eine wichtige Besorgung machen muss, windet sie sich mit röhrendem Motor immer und überall durch die kleinste Lücke und bahnt sich ihren Weg.

Das Schöne an der Vespa ist ihre Wendigkeit. Sie ist weitaus mehr als nur ein Mittel, sich von Verkehrs- und Parkplatzproblemen unabhängig zu machen. Und wenn man sich kurz entspannen will und die Hand am Gasgriff lockert, gluckst sie heiter weiter mit ihrem unregelmäßigen Zweitakter und lächelt einem von ihrem gerundeten Mini-Armaturenbrett aus zu.

Natürlich fährt man heute nicht mehr ohne Integralhelm. Er schenkt Privatsphäre, denn hinter dem Visier kann es völlig egal sein, ob man frisiert oder rasiert ist, ob man den Gedanken an die letzte Nacht nachhängt, ob man lächelt, weint, Selbstgespräche führt oder den Limousinenfahrer neben sich zum Teufel wünscht. Auf einer Vespa kann man tun und lassen, was man will: Die treue Freundin bringt ihren Fahrer überhall hin. Während im Auto nur in schnellen, engen Kurven der wirkliche Fahrspaß aufkommt, kann man auf einer Vespa immer sanft nach links oder rechts schaukeln und beschwingt in seinen angenehmen Gedanken versinken.

Als in den 1950er Jahren die ersten Touristen aus Deutschland nach Italien kamen und den Campingurlaub am Meer für sich entdeckten, gehörte es dazu, sich eine Vespa zu mieten und das bis dahin unbekannte Gefühl von Freiheit zu genießen. Der fahrbare Untersatz animierte dazu, die Küsten entlang zu cruisen – mit im Wind flatternden Haaren, in Shorts und Strandschuhen, die angeschmiegte Freundin auf dem Sozius. Und zwischendurch nach Gusto zu halten, um in einer kleinen Bar ein Glas Chianti zu trinken oder in einsamen Buchten zu baden.

Wer erinnert sich nicht noch an die Freude und das Lachen von Audrey Hepburn in „Roman Holiday“, die als Prinzessin Ann von Joe Bradley alias Gregory Peck auf einer Vespa durch Rom gefahren wurde? Diesen Glücksmomenten konnte man sich nicht entziehen. Und gibt es überhaupt einen Film, der in Italien spielt, in dem nicht mindestens ein Darsteller auf einer Vespa herumfährt?

Ein italienisches Gefühl

Romantikern empfehle ich, sich für ein paar Stunden mit einem geliebten Menschen eine Auszeit zu nehmen. Am besten funktioniert das dort, wo Italien so ganz den Träumen entspricht: an der Amalfi-Küste.

Spätestens hier entdecken auch die hartgesottensten Machos ihre einfühlsame Seite! Stellen Sie Ihre Vespa irgendwo ab, merken Sie sich aber ganz genau wo, denn Vespas sehen auf den ersten Blick alle gleich aus. Schlendern Sie durch die wunderschönen Gärten, atmen Sie den Duft der Rosen und Zitronen ein – entdecken Sie mit all Ihren Sinnen das italienische Gefühl. Umarmen Sie den Menschen neben sich, denn hier sind Sie wirklich am schönsten Ort der Welt.

Wenn Sie dann bei Mandolinen und Mondschein ganz leicht beschwipst die Rückfahrt antreten, werden Sie sich unbeschreiblich reich fühlen und sich noch sehr lang an diese magischen Momente erinnern, die Ihnen Ihre romantische Fahrt auf der Vespa bereitet hat – meraviglioso!

Bruno Maccallini

Zur Person

Bruno Maccallini, 56, ging mit dem Satz „Isch ’abe gar kein Auto, Signora!“ in die Geschichte des Werbefernsehens ein. Als Schauspieler und Regisseur ist der in Rom geborene Maccallini sowohl in Italien als auch in Deutschland tätig und schrieb mehrere Bücher über deutsch-italienische Kultur.

 

Gesellschaftsdoku
„Vespa – Bella machina“
Sonntag, 10.4., um 17.35 Uhr

Kategorien: April 2016