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Liebe trotzt Hindernissen

ARTE stellt Paare vor, die sich entgegen gesellschaftlichen, politischen oder sexuellen Normen gefunden haben. Eine transmediale Hommage an die Kraft der Liebe.

Foto © Flore-Ael Surun & Pierre-Yves Brunaud

Foto © Flore-Ael Surun & Pierre-Yves Brunaud

Sie lieben sich, auch wenn sie ihr Leben dafür riskieren, die Familie sie verstößt oder eine Grenze sie trennt. Das transmediale Projekt „LIEBE VERBOTEN“ zeigt Paare, deren Beziehung aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht sein soll – und doch ist. Inspiriert von den dokumentarischen Kurzfilmen beleuchten Fotografen aus dem jeweiligen Land das Thema Liebe aus ihrer Sicht. Videos und Fotos sind online auf ARTE Info abrufbar. Im Fernsehen strahlt ARTE Reportage zwei Geschichten aus, im ARTE Journal werden drei Paare porträtiert.

Viele von ihnen kämpfen gegen gesellschaftliche Normen und Vorurteile: Die Tradition macht in Frankreich den ehemaligen Priester Christophe und seine Ehefrau Valérie zu Personae non gratae im Ort. In China grenzt ihre Homosexualität das lesbische Paar Max und Cici vom gesellschaftlichen Leben aus. Die Hautfarbe unterscheidet Ashlyn und Ra’Montae in den USA: Er ist schwarz, sie weiß. Für ihre Liebe werden sie rassistisch beleidigt. Die Religion ist der Grund für Anfeindungen von Muhi und Ilana in Israel: Er ist Muslim, sie musste für ihre Hochzeit den Kontakt zu ihrer sehr gläubigen jüdischen Familie abbrechen. Khady und Massamba aus dem Senegal stammen aus zwei unterschiedlichen sozialen Kasten.

Über politische Konventionen, Grenzen und Gitter hinweg haben sich weitere Paare gefunden: Die Politik ächtet in Kolumbien die Liebe zwischen der ehemaligen FARC-Rebellin Angela und dem Ex-Soldaten Keiner. Das Gesetz entzweit Conny und Pepe in Deutschland: Er sitzt lebenslänglich hinter Gittern. Eine grenze trennt Mohammed und Shanara, die in einer Enklave von Bangladesch in Indien leben, von ihrer Familie.

Das ARTE Magazin zeigt Auszüge aus dem transmedialen Projekt.

Die Tradition

Christophe war katholischer Pfarrer, hatte Keuschheit gelobt. Doch dann lernte er Valérie kennen, ausgerechnet in der Kirche. Sie sagt: „Ich habe ihn in seiner Soutane kennengelernt, aber er war sehr offen, sehr aufgeschlossen.“ Eines Abends lud er sie ins Pfarrhaus ein. Sie verbrachten den Abend nicht nur als Freunde. „Für mich war es sehr schwer, ich war die Mätresse, er war mit Gott verheiratet.“ In dem Ort in Südfrankreich haben die Menschen getuschelt, sie später offen beschimpft. Die Fotografen Flore-Aël Surun und Pierre-Yves Brunaud haben sich von der Geschichte inspirieren lassen, um durch das Prisma der Natur die Innigkeit zweier Liebender einzufangen.

Die Politik

Seit Jahrzehnten tobt in Kolumbien ein Krieg zwischen der Regierung und der Guerilla- Organisation FARC. Angela ist eine demobilisierte Rebellin, Keiner ein Ex-Soldat. „Während des Militärdienstes wurde mir beigebracht, das Einzige, was wir mit Guerilla- Kämpfern zu tun hätten, sei, sie zu töten“, sagt er. Angela wurde eingetrichtert, dass Soldaten von den Bauern stehlen und keiner verschont bleiben solle. Heute leben beide zusammen, doch sie werden immer wieder bedroht.
In Medellin begleitet Fotograf Federico Rios das Paar Eliana und Sebastian. Die beiden halten sich im berüchtigten 13. Distrikt mit Drogendeals über Wasser: Er rollt die Joints, sie ist der Kurier. Eine fragile Liebe.

Die Sexualität

Ihre Liebe ist in China gesellschaftlich verpönt: Max und Cici sind lesbisch. „Von Max wissen meine Eltern nichts, ich will ihnen kein Leid antun“, sagt Cici.

Auch Max steht unter Druck. Sie will jetzt eine kooperative Ehe eingehen, einen schwulen Mann heiraten, damit das heterosexuelle Familienbild nach außen intakt bleibt. „Wir gehen dann jedes Jahr zu den Festen unsere Familien besuchen.“ Cici will nicht, dass sie heiratet: „Es ist eine Lebenslüge. Nach der Hochzeit wird die Frage nach einem Kind kommen.“ Der Streit belastet die Beziehung.
Die Fotografin Pixy Yijun Liao hat einen fünf Jahre jüngeren Freund. Er ist Japaner, traditioneller Erzfeind der Chinesen, sie spricht daher von Hassliebe. In ihren Fotos stellt sie Autoritäts- und Geschlechterrollen auf den Kopf.

Online finden Sie ab dem 13.2. das transmediale Projekt „LIEBE VERBOTEN“ mit Kurzfilmen, Fotos, Interviews und der Möglichkeit, interaktiv teilzunehmen.

 

 

LIEBE VERBOTEN

arte.tv/liebeverboten

ARTE Reportage
Samstag, 13.2., um 17.10 Uhr

Kategorien: Februar 2016