NATUR
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Tierisch gut gebaut

ARTE France © Shutterstock/Andrew Burgess

ARTE France © Shutterstock/Andrew Burgess

Die Anatomie der Tiere ist perfekt an ihren jeweiligen Lebensraum angepasst: Die ARTE-Dokureihe „Tierische Überlebenskünstler“ verblüfft mit jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Highlights zum Vorgeschmack



Fliegen unter Wasser: Pinguine


An Land kommt der Pinguin tollpatschig daher, aber unter Wasser wird er zum Superhelden. Er beschleunigt auf 24 Stundenkilometer in einer Sekunde und taucht bis zu 500 Meter tief. Für seine Schnelligkeit ist die Position der Beine entscheidend: Am Körperende erzeugen sie keinen Wasserwiderstand – und dienen gleichzeitig als Heckruder, das ihn in einer Fünftelsekunde eine 180-Grad-Wendung vollbringen lässt. Und die steifen Flügel? In die Lüfte heben sie ihn niemals, diese Fähigkeit ging vor 60 Millionen Jahren verloren. Doch unter Wasser dienen sie als Paddel.
Mit seinem torpedoförmigen Körper machen sie ihn zum fliegenden Schwimmer. Und wie springen die recht schweren Kaiserpinguine so behende aus dem Wasser? Lange war es ein Geheimnis, warum sie am Ende eines Tauchgangs kurz auftauchen, wieder abtauchen und dann aus dem Wasser schießen. Man meinte, sie würden sich putzen, aber tatsächlich bringen sie Luft in den Gefiederansatz. Beim Abtauchen steigt der Wasserdruck und verringert das Volumen der Luft um bis zu 75 Prozent. Die Muskeln an den Federschäften klappen die Federn zu und halten diese Luft fest, die sich beim Hochschießen ausdehnt und zwischen den Federn entweicht. Sie umgibt das Tier mit winzigen Bläschen, die einen Gleitfilm aus Luft schaffen – zu sehen als blasiger Kondensstreifen.


Gesundheitsexperten: Ameisen


Zusammen sind sie stark. Ameisen kooperieren, kämpfen und töten sich sogar gegenseitig – wenn es dem Erhalt und der Expansion ihrer Art dient. Die größte Gefahr für sie sind Krankheiten, die ganze Kolonien dahinraffen können. Manche Arten schützen sich mit einer Art Impfung. Sie fressen ein Stück eines krankheitserregenden Pilzes und setzen damit ihre Immunabwehr in Gang.


Teamplayer unter Großkatzen: Löwen


Die Familie der Großkatzen steht am oberen Ende der Nahrungskette. Dafür ist nicht nur ihre Stärke verantwortlich, sondern auch ihre ausgeklügelte Jagdtechnik – egal ob Leopard, Tiger, Jaguar oder Löwe. Was Taktik anbelangt, ist Letzterer, genauer gesagt die Löwin, die Königin dieser Großfamilie. Als einzige Großkatze jagt sie im Rudel. Dabei gibt es wie im Mannschaftssport eine klare Rollenverteilung: Die vier „Flügelspielerinnen“ treiben der „Mittelstürmerin“ die Beute zu, die sie schließlich tötet. Dass Löwinnen diese Teamarbeit leisten können, liegt an ihrem hoch entwickelten Stirnhirn, wie Forscher nun herausfanden. Es ist für Entscheidungsfindung, Problemlösung und das Sozialverhalten zuständig. Bei den Weibchen ist es ausgeprägter als bei den Männchen, weil sie wesentlich mehr Zeit in Gruppen verbringen.

ARTE France © Shutterstock/Andrey Yurlov

ARTE France © Shutterstock/Andrey Yurlov



Ein Fell voller Wunder: Eisbären


Der von Natur aus übergewichtige Eisbär ist von allen Bären der größte Fleischfresser. Präziser gesagt: Fettfresser. Denn beim Verdauen von Fleisch fällt Stickstoff an, zu dessen Ausscheidung es Wasser bedarf. Da in der Arktis Süßwasser aber nur in Form von Schnee verfügbar ist und dessen Kälte die Körpertemperatur herabsetzen würde, frisst der Eisbär lieber Fett, was sein Körper fast vollständig aufnimmt. Um eine Körpertemperatur von 37 Grad zu halten, sind mehrere physiologische Besonderheiten nötig: Mit 1.600 Haaren pro Quadratzentimeter ist sein Fell eine perfekte Isolierung. Wichtiger ist jedoch die Farblosigkeit des Fells. Es ist nicht weiß. Die Haare sind hohl und transparent. Pigmentlos absorbieren sie das gesamte Lichtspektrum, auch unsichtbare Wellenlängen. Wenn der warme Körper Infrarotwellen abgibt und diese auf die Haarfaser treffen, werden sie auf die Haut zurückreflektiert und wieder absorbiert.


Wo aus Kriechen Sausen wird: Schlangen


Wie kann man flink sein, wenn der gesamte Körper auf dem Boden aufliegt? Damit die Last des Körpers gleichmäßig verteilt ist, sind die inneren Organe der Schlangen über ihre gesamte Länge linear angeordnet – bis zu 400 Rippenpaare schützen sie. Mit der Kraft von jeweils 24 Muskeln pro Rippenpaar wird der Gleitwiderstand überwunden.
Die Schwarze Mamba ist die schnellste Schlange der Welt – ihre Spitzengeschwindigkeit beträgt bis zu fünf Meter pro Sekunde. An Hindernissen stößt sie sich ab, was als Bewegungsmuster die Schlangenlinie entstehen lässt. Die Seitenwinderschlangen wiederum bewegen sich im Seitwärtsgang und wieder andere überwinden Distanzen gar fliegend.


Jäger der Nacht: Fledermäuse


Die Jagdtechniken und Nahrungsquellen der Fledermausarten sind sehr unterschiedlich. Die Vampirfledermaus ernährt sich als einziges Säugetier von Blut. Mit wärmeempfindlichen Sensoren auf dem Nasenblatt macht sie die blutreichsten Venen des Opfers aus. Eine gerinnungshemmende Substanz im Speichel sorgt dafür, dass das Blut ungehindert fließt. Das Problem: Wenn die Fledermaus satt ist, ist sie zu schwer zum Fliegen. Die Lösung: Die Nieren arbeiten so schnell, dass binnen weniger Minuten das überschüssige Plasma ausgeschieden wird und die Fledermaus wieder leicht ist.

ARTE France © Shutterstock/Lara Zanarini

ARTE France © Shutterstock/Lara Zanarini



Von sozial bis empathisch: Menschenaffen


Bonobos südlich des Kongo-Flusses in Afrika sind bekannt für ihre hohe sexuelle Aktivität. Doch ihre sozialen Bindungen gehen weit darüber hinaus. Um Futter streiten sie nicht, sie teilen es. Anthropologen fanden heraus, dass sie einen Selbstdomestizierungsprozess durchlaufen haben: Das Nahrungsangebot ihrer Vorfahren war groß, und so wählten die Weibchen die weniger aggressiven Männchen, was die Art mit der Zeit sanfter werden ließ. Dass sie sogar Empathie zeigen, lässt auf eine besondere Eigenschaft des Gehirns schließen. Ihr limbisches System ist weiter entwickelt als das ihrer Vorfahren, der Schimpansen. Es sorgt dafür, dass sie spüren, wenn sie Leid verursachen.


Keine Beißhemmung: Krokodile


Mit über 60 kegelförmigen Zähnen packt und durchbohrt das Krokodil seine Beute. Die Beißkraft beträgt über zwei Tonnen. Bei derart kräftigen Bissen durch Fleisch und Knochen geht öfter mal ein Zahn verloren, der aber schnell wieder nachwächst. Im Laufe eines Lebens wachsen einem Krokodil bis zu 3.000 neue Zähne. Um die großen verschlungenen Brocken verdauen zu können, verschluckt es immer wieder kleine Steine, die im ersten Magenabschnitt die Nahrung mechanisch zerkleinern. Im nächsten Magenabschnitt erfolgt dann die chemische Zersetzung der Nahrung.


Sprachgenies: Elefanten


Das Gedächtnis eines Elefanten ist sprichwörtlich. Es gibt ihnen sogar die Fähigkeit, sich gegen ihren größten Feind – den Menschen – zu verteidigen. Seit Jahrtausenden werden Elefanten gejagt, nicht nur wegen des Elfenbeins, sondern auch aus Konkurrenz um Ressourcen, beispielweise von den Massai in Kenia. Jüngste Forschungen haben gezeigt, dass Elefanten Dialekte von Stämmen er-kennen und sich merken können. Wissenschaftler spielten ihnen Tonaufnahmen von zwei verschiedenen lokalen Stämmen vor. Mit den Kamba haben Elefanten selten Kontakt, die Herde blieb daher ruhig. Die Tonaufnahme der Massai hingegen ließ sie fliehen.


Nina Vey für das ARTE Magazin

 

ARTE PLUS

40 JAHRE ARTENSCHUTZABKOMMEN

Viele der in der Dokureihe gezeigten Tiere gehören zu den bedrohten Arten. Das Artenschutzabkommen „Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora“ (CITES), das am 1. Juli dieses Jahres sein 40-jähriges Bestehen feierte, versucht seit 1975, den internationalen Handel mit gefährdeten frei lebenden Tieren und Pflanzen zu kontrollieren. Es wurde auf der ersten UN-Umweltkonferenz 1973 in Stockholm beschlossen und ist in Deutschland als Washingtoner Artenschutzabkommen bekannt. 181 Staaten haben es mittlerweile unterzeichnet. Das Abkommen regelt Ein- und Ausfuhr von ca. 5.000 bedrohten Tierarten und ca. 29.000 Pflanzenarten.

Weitere Infos unter
www.bmub.bund.de
www.bfn.de

ARTE DOKUREIHE
TIERISCHE ÜBERLEBENSKÜNSTLER

VON MONTAG · 10.8. BIS
FREITAG · 14.8. · 17.25

(1) PINGUINE

(2) BÄREN

(3) GROßKATZEN

(4) AMEISEN

(5) SCHLANGEN

SAMSTAG · 22.8. · 10.30

(6) FÜCHSE

VON MONTAG · 17.8. BIS
FREITAG · 21.8. · AB 15.40

(7) ELEFANTEN

(8) MENSCHENAFFEN

(9) KROKODILE

(10) DELFINE

(11) RAUBVÖGEL

SAMSTAG · 22.8. · 10.30

(12) FLEDERMÄUSE

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Kategorien: August 2015