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Gute Nachrichten!

© Thu Thuy Pham

© Thu Thuy Pham

Die „Tagesschau“-Sprecherin berichtet
diesen Sommer nicht von Krieg, sondern
von Frieden – als Gesicht des „Summer of Peace“ bei ARTE. Ein Interview.

Im Juli und August steht das ARTE-Programm im Zeichen des Friedens – unter dem Motto „Summer of Peace“. Legendäre Konzerte von Stars wie Joan Baez und Bob Marley, spannende Musikdokumentationen sowie Antikriegsfilme mit Kultstatus lassen die 1960er und 70er als Ära der Friedensbewegung wieder aufleben. Durch den „Summer of Peace“ führt Linda Zervakis. Vielen gilt die „Tagesschau“-Sprecherin, wie sie selbst sagt, wegen täglicher Schreckensmeldungen als „Katastrophenfrau“. Bei ARTE hat sie nur Gutes zu vermelden. Ein Interview über schlechte Schlagzeilen, gute Nachrichten und Friedenserziehung im Sandkasten.

 

ARTE: Wie wäre es mit ein bisschen mehr Frieden in der Berichterstattung von Nachrichtensendungen?
LINDA ZERVAKIS: Es stimmt schon, dass von 15 Themen mindestens acht gruselig und drei, vier einigermaßen erträglich sind. Und dann kommt das Wetter, das meistens auch schlecht ist.
ARTE: Könnten die Medien nicht dennoch mehr über positive Ereignisse berichten?
LINDA ZERVAKIS: Es gibt Printmedien wie die „Süddeutsche Zeitung“, die das versucht haben. Aber es ist nicht einfach. Das liegt zum einen daran, dass eben nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen herrscht. Zum anderen sind wir alle sensationsgierig. Nachrichten funktionieren leider besser mit schlechten Meldungen.
ARTE: Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie gefragt wurden, ob Sie bei ARTE durch den „Summer of Peace“ führen möchten?
LINDA ZERVAKIS: Ich habe mich sehr gefreut, dieses Mal den Fokus auf den Frieden, also auf etwas Positives lenken zu können. Und darüber, dass die Zuschauer mich zur Abwechslung nicht als Katastrophenfrau von der „Tagesschau“ wahrnehmen.
ARTE: Was verbinden Sie mit dem Programm-Motto „Summer of Peace“?
LINDA ZERVAKIS: Flower-Power, Woodstock, Reggae, Bob Marley, John Lennon und Yoko Ono und natürlich Friedenstauben.
ARTE: Das Programm dreht sich vorwiegend um die Musik der 1960er und 70er Jahre. Haben Sie eine Verbindung zu den Liedern dieser Zeit?
LINDA ZERVAKIS: Ich komme aus einem Haushalt, in dem keine einzige Schallplatte im Schrank stand. Als Jugendliche fing ich an, The Doors zu hören, wusste aber nicht, wofür sie standen. Ich verstand viel später, welche Bedeutung Künstlern wie Bob Marley und John Lennon für den damaligen Zeitgeist zukam. Erst als zum Mauerfall das Lied „Wind of Change“ der Scorpions zur Hymne der Wende wurde, verstand ich die Kraft von Musik.
ARTE: Welche Errungenschaften aus dieser friedensbewegten Zeit sind für Sie heute noch wichtig?
LINDA ZERVAKIS: Die Erkenntnis, dass Musiker starke politische Botschaften vermitteln können und mit der zugänglichen Ausdrucksform des Pop die Bevölkerung stärker erreichen als Politiker.
ARTE: Gibt es für Sie eine prägende Friedenshymne aus dieser Ära?
LINDA ZERVAKIS: Ja, John Lennons „Give Peace a Chance“ zum Beispiel. Diesen Song konnte jeder mitsingen, jeder wusste, worum es ging.
ARTE: Können Aufrufe wie „Make love, not war“ heute noch funktionieren?
LINDA ZERVAKIS: Ich fürchte, dass man heutzutage mit solchen Sprüchen nicht mehr so einfach Menschen mobilisieren kann. Das liegt sicherlich auch daran, dass unsere Welt komplexer geworden ist. Durch soziale Medien und Kanäle wie Youtube verteilt sich die Macht, die früher von einzelnen Musikern ausging, auf die Massen.
ARTE: Welche Sendung im „Summer of Peace“-Programm sollte man auf keinen Fall verpassen?
LINDA ZERVAKIS: Es gibt spannende Musikdokumentationen mit teilweise seltenem Archivmaterial, etwa zu Jimi Hendrix und The Doors. Zu meinen persönlichen Highlights gehören die Dokumentarfilme „Give Peace a Chance – Kann Pop die Welt retten?“ und „The Voice of Peace – Der Traum des Abie Nathan“. Im ersten geht es um das, was Künstler mit Protestsongs bewirken können. Der zweite Film geht dem Engagement des israelischen Friedensaktivisten Abie Nathan nach. Mit seinem 1973 gegründeten Piratensender „The Voice of Peace“ sendete er von einem Boot im Mittelmeer aus Friedensbotschaften und Popmusik in die Welt.
ARTE: Was, denken Sie, sollten wir heute unseren Kindern mit auf den Weg geben, um ihnen den Glauben an Frieden zu vermitteln?
LINDA ZERVAKIS: Man muss Kindern frühzeitig beibringen, Konflikte diplomatisch, mit Worten zu lösen. Etwa bei den klassischen Sandkastenstreitereien. Und ganz wichtig ist, dass Kinder in einem liebevollen Umfeld aufwachsen.
ARTE: Wie könnten wir im Alltag Frieden stiften?
LINDA ZERVAKIS: Das fängt schon bei Kleinigkeiten an. Man kann öfter mal „Entschuldigung“ sagen und den kleinen Krieg vor der Haustür vermeiden. Ich versuche auch, Neid auszublenden, mich nicht mit anderen zu messen. Der Kuchen ist groß genug für alle.

 

 

Carla Susanne Erdmann für das ARTE Magazin

 

ARTE SCHWERPUNKT

SUMMER OF PEACE

SAMSTAG · 18.7.

PICTURES FOR PEACE
KURZPROGRAMM · 19.10

MARLEY
DOKUMENTARFILM · 21.45

BOB MARLEY: UPRISING LIVE! KONZERT · 00.05

SONNTAG · 19.7.

PICTURES FOR PEACE
KURZPROGRAMM · 19.10

GOOD MORNING, VIETNAM
DRAMA · 20.15

GIVE PEACE A CHANCE – KANN POP DIE WELT RETTEN?
DOKUMENTARFILM · 22.10

FREITAG · 24.7.

KURZSCHLUSS – DAS MAGAZIN
KURZFILMMAGAZIN · 00.25

SAMSTAG · 25.7.

PICTURES FOR PEACE
KURZPROGRAMM · 19.10

JOAN BAEZ –
HOW SWEET THE SOUND
DOKUMENTARFILM · 21.45

PALÉO FESTIVAL 2015 – LIVE AUS NYON · FESTIVAL · 23.10

SONNTAG · 26.7.

PICTURES FOR PEACE
KURZPROGRAMM · 19.10

DER SCHMALE GRAT
DRAMA · 20.15

THE VOICE OF PEACE –
DER TRAUM DES ABIE NATHAN
DOKUMENTARFILM · 23.05

SAN FRANCISCO – FLOWER UND POWER · MUSIKDOKU · 00.40

IM AUGUST GEHT ES MIT
DEM „SUMMER OF PEACE“-
PROGRAMM WEITER

MEHR INFORMATIONEN UNTER
ARTE.TV/SUMMEROFPEACE

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Kategorien: Juli 2015