TYPISCH FRANKREICH
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Typisch Frankreich: Der Franzose im Mann

© Drushba Pankow

© Drushba Pankow

Der Franzose im Mann

Die Franzosen sind unsere Nachbarn, doch wie gut kennen wir sie
wirklich? Das ARTE Magazin geht auf Spurensuche. Im Wonnemonat Mai: Was hat der French Lover, was der Deutsche nicht hat?

 

Wie verführerisch ist der deutsche Mann? Welcher Promi bringt Frauen ins Schwärmen? Fragt man in die Runde, gibt’s ratlose Gesichter. Schweigen, dann: „Til Schweiger auf keinen Fall.“ Wieder Schweigen. Vorbei die Zeiten, als Frauen dem „Tatort“ entgegenfieberten, weil „Schimmi“ Götz George kam, mit Brusthaar, Muckis, rauen Sprüchen und weichem Kern, der Cowboy unter den Kommissaren. Testosteron in Reinkultur war gestern. Wovon träumen deutsche Frauen heute?

In Frankreich stellen sich solche Fragen nicht, Frankreich hat „le French Lover“, sprich „le frönsche lowööre“, mit Betonung am Ende. „Ah oui, le frönsche lowööre!“, sagt der Franzose, die Französin wissend, wirft man die Frage auf, was das denn sei. Er ist der Romantiker mit einem Schuss Macho; der Galan, der im Restaurant die Rechnung bezahlt, der ganze Kerl mit dem sanften Blick, ein bisschen kleiner Junge, aber nie glatt, nie politisch korrekt. Le French Lover, das ist fleischgewordenes Charisma auf Männerbeinen, der Charmeur per se, der eines liebt: das Spiel der Verführung. „La drague“, die Kunst der Anmache, beherrscht er perfekt.

Da ist zum Beispiel „le Blitzkrieg“. Die Technik mit dem klingenden Namen hat zwei Phasen. Phase eins: die anvisierte Frau heftig anmachen. Phase zwei: sie ignorieren, am besten über einen längeren Zeitraum, woraufhin sie dem Lowööre wie eine reife Frucht in den Schoß fällt. Wenn nicht, ist es auch nicht weiter tragisch, schließlich gilt es so viele Frauen zu beglücken. Die Wahrheit über ihn: Er liebt am meisten sich selbst. Das illustriert der Witz, „Was hat zwei Daumen, ein Auge und macht Liebe wie ein Gott? – Ich!“ Dazu die Angebergeste mit einem zugekniffenen Auge und zwei auf sich selbst gerichteten Daumen. Die Attitüde kommt plump daher, doch le French Lover verfügt über Poesie, Eleganz. Typische Exemplare sind die Schauspieler Jean Dujardin, der mit „The Artist“ den Oscar gewann, und Filmemacher und Acteur Guillaume Canet, der laut diverser Zeitschriften 2014 und 2015 die Liste der attraktivsten Franzosen anführt. Das „phantasme“ vom verführerischen Franzosen hat längst den Atlantik überquert: Le French Lover ist Amerikas heißester Import. Madonna, Scarlett Johansson, Natalie Portman, Sofia Coppola, sie alle haben oder hatten einen, manche sogar zum Ehemann.

Deutsche dagegen können mit dem französischen Modell nicht viel anfangen, Leichtigkeit liegt uns einfach nicht. All die Spielerei finden wir anstrengend; nie weiß man, woran man ist. Aber vielleicht hat er sich verpuppt, der deutsche Mann? Und vielleicht schlüpft bald der German Lover, der uns umhaut mit deutscher Verbindlichkeit und einer Prise französischer Raffinesse?

 

Katja Ernst für das ARTE Magazin

 

 

 

Weitere französische und auch deutsche

Eigenheiten in „Karambolage“, sonntags, 19.30

arte.tv/karambolage

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Kategorien: Mai 2015