TYPISCH FRANKREICH

Typisch Frankreich: Von Scherzen und Fischen

(c) Drushba Pankow

(c) Drushba Pankow

 

Die Franzosen sind unsere Nachbarn, doch wie gut kennen wir sie wirklich? Das ARTE Magazin geht auf Spurensuche. Warum Franzosen am 1. April Enten in der Zeitung, vor allem aber Fische am Rücken haben.

 

Die Beziehung von uns Deutschen zu Fischen ist nicht von Heiterkeit geprägt. Okay, wir freuen uns über Sushi, eine schöne Forelle blau und diese wahnsinnig gesunden Omega-3-Fettsäuren. Wir kriegen auch ein gutes Gefühl, wenn wir die Fischstäbchen mit dem kleinen Panda auf der Packung kaufen, wegen der Nachhaltigkeit. Aber unser Identifikationspotenzial mit Fischen ist gleich null. Wer möchte schon von sich sagen, er habe Schuppen, sei aalglatt, der tollste Hecht im Teich oder stumm und kalt wie ein Fisch?

Fische gucken starr. Fische sind glitschig. Und uns fremd. Niemand würde sie mit Spaß, Jux und Tollerei in Verbindung bringen. Niemand – außer einem wunderlichen Volk jenseits des Rheins: Jedes Jahr aufs Neue, am 1. April, erheben die Franzosen den Fisch zum Symbol des blanken Unfugs. Und während deutsche Scherzkekse „April, April!“ rufen, quittieren Franzosen gelungene Streiche mit einem „Poisson d’avril!“. Aprilfisch? Was bitte soll das sein? Der „poisson d’avril“ ist der klassische Aprilscherz – aus Papier gebastelt – für französische Kinder. Mit Übermut, Fisch und Klebestreifen bewaffnet, schleicht sich das Kind leise, leise an ein Opfer heran (bloß nicht kichern!). Freunde, Geschwister, Respektspersonen, kaum jemand wird verschont. Zack, pappt ein Papierfisch am Rücken. Vielleicht ist er beschriftet mit einem Spruch wie „Ich bin dumm“ oder „Ich rieche schlecht“. Es gibt Leute, deren Rückseite am 1. April zu einer wandelnden Pinnwand wird: Fische vom Hals bis zum Steiß. Sie sind hoffnungslose Schlafmützen. Oder sie haben Humor.

Franzosen lieben diesen Brauch, aber wie sie auf den Fisch gekommen sind, wissen sie selbst nicht. Die geläufigste Erklärung: König Charles IX. entschied 1564, dass das Jahr am 1. Januar beginnen solle und nicht mehr Anfang April (je nachdem, wie Ostern lag). Untertanen, heißt es, machten sich von da an am 1. April spaßhaft „Neujahrspräsente“, meist einen Fisch, passend zum Ende der Fastenzeit. Oder hängt der Brauch doch mit der Schonzeit für Fische ab Anfang April zusammen? Hat man die Angler verhohnepiepelt, indem man ihnen Heringe an den Rücken hängte, die irgendwann zu Fischen aus Papier wurden?

Wie auch immer, auch Deutsche haben ein Tier am 1. April: die Ente, die sich in den Medien tummelt. Bei Franzosen heißt sie nicht Ente, sondern, Sie ahnen es, Aprilfisch („Le canard“, die Ente, ist eine Bezeichnung für die Zeitung selbst). So meldete 2013 der Sender France Inter, Katar habe den Eiffelturm gekauft … Auch in diesem Heft könnte Ihnen eine Ente entgegenschwimmen. Oder doch ein Fisch? Wer weiß – bei einem deutschen Magazin, das in Frankreich gemacht wird. Die Wasser des Rheins sind tief.

 

Katja Ernst für das ARTE Magazin

 

Weitere französische und auch deutsche

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arte.tv/karambolage

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Kategorien: April 2015