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Therapie Zwecklos?

 

(c) ARTE

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Ein Sofa, ein Paar, ein Therapeut: Zum Berlinale-Schwerpunkt entlarven 20 der besten deutschen Schauspieler in der Kurzfilmserie „Paare“ die Skurrilität von Beziehungen. Interview mit dem Regisseur über die Frage, ob Liebe eine „schwere Geisteskrankheit“ ist.

  Es sind zehn verrückte, skurrile und manchmal auch romantische Beziehungskisten, von denen der Regisseur Johann Buchholz in seiner Kurzfilmserie „Paare“ erzählt: eine liebevolle Parodie auf den Wahnsinn der Liebe. Auf der Therapeutencouch sitzt und spielt die Crème de la Crème der deutschen Schauspielriege – darunter Sibel Kekilli, Christian Ulmen, David Kross oder Heike Makatsch. Das ARTE Magazin sprach mit dem Regisseur über die Absurdität des Paarseins und Schauspieler, die machen, was sie wollen.

 

ARTE: Herr Buchholz, was hat Sie dazu inspiriert, 20 berühmte Schauspieler als Patienten beim Therapeuten auf die Couch zu setzen?

Johann Buchholz: Als ich vor Jahren den Keller meiner Berliner Mietwohnung ausräumte, fand ich einen Karton mit Unterlagen eines Therapeuten, der dort früher gelebt hatte. Auf einer Patientenakte stand: „Liebe ist eine schwere Geisteskrankheit.“ Es war die Akte eines Paares. Ich las sie und fragte mich: Warum bleiben diese Menschen zusammen? Es gibt doch keinen, der sie zwingt!

ARTE: Sie halten also nichts von Paartherapie?

Johann Buchholz: Ich will gar nicht in Frage stellen, dass eine Paartherapie manchmal sinnvoll ist. Aber das kollektive Bedürfnis der Menschen, um jeden Preis zusammenzubleiben, erscheint mir so absurd. Wenn Filme oder Märchen mit der Hochzeit enden, denke ich: Da beginnt das Dilemma doch erst! Die Therapie ist für mich die Konzentration dieser Verrücktheit.

ARTE: Wie haben Sie es geschafft, so viele hochkarätige Schauspieler für diese Serie zu gewinnen?

Johann Buchholz: Anreiz war für viele, gemeinsam mit anderen guten Schauspielern direkt ins Herz von zwei Menschen zu gehen.

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ARTE: Wie haben Sie die Schauspieler ausgesucht?

Johann Buchholz: Manche, wie Christian Ulmen oder Friederike Kempter, kannte ich und wollte mit ihnen arbeiten. Für die anderen fasste ich einfach den Mut, sie anzufragen. Heike Makatsch etwa hatte ich gerade in einem Kurzfilm gesehen und fand es toll, wie sie ihre Stimme benutzt, wenn sie Wut spielt. Katja Riemann in der Figur einer leicht prolligen Frau, die mit einem viel jüngeren Mann zusammen ist, kam mir auf einmal beim Schreiben in den Sinn. Sibel Kekillis Ehrlichkeit passte als Gegenpart zu dem unruhigen, unehrlichen Mann an ihrer Seite, den Christian Ulmen spielt …

ARTE: Warum haben Sie für ein so komplexes Thema wie die Liebe das Kurzfilmformat gewählt?

Johann Buchholz: Ich wollte mich auf den Moment konzentrieren, in dem die Absurdität zum Vorschein kommt, und nichts darum herum erzählen.

ARTE: Wie ist der Dreh abgelaufen?

Johann Buchholz: Genauso kurz und konzentriert. Der Text stand genau fest, aber das Spiel sollte nicht eingeübt wirken, die Schauspieler sollten spontan interagieren. Außerdem waren wir abhängig von deren Terminen und wussten: Wenn etwas schiefgeht, können wir es nicht nachholen. Das war wie eine Live-Sendung.

ARTE: Bei solch einem Thema zu improvisieren, hätte vielleicht auch interessant sein können …

Johann Buchholz: Einmal haben wir probiert, eine Folge zu improvisieren. Da ging aber das Konzentrierte verloren. Manchmal konnte ich die Schauspieler allerdings nicht aufhalten: Christian Ulmen, der macht, was er will. Oder Samuel Finzi, der atmet den Text ein und was herauskommt, ist anders als das ursprünglich angedachte.

ARTE: „Paare“ zeigt viele Beziehungen am Punkt ihres Scheiterns. Gibt es trotzdem Lichtblicke?

Johann Buchholz: Für mich ist es das Seniorenpaar der letzten Folge. Nach all den relativ hoffnungslosen Fällen gibt es am Ende diese beiden alten Menschen, ein schönes Paar, bei dem die Liebe noch vorhanden ist.

ARTE: Hat das Filmprojekt Ihre persönliche Sicht auf das Paarsein verändert?

Johann Buchholz: Obwohl ich viele Paare ganz genau beobachtet und die Unterlagen des Therapeuten gelesen habe, hat mich das von dieser schweren Geisteskrankheit auch nicht geheilt.

Katherina Ankerhold für das ARTE Magazin

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Johann Buchholz 

1971 in Hamburg geboren, arbeitete Johann Buchholz beim französischen Fernsehsender Paris Première. 2012 gründete er die Produktionsfirma Friday Film mit Sitz in Berlin

 

ARTE Schwerpunkt

Berlinale

Paare · Kurzfilmserie, 10 Teile · Montag · 2.2. bis Freitag · 13.2. · 19.05

Heute bin ich blond, Tragikomödie · Mittwoch · 4.2. · 20.15

Requiem for a Dream · Drama · Mittwoch · 4.2. · 22.05

Unser Hollywood: Kino aus Babelsberg · Kulturdoku Mittwoch · 4.2. · 23.45

Bal – Honig · Drama Donnerstag · 5.2. · 22.30

Metropolis: Stockholm Kulturmagazin · Sonntag · 8.2. · 16.50

Der große Crash – Margin Call · Drama · Sonntag · 8.2. · 20.15

Zeit zu leben und Zeit zu sterben · Lit.-verfilmung · Montag · 9.2. · 20.15

The Guard – Ein Ire sieht schwarz · Krimikomödie · Montag · 9.2. · 22.20

Die Parade · Komödie Mittwoch · 11.2. · 22.10

Mein Leben – Mads Mikkelsen · Porträt · Mittwoch · 11.2. · 00.05

So wie ein Wunder: Das singende Kino des Herrn Heymann · Kulturdoku Mittwoch · 11.2. · 0.50

Kurzschluss: Berlinale Kurz-filmmagazin · Freitag · 13.2. · 23.30

Metropolis · Kulturmagazin · Sonntag · 15.2. · 16.45

Hollywood Sounds mit Daniel Hope · Konzert · Sonntag · 15.2. · 18.15

Der englische Patient · Drama · Sonntag · 15.2. · 20.15

Teddy Award 2015 · Gala · Sonntag · 15.2. · 00.20

 

 

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Kategorien: Februar 2015