FILM

Mr. President

© Matthew Libatique

© Matthew Libatique

Vom Autorenfilm zum Blockbuster und zurück – Darren Aronofsky ist wandelbar wie kaum ein Zweiter. Porträt des ungewöhnlichen Regisseurs, der dieses Jahr Jurypräsident der 65. Berlinale ist.

  Die Nerdbrille hat er abgelegt, den Kopf kahlgeschoren, den Kapuzenpulli gegen den Anzug getauscht – nicht nur äußerlich hat sich Darren Aronofsky gerade mal wieder neu erfunden. Filmisch ist Wandelbarkeit sein Markenzeichen, sein Repertoire reicht vom Autorenfilm bis zum Blockbuster. Für sein Spielfilmdebüt „Pi“ (1999) – über einen Mann, der die Börse mit einer Formel berechenbar machen will – filmte er monatelang an Wochenenden mit Freunden ohne Drehgenehmigung in den Straßen von New York. Die 60.000 Dollar Budget „mussten wir uns zusammenstoppeln mit Betteln, Borgen und Klauen“, erinnert er sich in einem Interview. Der Mann, der im Februar Jurypräsident der 65. Berlinale ist, bewegt seit „Pi“ als „dunkler Romantiker“, „Hollywoods Querdenker“ oder „eigenbrötlerischer Außenseiter“ die Gemüter der Kritiker. Vielleicht, weil seine sechs Filme in 16 Jahren fast anachronistisch ob der heutigen Schnelllebigkeit des Kinos erscheinen. Vor allem aber, weil er trotz vielfacher Preise und Nominierungen immer kon-trovers diskutiert wurde. Sei es sein Epos über ewiges Leben, „The Fountain“ (2006), das in Venedig ver- rissen wurde; sein Drama „The Wrestler“ über einen gealterten Star, der soweit geht, Heftklammern in seine Muskeln zu rammen; oder sein Ballett-Thriller „Black Swan“, für den Hauptdarstellerin Natalie Portman ein Jahr lang sechs Tage in der Woche zehn Stunden am Tag die Rolle der Primaballerina trainierte. ARTE zeigt nun sein Meisterwerk „Requiem for a Dream“ (2000), das mit pulsierenden Farben und verzerrten Fratzen vom Untergang vierer Menschen im Heroinrausch erzählt. Aronofsky polarisiert, doch eines ist unanfechtbar: seine Integrität. Das hat er bei seinem letzten Projekt bewiesen, dem 130-Millionen-Dollar-Bibelfilm „Noah“, für den er zum ersten Mal mit dem Hollywood-Studio Paramount zusammengearbeitet hat. Als dieses versuchte, sein Werk zu zensieren, um etwai-ge Reaktionen religiöser Gruppen zu beschwichtigen, wusste Aronofsky das zu verhindern. Schon lange stand kein so „herausragender Protagonist des zeitgenössischen Autorenkinos“ der Berlinale vor, wie Direktor Dieter Kosslick ihn beschreibt. Unmöglich vorherzusagen, welche Art von Film das Rennen machen wird. bdiana aust Diana Aust für das ARTE Magazin   ARTE PLUS Darren Aronofsky Geboren 1969 in Brooklyn, New York City, studierte Darren Aronofsky an der Harvard University Anthropologie, Film und Animation   Filmografie „Noah“ (2014), nominiert für einen Golden Globe; „Black Swan“ (2010), Oscar; „The Wrestler“ (2008), Goldener Löwe Venedig, nominiert für einen Oscar; „The Fountain“ (2006), nominiert für einen Golden Globe; „Requiem for a Dream“ (2000), nominiert für einen Oscar;„Pi“ (1998), Gewinner Sundance Film Festival

 

ARTE DRAMA

 Requiem for a Dream

Mittwoch · 4.2. · 22.05

 Mehr Informationen kurz vor Ausstrahlung unter arte.tv/berlinale

Kategorien: Februar 2015