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Paris – Gesichter einer Stadt

© Pierre Vialle/Son et Lumière

© Pierre Vialle/Son et Lumière

 

Eine junge Frau – als Mann geboren – hat eine verhängnisvolle Affäre, eine Gewerkschaftlerin droht mit einem Großstreik und der Sohn des Premiers verschwindet: ein ganz gewöhnlicher Tag in Frankreichs Hauptstadt.
Vorgeschmack auf die fesselnde Serie „Paris“.

 

Alexia schläft, das Haar offen, die Brust entblößt. Clément, 15 Jahre alt, steht schüchtern im Türrahmen. Dann tritt er ans Bett und zieht die Decke weg. Der Schock: Alexia ist ein Mann. „Was bist du?“, fragt Clément. „Ich bin ich“, antwortet sie. Alexia Penmarch, gespielt von der französischen Schauspielerin Sarah-Jane Sauvegrain, ist ein Transgender, eine Frau, geboren im Körper eines Mannes. Und sie ist Dreh- und Angelpunkt der sechsteiligen Serie „Paris“ des Regisseurs Gilles Bannier. Von ihr ausgehend entspinnt sich ein Reigen von Figuren, die verwandt, verliebt, einander verhasst oder sich zufällig begegnet sind. Das alles wird im Zeitfenster eines Tages erzählt. Die erste Folge beginnt um 5 Uhr in der Früh, die sechste und letzte endet in der Nacht.

Ins Innere der Postkarte. Die Drehbuchautorin der Serie, Virginie Brac, zählt in Frankreich zu den Besten ihres Fachs. Für „Paris“ habe sie sich, erzählt sie, von Episodenfilmen wie Robert Altmans „Short Cuts“ (1993), Alejandro González Iñárritus „Babel“ (2006) und dem ARTE-Dokumentarfilm „24h Berlin“ (2009) inspirieren lassen. Letzterer erzählt einen Tag im Leben der Einwohner Berlins. Mit „Paris“ wolle sie die Zuschauer ins „Innereder Postkarte Paris“ mitnehmen, an emblematische Orte wie die Champs-Elysées oder den Justizpalast. Aber vor allem tief in die Milieus: „Paris“, das ist die Welt der kleinen Angestellten, aber auch das intrigenreiche politische Universum des Hôtel Matignon, Amtssitz des Premierministers, und schließlich die triste Wirklichkeit der HLMs, der Hochhäuser des sozialen Wohnungsbaus am Stadtrand. Und dann ist da noch die Nacht- und Unterwelt mit ihren Ganoven, deren Handlangern – und der Sängerin Alexia. Sie, die noch vor einem Jahr Alexis hieß, unterzieht sich einer Hormonbehandlung, eine Operation soll folgen. Mit Alexia, die im Nachtklub „Sunset“ nahe des Pariser Triumphbogens auftritt, erfand Brac eine zutiefst sympathische, charmante Figur. Sie ist, obwohl changierend zwischen den Geschlechtern, die authentischste der ganzen Serie – und für Virginie Brac das ideale Bindeglied zwischen der halbseidenen Welt des Pariser Nachtlebens und der einer französischen Durchschnittsfamilie: Alexias Eltern stehen für das klassische Arbeitermilieu und dessen strengen Moral- und Sittenkodex. Was könnte schlimmer für sie sein als ein „aus der Art geschlagener“ Sohn?  

© Pierre Vialle/Son et Lumière

© Pierre Vialle/Son et Lumière

Irrungen und Wirrungen in der Großstadt. Protegiert wird Alexia von dem Ganoven Ange, der mit dem Kriminellen Sasha im Clinch liegt. Alexias Eltern, die Busfahrer Cathy und Yvon, können ihr Kind nur als Sohn akzeptieren. Doch als der psychisch labile Yvon seinen Chef angreift, rufen die Kollegen Yvons Sohn Alexis als Vermittler – dieser bringt als Alexia, in Minirock und High Heels, die Lage unter Kontrolle. Alexia ist es auch, die eine Affäre mit Generalstaatsanwalt Pierre Lanvin hat, der seine Karriere Premierminister Michel Ardent verdankt. Ardent ist ein aufrechter Charakter und dennoch in einen Skandal verstrickt. Mit der Gewerkschaftsführerin Cathy, Alexias Mutter, steht er in Verhandlungen um einen Streik. Alexia wiederum findet Ardents Adoptivsohn Clément, der ausgebüxt ist, in einem rauen Viertel von Paris, und nimmt sich seiner an … Je weiter sich Schicksale und Handlungen ineinander verstricken, umso mehr nimmt „Paris“ an Fahrt auf. Und am Ende? Ein Mensch wird geboren, drei sind tot, wenn auch einer nur politisch. Der Tag bringt Gerechtigkeit, Trauer, Liebe, Versöhnung und Verrat: „Paris“ zeigt Paris wie es ist oder sein könnte, seine Dynamik, sein Mysterium, in jedem Moment des Tages – Geschichten einer Großstadt, verwoben zu einer einzigen Erzählung.

 

Katja Ernst FÜR DAS ARTE MAGAZIN

 

 

ARTE Serie

PARIS

Teil 1–3

Donnerstag · 15.1. · ab 20.15

Teil 4–6

Donnerstag · 22.1. · ab 20.15

ZEIT FÜR SERIEN  

 

Ein Chemielehrer im Drogenwahn und eine schwedische Insel als Bühne dunkler Verbrechen: ARTE feiert 2015 internationale Erfolgsserien!   Breaking Bad. ARTE zeigt den langersehnten zweiten Teil der 5. Staffel „Breaking Bad“. Nach einer Krebsdiagnose avanciert der unbescholtene Chemielehrer Walter White (Bryan Cranston) zum skrupellosen Crystal-Meth-Produzenten. Als sein Schwippschwager Hank, ein Fahnder der Drogenbehörde, ihm auf die Spur zu kommen droht, spitzt sich die Situation dramatisch zu. Sehen Sie die preisgekrönte Kultserie ab dem 8. Januar jeweils donnerstags ab 21.45 Uhr!   Mord im Mittsommer. Neue Hochspannung aus dem Norden – mit mysteriösen Mordfällen und einem romantischen Wiedersehen. Als Kommissar Thomas Andreasson (Jakob Cedergren) für Ermittlungen auf die Insel Sandhamn geschickt wird, kommt ihm Hobbydetektivin und Jugendfreundin Nora Linde (Alexandra Rapaport) zu Hilfe – und näher. ARTE strahlt die ersten zwei Staffeln des Krimierfolgs aus Schweden mit je drei Folgen ab dem 29. Januar donnerstags ab 20.15 Uhr aus.

 

 

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Kategorien: Januar 2015