TYPISCH FRANKREICH
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Typisch Frankreich: Schäumet, Frohlocket!

(c) Drushba Pankow

(c) Drushba Pankow

 

Die Franzosen sind unsere Nachbarn, doch wie gut kennen wir sie wirklich? Das ARTE Magazin geht auf Spurensuche. An den Feiertagen kommt in Frankreich nur einer in die Flöte: Champagner, bitte!

Deutsche mögen es, wenn’s prickelt im Glas, Deutsche mögen Sekt, Cava & Co. Fast fünf Liter Schaumwein süffelte 2012 jeder von uns (ab 16). Das ist Weltspitze! Doch obwohl keiner eleganter prickelt als Champagner, trinken wir ausgerechnet ihn, Umfragen zufolge, selten. Weil er sich nicht mit unserer Schwäche für Pappbecher und einen Schuss O-Saft verträgt? Weil er teuer ist? Oder – zu heilig? Champagner ist die wahre Religion der Franzosen. Sie, die größten Champagnertrinker überhaupt, lieben ihn, huldigen ihm, glauben an ihn. 167 von 304 Millionen Flaschen leerten sie 2013, das ist, chapeau, über die Hälfte der Produktion – obwohl Präsident Hollande die Steuern erhöhte und ein guter Crémant manchem Champagner das Wasser reichen kann. Doch was will man erwarten, wenn schon die Kinder lernen, was ins Glas gehört: „Champomy“, alkoholfreie Saftschorle in der Champagnerflasche, benannt nach Champagner und „pomme“, Apfel. Das Mekka für Champagner-Jünger ist natürlich die Champagne, die einzige Region, wo aus Wein Champagner wird – mit den Trauben Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay, gewachsen, von Hand geerntet und verarbeitet in der Champagne nach der „méthode champenoise“. Die wundersame Wandlung umfasst, kurz gesagt, zweimal Gären, einmal Rütteln, Flaschenhals einfrieren plus Naturkorken. Serviert wird Champagner nach folgenden Geboten: Du sollst den Korken nicht knallen lassen. Du sollst nicht anstoßen, nur zuprosten. Du sollst Champagner nie eisgekühlt trinken. Du sollst keine zu sauberen Gläser verwenden. Du sollst Gläser nur halb füllen. Du sollst keine „coupe“ (Kelch) benutzen, sie ruiniert Perlage und Aroma. (Ob Flöte oder Weißweinglas, in das wir die Nase stecken können, ideal sind – darüber sollte man endlich einmal eine Synode abhalten.) Ach, der Glaubensstreit! Es gibt Franzosen, die schwören auf Ruinart, das älteste Champagnerhaus der Welt. Andere verehren Bollinger, Roederer, Moët & Chandon. Krug-Adepten heißen „Krugisten“, auch Nichtfranzosen wie Armani und Scorsese gehören dazu. Der Kult treibt Blüten: Es gibt Leute, die „placomusophilistes“, die Metallplättchen am Korken sammeln, die Plaque. Andere horten Megaflaschen wie Salomon (18 Liter) oder Primat (27 Liter). Wieder andere zahlen 30.000 Euro für eine 200 Jahre alte Flasche Veuve Cliquot, die konserviert auf dem Meeresgrund lag. Idee für Ihre Silvesternacht: das Sabrieren, das Öffnen der Flasche mit einem Champagnersäbel. Wie die Truppen von Napoléon! Ach, Sie haben keinen Säbel? Dann eben ein Wettbewerb: Der Weltrekord für den Flug eines Champagnerkorkens liegt bei 54,18 Metern. Sind Sie bereit für diesen Sündenfall?

 

Katja Ernst für das ARTE Magazin

Weitere französische und auch deutsche
Eigenheiten in „Karambolage“, sonntags, 19.30,

arte.tv/karambolage

 

 

DVD-TIPP: „Karambolage“ aus der ARTE Edition

 

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Kategorien: Dezember 2014