TYPISCH FRANKREICH
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Eine für alle

 

Typisch-Frankreich

(c) Drushba Pankow

Die Franzosen sind unsere Nachbarn, doch wie gut kennen wir sie wirklich?
Das ARTE Magazin geht auf Spurensuche. Am 14. Juli ist
französischer Nationalfeiertag. Zeit zu fragen: Wer ist Marianne?

 

Wow, was für eine Frau! Sie ist schön, aufrührerisch, kämpferisch, eine, die die Massen mobilisiert. Sie kann brutal sein, aber auch fürsorglich, staatstragend und grazil. Und erst ihre Kurven, ihre formvollende Brust! Das sind die Brüste, die Frankreich nähren, seit fast 250 Jahren. Und Frankreich liegt ihr zu Füßen. Wer ist sie? Und wie kam sie zu Ruhm?

Die Dame heißt Marianne und ist die Mutter des Vaterlandes. Oder eher des Mutterlandes, denn „la France“ und „la République“ sind weiblich. Engagiert wurde sie 1792, zu Zeiten der Revolution: Seit der Proklamation der „République Française“ ist Marianne die französische Nationalfigur. Damals trug sie ein römisches Gewand und präsentierte eine rote Zipfelmütze mit Ohrenklappen: die phrygische Mütze, die ein Symbol der Freiheit und Mariannes liebste Kopfbedeckung ist.

Für die Freiheit hielt sie immer wieder die Fahne hoch. Wie im Juli 1830, als die Pariser Sturm gegen den reaktionären Karl X. liefen. Hoch auf den Barrikaden stand sie, unerschrocken, unaufhaltsam – so verewigte sie der Maler Eugène Delacroix auf dem Bild „Die Freiheit führt das Volk“ (1830) und so wurde sie weltberühmt.

Fünf Republiken hat Marianne überlebt, stand für unterschiedliche politische Lager, zeigte viele Gesichter. Heute prangt sie auf Cent-Münzen und offiziellen Dokumenten, ob Wahlkarte, Steuererklärung oder Familienstammbuch. Und sie steht als Büste in fast jedem Rathaus. Als Vorlagen werden Frankreichs größte Schönheiten auserkoren, von Brigitte Bardot über Catherine Deneuve bis Laetitia Casta.

Das Verhältnis der Franzosen zu Marianne ist zwar sinnlich. Aber sie bleibt unantastbar: Im April zensierten die Macher der Tageszeitung „Le Monde“ kurz vor Druck eine Zeichnung des Starkarikaturisten Plantu. Sie zeigte Staatspräsident François Hollande – beim Sex mit dem Nationalsymbol. Ein Schock, so „Le Monde“.

Und dann ist da noch die Briefmarke: Jeder Präsident bestimmt seine eigene Marianne-Marke. Anders Hollande. Er ließ Gymnasiasten unter diversen Entwürfen wählen. Als er am 14. Juli 2013 die „Neue“ enthüllte, trug sie Züge von Inna Schewtschenko, Aktivistin der Gruppe Femen, die oben ohne für Frauenrechte kämpft.Empört forderte die konservative Partei UMP den Boykott der Briefmarke. Schewtschenkos Antwort ging durch die Presse: „Jetzt müssen mich Homophobe, Extremisten und Faschisten am Arsch lecken, wenn sie einen Brief schicken wollen.“ Künstler Olivier Ciappa, einer der Schöpfer der Marke, fügte an: Marianne habe einst barbusig für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gekämpft. Hätte es Femen schon 1789 gegeben, Marianne wäre eine von ihnen gewesen.

Katja Ernst für das ARTE Magazin

 

Weitere französische und auch deutsche
Eigenheiten in „Karambolage“, sonntags, 19.30,

arte.tv/karambolage

DVD-TIPP: „Karambolage“ aus der ARTE Edition

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Kategorien: Juli 2014