TYPISCH FRANKREICH

Pfundsweiber

 

(c) Drushba Pankow

(c) Drushba Pankow

Die Franzosen sind unsere Nachbarn, doch wie gut kennen wir sie wirklich?
Das ARTE Magazin geht auf Spurensuche. Der Sommeranfang läutet die Bikinisaison ein – was ist dran am Mythos von der schlanken Französin?

Als 1999 „Asterix und Obelix gegen Caesar“ verfilmt wurde, war klar: Es kann nur einen Obelix geben, Gérard Depardieu, die Urgewalt unter den französischen Schauspielern. Gutemine dagegen, die nicht minder gewichtige Frau des Dorfchefs, spielte eine – Deutsche, die dicke Bayerin Marianne Sägebrecht, während die Rolle der Falbala mit der umwerfenden Französin Laetitia Casta besetzt wurde.

Hüftspeck und französische Frauen, das geht einfach schwer zusammen. Französinnen, so sagt man, haben „belle allure“, sie bleiben gepflegt und in Form, selbst wenn sie gestresst, schwanger oder in der Menopause sind. Das ist eine Frage der Selbstachtung, auch für Frauen in den früheren Männerdomänen wie Wirtschaft oder Politik – und in reifem Alter: Die Deneuve wurde erst kurz vor 70 mollig, IWF-Chefin Christine Lagarde ist für ihre Eleganz berühmt, Sozialistin Ségolène Royal zeigt Silhouette, dass der deutsche Betrachter nur so staunt; kein Vergleich zum Moppel-Ich gewisser Damen, die hierzulande im Rampenlicht der Politik stehen. Wie machen französische Frauen das bloß? Und wie dünn sind sie wirklich?

Sehr dünn, die dünnsten in Europa, so eine Studie des „Institut national des études démographiques“ vom Oktober 2013. Ein weiteres Ergebnis: Während im Frühsommer die Frauenmagazine aller Länder voll mit Diättipps sind, ist der Druck unter Französinnen am größten, ihre „bataille“ um die Taille führen sie mit besonderer Härte. Nichts als Sushi, Salat, Bouillon oder Schlankheitspillen, auch Nikotin – nur nicht „obèse“ sein, „fettleibig“.

Anders argumentiert Mireille Guiliano in ihrem internationalen Bestseller „Warum französische Frauen nicht dick werden“. Wir brauchen keine Diät, so die Autorin, Ex-Präsidentin von Veuve Cliquot in New York, denn unsere Mütter haben uns gelehrt: Essen ist Genuss bei drei Mahlzeiten am Tag, mit ausgewogenen Zutaten und mäßigen Portionen. Ab und zu ein Stück Schokolade (schwarz) hält den Schweinehund in Schach. Dazu stilles Wasser, Bewegung, ein aufrechter Gang. Resultat: das perfekte Gleichgewicht, die perfekte Linie. Alles ganz natürlich also.

Sicher ist: Schlanksein ist eine Frage der Esskultur. Franzosen essen nicht, um satt zu werden nach der Devise „Hauptsache Teller voll“ oder schnell auf die Hand, sondern schätzen „convivialité“ und „partage“, Essen in geselliger Runde. Verpönt ist „le grignotage“, wildes Zwischendurchfuttern, wie wir Deutschen es lieben. Frau Merkel übrigens soll schwer abgespeckt haben, seit sie Kekse und Brötchen aus Sitzungen verbannte. Stattdessen gibt es Gemüse. Und sollte sie Paprika und Möhren nicht zwischendurch knabbern, wird aus der „Mutti der Nation“, wer weiß, noch eine Staatsfrau mit „allure“?

Katja Ernst für das ARTE Magazin

 

Weitere französische und auch deutsche
Eigenheiten in „Karambolage“, sonntags, 19.30,

arte.tv/karambolage

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Kategorien: Juni 2014