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Ein Strauss zum Geburtstag

(c) Zauberbergfilm

(c) Zauberbergfilm

 

 Als Avantgardist gefeiert, als Mitläufer umstritten:
Am 11. Juni jährt sich Richard Strauss’ Geburtstag zum 150. Mal. In einem Schwerpunkt feiert ARTE den Ausnahme-Komponisten, den seine wegweisenden Opern weltberühmt machten. Was Sie zum Jubiläum über ihn wissen müssen.

 

Diven

In Strauss’ Werken kommen Operndiven nicht zu kurz. Seine Heldinnen holt sich der selbsternannte „griechische Germane“ aus der Antike, sei es Ariadne, Helena, Daphne, Danae … Zwei dieser „Höllenweiber“, wie der Dirigent Christian Thielemann sie nennt, machen Strauss unsterblich. Sowohl ihre Handlungen als auch ihre Tonalität lösen im frühen 20. Jahrhundert eine wahre Opernrevolution aus: Salome und Elektra.

Salome

Ihr Schleiertanz sorgt 1905 für einen Skandal. Oscar Wildes Einakter „Salome“, in dem laut Strauss „lauter perverse Leute“ auftreten, verwandelt er in ein bahnbrechendes Werk, das mit allen tonal-harmonischen Konventionen bricht. Schamlos für Zensur und Klerus; für die Neutöner Alban Berg und Arnold Schönberg hingegen ein Erweckungserlebnis.

Elektra

1880 komponiert Strauss als Schüler einen Chor nach Sophokles’ „Elektra“. Später findet er Inspiration in der Dichtung Hugo von Hofmannsthals, mit dem er ein Vierteljahrhundert zusammenarbeitet und der für zehn seiner Werke die Libretti verfasst, darunter „Elektra“ (1909). Auch darin wagt Strauss komplizierte klangliche Dissonanzen und reizt die Grenzen klassischer Tonalität aus.

Mit ß oder ß?

… mag sich manch einer fragen und den Wiener Operettenkönig Johann Strauß mit dem bayerischen Musikdramatiker Richard Strauss verwechseln. Der schwärmt übrigens für seinen Zeitgenossen und gesteht, bei der Komposition der Walzerfolgen seiner Oper „Der Rosenkavalier“ (1911) „an den lachenden Genius Wiens“ gedacht zu haben.

Pauline

1894 heiratet Strauss die Tochter eines bayerischen Generals und hochbegabte Sängerin Pauline de Ahna. Wegen ihrer Temperamentsausbrüche und ihres Putzfimmels wird sie von vielen Zeitgenossen als Xanthippe verspottet. Für Strauss jedoch ist sie die geliebte, unentbehrliche Gefährtin, Widerpart und Muse, die sein Schaffen erst ermöglicht – über 53 Jahre lang.

 

(c) Richard Strauss Institut Garmisch-Partenkirchen

(c) Richard Strauss Institut Garmisch-Partenkirchen

Im Dritten Reich

Ambivalent ist Strauss’ Haltung im Dritten Reich. Das „Bübchen von Minister“ Goebbels ver-
achtet er, dennoch wird Strauss 1933 Präsident der Reichsmusikkammer und lässt sich an seinem 75. und 80. Geburtstag ausgiebig feiern. Doch zugleich riskiert er Kopf und Kragen in der Zusammenarbeit mit dem jüdischen Autor Stefan Zweig, die ihn 1935 sein „Ehrenamt“ kostet.

Skat

Das Spiel ist nach Musik und Familie Strauss’ größte Leidenschaft. „Das ist der einzige Moment in meinem Le-ben“, sagt er zum Dirigenten Karl Böhm, „wo ich nicht arbeite.“ Strauss liebt das Risiko. Doch einmal überreizt er und verliert 800 Mark (das entspräche heute ca. 2.800 Euro) – schmerzlich für den sonst so geschäftstüchtigen Mann, der es zu gro-ßem Immobilienvermögen brachte.

Erbe

Mit der Oper „Capriccio“ (1942) „ist mein Lebenswerk vollendet“, schreibt Strauss. Doch Pauline inspiriert ihn noch zu „Vier letzten Liedern“ (1947), die postum uraufgeführt werden. Am 8. September 1949 stirbt Strauss in seiner Garmischer Villa und wird auf dem Münchner Ostfriedhof begraben. Er hinterlässt 300 Skizzen und Werke.

Bewunderer

„Er ist der einzige Komponist, den ich gerne kennengelernt hätte“, sagt Christian Thielemann. Der Chefdirigent der Staatskapelle Dresden ist Strauss-Liebhaber – wie die Sopranistin Renée Fleming, die findet: „Strauss’ Rollen passen nicht nur stimmlich, sondern vor allem menschlich zu mir. Die Fragen seiner Heldinnen verstehen wir alle. Das geht direkt ins Herz.“

Teresa Pieschacón Raphael für das ARTE Magazin

ARTE Musik

Richard Strauss

Aus der Wiener Staatsoper: Richard Strauss – Capriccio

Oper · Sonntag · 8.6. · 00.10

Galakonzert zum 150. Geburtstag von Richard Strauss

Konzert · Mittwoch · 11.6. · 20.15

Richard Strauss: das umstrittene Musikgenie

Porträt · Mittwoch · 11.6. · 21.45

 

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concert.arte.tv/strauss

  

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Kategorien: Juni 2014