„ICH BIN EIN TOSKANER“

Prounenfilm/Stefano Pancaldi/Harald Erschbaumer

Prounenfilm/Stefano Pancaldi/Harald Erschbaumer

Lorenzo de’ Medici spricht sechs Sprachen und hat an vielen Orten der Welt gelebt – aber nie in der Toskana. Dort jedoch war Macht- und Lebensmittelpunkt seiner berühmten Familie, die ihren Reichtum nicht nur in Kunst, sondern auch in den Bau von Villen und Landhäusern investierte; kürzlich erst wurden diese von der UNESCO ins Weltkulturerbe aufgenommen. Für ARTE bereiste Lorenzo de’ Medici nun einige der zwölf Medici-Landhäuser, aber auch die anderer adliger Familien. Eindrücke einer sehr persönlichen Spurensuche.

 

 

„Als mir ARTE anbot, durch eine Reihe über die Villen der Toskana und ihrer bedeutenden Familien zu führen, war ich zunächst skeptisch. Es bedeutete eine Rückkehr ins Land meiner Vorfahren, wo ich aber noch nie gelebt habe. Durfte ich mich überhaupt als echter Toskaner begreifen? Ich kenne die Geschichte von Florenz, des Großherzogtums und meiner Familie in- und auswendig: Als kleiner Junge musste ich alles darüber lernen, was mich damals ehrlich gesagt nicht groß interessierte. Aber ich verstand, dass meine Familie mit der Toskana untrennbar verbunden ist. Die Medici gehören zu Florenz und umgekehrt. Trotzdem fragte ich mich: In der ganzen Welt genießen die Medici hohes Ansehen, aber in der Toskana? Wie würden mich die Familien empfangen, die in der Vergangenheit nicht immer Freunde der Medici waren? Bei einem früheren Besuch in Siena wurde mir bewusst, dass viele immer noch nicht verdaut hatten, dass die Medici sie 1555 unterworfen hatten. Nun aber reizte es mich, die großen Werke wiederzuentdecken, die meine Familie in der Toskana hinterlassen hat: die wunderschönen Paläste, die Gärten, Tausende Kunstwerke – kurz gesagt, die immer noch präsente Vergangenheit. Und ich wollte meiner Familie, die maßgeblich die Ära der Renaissance mitgeprägt hat, Ehre erweisen. So willigte ich ein – und war tief bewegt vom Empfang, den man mir bereitete. Die Zeit vergeht, aber ein Wert hat Bestand: Loyalität. Die Familien Frescobaldi, Antinori, Ricasoli, Ferragamo und viele andere luden mich in ihre prunkvollen Villen ein und boten mir spontan ihre Freundschaft an. In den Gemäldegalerien der meisten Häuser hängen gar Porträts meiner Vorfahren. Vor dieser Reise dachte ich, ich würde die Toskana kennen. Weit gefehlt. Ich kannte sie wie ein Tourist. Man kennt ein Land erst, wenn man Einlass in die Häuser hat und mit den Bewohnern an einem Tisch isst. Ich hatte endlich Antwort auf meine Frage: ‚Ja, ich bin ein echter Toskaner.‘“

 

LORENZO DE’ MEDICI FÜR DAS ARTE MAGAZIN

ARTE-GASTAUTOR: LORENZO DE’ MEDICI, GEBOREN 1951 IN MAILAND UND AUFGEWACHSEN IN GENF, IST DER LETZTE NACHFAHRE DER BERÜHMTEN DYNASTIE DER MEDICI, DIE IM FLORENZ DER RENAISSANCE GROßE MACHT AUSÜBTE. ER IST SCHRIFTSTELLER UND LEBT IN BARCELONA

 

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Kategorien: August 2013