STAR TREK WIRD WAHR

Paramount Pictures

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Captain Kirk düste mit Warp-Antrieb durch die Galaxie, Scotty beamte die Crew auf ferne Planeten und Bordarzt Pille erkannte alle Krankheiten mit dem Tricorder: Als Ex-Polizist Gene Roddenberry 1964 das erste Drehbuch schrieb, ahnte niemand, dass Star Trek Kult werden würde. Viele der Science-Fiction-Visionen sind heute Wirklichkeit geworden – und Forscher basteln weiter daran. „Faszinierend“, wie der Halb-Vulkanier Mr. Spock sagen würde. Eine Bestandsaufnahme in 20 Punkten.

 

BEAMEN

„Beam me up, Scotty“ sagte Captain Kirk zu seinem Chefingenieur, wenn er irgendwo verschwinden und zurück auf die Enterprise wollte. In der Realität gibt es die Quantenteleportation: Professor Anton Zeilinger, „Dr. Beam“ genannt, hat 2012 den Quantenzustand eines Photons ohne Zeitverlust über 143 Kilometer verschickt. Menschen wird man wohl nie beamen können, sind Physiker überzeugt.

 

BLUETOOTH-HEADSETS

Erhaben trug Lieutenant Uhura das Mikrofon am Ohr. Mit dem funky Headset funktionierte die Kommunikation in der Serie schon 1966 einwandfrei – erfunden wurde Bluetooth in den 1990ern.

 

GEDANKENGESTEUERTE MASCHINEN

In Star Trek wurden Rollstühle durch Gedanken gesteuert. Bis 2013 forschte das EU-Projekt Tobi (Etat 12 Millionen Euro), angeführt von der ETH Lausanne, an Brain-Computer-Interfaces. Gelähmte Körperteile oder Prothesen ließen sich per Gehirnströme steuern. Aktuell ist das „Human Brain Project“ (Etat 1 Milliarde Euro) das umfangreichste.

 

GPS

Gefahr im Verzug? Kein Problem für Scotty, der die Crew in Windeseile ortete und zur Enterprise beamte. 30 Jahre nachdem Star Trek es vorgemacht hatte, startete das US-Militär 1995 das erste GPS-System mit 24 Satelliten. Auch wenn das mittlerweile gut funktioniert – unkomplizierter ist es in Star Trek!

 

HOLODECK

In Star Trek konnte man im Holodeck-Raum virtuelle Welten haptisch erleben. 1992 wurde an der University of Illinois in Chicago „Cave“ erfunden, „Cave2“ Anfang 2013 vorgestellt. 2,40 Meter hohe Wände umschließen den Betrachter zu 320 Grad; mit Brille, Handsensoren und viel Technik enstehen neue Welten – ob man so eines Tages Geruchs- und Gefühlssinne aktivieren kann, ist aber fraglich.

 

HOLOGRAMMTECHNIK

Beim Kommunizieren sah man in Star Trek die Person als 3D-Hologramm – dem sind Anfang 2013 Forscher von Hewlett-Packard laut Fachblatt „Nature“ nähergekommen. Sie entwickeln ein 3D-Display für Handys, das ohne Brille funktioniert.

 

HYPOSPRAY

Auf der Enterprise konnte ein Medikament notfalls durch die Kleidung mit Hochdruck durch die Haut geschossen werden – dank des Hyposprays. Verfeinert wird die Idee derzeit. So entwickelt das Massachusetts Institute of Technology ein Instrument, das Substanzen fast mit Schallgeschwindigkeit durch die Haut drückt. Und die Seoul National University arbeitet an einer Laser-Injektion.

 

KOMMUNIKATOR

Der erste Handy-Prototyp wog ein Kilo und wurde 1973 von Motorola-Vize Martin Cooper entwickelt, inspiriert von den Kommunikatoren aus Star Trek: eleganten Klapp-Geräten, mit denen man über weite Strecken sprechen und Daten schicken konnte.

 

PHASER

Gegner konnten in Star Trek mit ihm betäubt oder in Atome aufgelöst werden: Die Laserwaffe Phaser ist aber noch Zukunftsmusik. Zwar entwickelte die US-Armee 2005 die Blendwaffe „PHaSR“; für das Star-Trek-Vorbild bräuchte es aber eine enorme Energiemenge. Die Laser-Forschung nach Star Trek revolutioniert heute vor allem die Medizin.

 

REPLIKATOR

„Tea, Earl Grey“, sagte Captain Picard, und schon baute der Replikator die gewünschte Materie nach. Heute gibt es bereits 3D-Drucker, die Dinge aus Plastik oder Keramik nachdrucken, erste Geräte können schon jetzt Haut und Mini-Nieren produzieren.

 

SPRACHSTEUERUNG

Geräte mit der Stimme zu steuern, war in Star Trek kein Problem. Heute ist Sprachsteuerung auf Tablets und Smartphones Standard, selbst Kühlschränke und Fernseher hören auf die Stimme. Noch gibt es Störfaktoren wie Hintergrundgeräusche, aber Apple und Google arbeiten bereits an Software, die den Nutzer an seiner Stimme erkennt.

 

SPEICHERMEDIEN

Unendliche Weiten – und unendliche Daten: Die Menge an Informationen, auf die in Star Trek in Sekundenschnelle zugegriffen wird, ist gigantisch. Im Jahr 2200 können wir das sicher auch, denn theoretisch müsste die Speicherkapazität zehn Milliarden mal zehn Milliarden höher sein als heute.

 

TABLET-COMPUTER

Wer hat das iPad erfunden? PADD, Personal Access Display Device hieß das Gerät, mit dem die Crew der Enterprise dem Captain Berichte vorlegte. Welche Rechte Apple tatsächlich am iPad-Design hat, wird derzeit in einem Prozess mit Samsung geklärt.

 

TARNKAPPENTECHNIK

Ein Raumschiff unsichtbar zu machen, davon sind wir weit entfernt, aber es gibt bereits Flugzeuge, die man nicht orten kann. Im März 2013 gelang es Forschern der Universität von Texas, einen handgroßen Zylinder im Bereich der Mikrowellen verschwinden zu lassen. Wenn die Technik mit Licht funktioniert, wäre ein Tarnmantel möglich.

 

TRAKTORSTRAHL

In Star Trek werden per Energiestrahl Raumschiffe festgehalten oder Planeten bewegt: Forschern der schottischen Universität St. Andrews gelang es Anfang 2013, mikroskopisch kleine Objekte mit einem Lichtstrahl zu bewegen. Die Technik soll in der Medizin eingesetzt werden. Allerdings wird das wohl nie bei größeren Objekten möglich sein.

 

TRICORDER

Am 8. Januar 2013 startete die Registrierung für den mit zehn Millionen US-Dollar dotierten Tricorder X Prize, ausgeschrieben von der „X Prize Foundation“. Derzeit arbeiten 260 Teams an dem mobilen Diagnosegerät aus Star Trek. In einem ersten Schritt soll es 15 Krankheiten und fünf Vitalfunktionen erkennen. Das Ergebnis wird 2015 erwartet.

 

UNIVERSALÜBERSETZER

In Star Trek versteht jeder jeden. Aktuell arbeitet Microsoft an einem universalen Simultanübersetzer – der aber noch in den Kinderschuhen steckt.

 

VIDEOTELEFONIE

Captain Kirk sagte „auf den Schirm“ und sprach mit Wesen aus anderen Galaxien. Bildtelefone wurden vor dem Zweiten Weltkrieg erforscht, seit 2003 ist Internet-Telefonie via Skype weltweit verbreitet.

 

VISOR

Der blinde Chefingenieur aus Star Trek, Geordi LaForge, konnte mit dem Visor sehen. In Deutschland ist Professor Eberhart Zrenner (Uni Tübingen) federführend: Mit seinem Retina-Implantat können Blinde ein gewisses Sehvermögen zurückerlangen. Ein Seh-Chip könnte 2014 in Serie produziert werden.

 

WARP-ANTRIEB

Der Physiker Miguel Alcubierre bewies 1994, dass der Warp-Antrieb, also Fliegen schneller als das Licht, theoretisch möglich ist – mit enorm viel Energie. Derzeit erforscht Harold White von der Nasa den Warp-Antrieb weiter

 

RECHERCHE UND TEXTE: DIANA AUST;
MIT UNTERSTÜTZUNG VON PROFESSOR METIN TOLAN (TU DORTMUND)
FÜR DAS ARTE MAGAZIN

 

 

ARTE PLUS

BUCH-TIPPS
Nina Rogotzki/Thomas Richter/Helga Brandt: „Faszinierend! Star Trek und die Wissenschaften. Band 1 und 2“ (Ludwig Verlag 2009);
Anton Zeilinger: „Einsteins Spuk: Teleportation und weitere Mysterien der Quantenphysik“ (Goldmann 2007);
Rick Sternbach/Michael Okuda: „Star Trek: Die Technik der U.S.S. Enterprise. Das offizielle Handbuch“ (Heel 2005);
Lawrence M. Krauss: „Jenseits von Star Trek. Die Physik hinter den Ideen der Science Fiction“ (Heyne 2002)

 

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Kategorien: Mai 2013