DIE ZUKUNFT BEGINNT JETZT

David Eden/BBC

David Eden/BBC

Roboter, die unseren Alltag verändern, Atommüll oder die Klimaerwärmung: ARTE widmet sich mit seinem neuen Programmangebot ARTE Future verstärkt Zukunftsthemen – nicht nur mit dem klassischen Fernsehprogramm, sondern auch mit einer neuen Internet-Plattform. Ziel ist es, Debatten über unser Leben von morgen anzustoßen; ARTE-Zuschauer können ihre Ideen einbringen und mit Fachleuten diskutieren. Wie dieser innovative Entwurf von Fernsehen funktioniert, erklärt Alain Le Diberder, seit Januar 2013 Programmdirektor von ARTE, im Interview mit dem ARTE Magazin.

 

ARTE: Was genau ist ARTE Future?
Alain Le Diberder: ARTE Future ist der Oberbegriff für eine Reihe von Sendungen – Dokumentationen, Magazine, Spiel- und Fernsehfilme, verbunden mit einer Plattform im Internet. Ressourcen gehen zur Neige, Arbeit ist knapp, Gesellschaften überaltern – seit Jahren wird das europäische Publikum mit Negativmeldungen bombardiert. Mit ARTE Future entsprechen wir dem Bedürfnis vieler Zuschauer, nicht nur über aktuelle Bedrohungen informiert zu sein, sondern auch über denkbare Auswege. ARTE Future möchte als Kompass dienen und über künftige Lösungen für die Bereiche Umwelt, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft aufklären.

ARTE: Wie hebt sich ARTE von anderen Sendern ab, die sich auch mit diesen Themen befassen?
Alain Le Diberder: Andere Sender haben einen stärkeren Aktualitätsbezug. ARTE nimmt sich mehr Zeit. Wir möchten tragfähige Vorstellungen für die Welt von morgen entwickeln und machen die Zukunft unseres Planeten zu einem ständigen Thema – im Fernsehprogramm und in der Verlängerung auf der Internet-Plattform.

ARTE: Welches Angebot finden ARTE-Zuschauer auf der Internet-Plattform?
Alain Le Diberder: Sie können ARTE-Sendungen nach ihrer TV-Ausstrahlung sowie weiterführende Online-Dossiers abrufen. Die Plattform versteht sich als eine Enzyklopädie der Zukunft. User können hier in den Dialog mit Fachleuten treten, Fragen und Kommentare posten und sich mit anderen Usern austauschen, sogar Einfluss auf die Programmausrichtung nehmen, indem sie schreiben, welche Themen sie vermissen. Das Außergewöhnliche an der Plattform ist erstens ihre deutsch-französische Zweisprachigkeit – mit ihr führen wir Debatten über die Landesgrenzen hinaus. Zweitens wollen wir im Gegensatz zu anderen, oft wenig strukturierten Diskussionsforen die Debatte moderieren und vorantreiben, die Ergebnisse bündeln und auch zugänglich machen.

ARTE: Wer wird die Debatten moderieren?
Alain Le Diberder: Wir geben das Wort an Experten: Der Designer Philippe Starck zum Beispiel wird auf Weltreise gehen, auf der Suche nach den großen Herausforderungen der Zukunft. Am 4. Juni strahlt ARTE seinen Dokumentarfilm „Future by Starck“ aus. Außerdem bitten wir bekannte Köpfe wie Claus Kleber, Inhalte zugänglicher zu machen.

ARTE: Soll die Plattform ein Sprachrohr für politische Bewegungen oder gar Aktionen werden?
Alain Le Diberder: ARTE hat keine politische Botschaft zu verbreiten, sondern das Anliegen „Setzen wir das Thema Zukunft ganz oben auf die Agenda“. Wir entwickeln die Plattform mit Medienpartnern, darunter für Deutschland die „taz“ und „The European“. Sie werden die bei ARTE geführten Debatten aufgreifen. Wir hoffen, dass bestimmte Themen größere Kreise ziehen werden.

ARTE: Wenn ARTE kein Sender der politischen Aktion ist, dann ist er …
Alain Le Diberder: … einer der Avantgarde. ARTE ist für seine Kompetenz bekannt, Kulturerbe und Geschichte zu würdigen. Vergleicht man ARTE mit einem Auto, so hat es sehr gute Rückspiegel, aber ARTE Future wird das Fernlicht von ARTE sein.

ARTE: Welche Themen genau sind in der nächsten Zeit für ARTE Future geplant?
Alain Le Diberder: Zum Beispiel die Frage der Wiedereroberung der Städte durch die Natur. Die einst eindeutige Trennung von Land und Stadt verwischt, weil sich zunehmend Tiere und Pflanzen in den Städten ausbreiten, während sich Unternehmen aus Technologie und Chemie mehr und mehr auf dem Land niederlassen. Ein weiteres wichtiges Thema ist das Abschmelzen der Polkappen. Es bedroht Flora und Fauna und legt rund um den Nordpol enorme Ressourcen frei – um deren Ausbeutung wiederum Konflikte entstehen. Außerdem interessieren wir uns für die rasante Entwicklung neuer Technologien, wie die zunehmende Präsenz von Robotern in unserem Alltag. Die schwedische Serie „Real Humans“, die bei ARTE läuft und für großes Aufsehen sorgt, macht die Verschmelzung von Mensch und Maschine zum Thema.

ARTE: Warum muss ein Fernsehsender heute auch digital arbeiten?
Alain Le Diberder: Die digitale Welt ist eine universelle Schnittstelle für alle Lebensbereiche. Unsere Besonderheit besteht darin, dass wir uns auf die Zuschauer einstellen. Wir wollen, dass sie die ARTE-Programme sehen können, wo, wann und wie sie wollen. Dafür gibt es drei Vektoren: Fernsehgeräte, Computer und mobile Endgeräte, also Tablets und Smartphones. Diese drei Ausspielwege werden nach und nach gleichwertig sein.

ARTE: Und über welche sehen Sie persönlich fern?
Alain Le Diberder: Über alle! Aber am bequemsten ist für mich der Fernseher. Vor ihm haben außerdem mehrere Menschen Platz. Es ist einfach schöner, eine Sendung in Gesellschaft zu entdecken!

INTERVIEW: CAIRE ISAMBERT FÜR DAS ARTE MAGAZIN

 

ARTE INTERVIEW

ALAIN LE DIBERDER

Alain Le Diberder ist promovierter Ökonom und seit Januar 2013 Programmdirektor von ARTE. Er war unter anderem Direktor für neue Programme beim TV-Sender Canal+

 

Neugierig geworden? Das ARTE Magazin präsentiert jeden Monat alles, was Sie zum aktuellen ARTE TV-Programm wissen müssen. Testen Sie jetzt 2 Ausgaben des ARTE Magazins gratis! Oder entdecken Sie das ARTE Magazin als E-Paper-Version für unterwegs!

Kategorien: Mai 2013