KARL DER GRÖSSTE

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749
nach Christus – oder doch 748? Das Geburtsjahr Karls des Großen ist nicht eindeutig belegt.
Eine Theorie ist, dass er im Jahr 749 vor
der Hochzeit seiner Eltern geboren wurde – und
damit ein uneheliches Kind war. Das könnte
den andauernden Streit zwischen Karl und dem jüngeren Karlmann erklären, der dann alleiniger
Machterbe gewesen wäre.

 

1,90
Meter groß soll Karl in etwa gewesen sein. Sein
Vertrauter Einhard schrieb in „Vita Karoli Magni“, der Biografie über den Herrscher: „Seine Größe betrug sieben seiner Füße“. Der Beiname bezieht sich also nicht nur auf Karls Macht: Er überragte damit auch körperlich den frühmittelalterlichen Durchschnittsmann um gute 20 Zentimeter.

 

46
Jahre währte die Regierungszeit Karls des Großen. Als sein Vater Pippin der Jüngere 768 starb, wurde das Reich unter Karl und seinem Bruder Karlmann aufgeteilt. Letzterer starb 771 mit 20 Jahren, woraufhin Karl die Macht über das ganze Reich ergriff. Nur zwei Jahre seiner gesamten Herrschaft führte er keinen Krieg.

 

80.000
Kilometer legte Karl während seiner Reisen in etwa zurück. Ob das Niederschlagen von Aufständen in Aquitanien, die Spanien- und Sachsenfeldzüge, der Krieg gegen das asiatische Reitervolk der Awaren oder die Überquerung der Alpen für den Krieg gegen die Langobarden – Karl ritt bis zu seinem Tod 814 zweimal um den gesamten Erdball.

 

1.000.000
Quadratkilometer groß war das Reich Karls bis zu seinem Tod. Es erstreckte sich von der heutigen spanisch-französischen Grenze bis Bayern und von der Ostsee bis nach Rom. Nach heutiger Staatenaufteilung regierte Karl über Frankreich, Österreich, die Schweiz sowie Teile Italiens und Deutschlands. Seine Enkel Lothar I., Ludwig und Karl II. teilten das Reich im Jahr 843 wieder unter sich auf.

 

7
freie Künste des Mittelalters förderte die Hofschule Karls des Großen: Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie. Sein Volk zu bilden, war ein großes Anliegen Karls, der selbst nie schreiben gelernt hatte. Er verpflichtete Gelehrte, allen voran den Angelsachsen Alkuin. Unter diesem entwickelten sich die karolingischen Minuskeln weiter – Kleinbuchstaben, die Vorläufer unserer heutigen Schreibschrift sind.

 

18
Kinder hatte Karl, davon elf eheliche mit seinen fünf Ehefrauen und mindestens sieben aus außerehelichen Affären. Ältester Sohn war Pippin der Bucklige, der 792 nach einer Intrige gegen Karl verbannt wurde. Das kaiserliche Erbe Karls trat ab 813 sein Sohn Ludwig der Fromme an, zunächst als Mitkaiser.

 

1512
nach Christus malte Albrecht Dürer ein Porträt Karls (siehe Abbildung links) mit Schwert, Reichsapfel und Reichskrone. Dürer stellt darin kaiserliche Insignien dar, die zur Zeit Karls zum Teil noch nicht existierten. So wird die abgebildete Reichskrone frühestens auf das Ende des 10. Jahrhunderts datiert. Da es von Karl dem Großen jedoch keine zeitgenössische Abbildung gibt, gilt Dürers Werk als das Idealporträt des Herrschers.

 

4.500
Sachsen ließ Karl im Jahr 782 köpfen. Das „Blutgericht von Verden“ im heutigen Niedersachsen war ein Höhepunkt seines über 30 Jahre andauernden Kriegs gegen ein Volk, das er vom Heidentum zum Christentum bekehren und in sein Reich eingliedern wollte. Die Sachsen unter Sachsenherzog Widukind boten Karl lange die Stirn. 785 ergab sich Widukind und ließ sich taufen. Doch erst 804 konnten die Sachsen vollends unterworfen werden. Das Massaker von Verden zeugt von der Grausamkeit Karls, die durch die Verklärung seiner Person oft in Vergessenheit gerät.

 

800
nach Christus krönte Papst Leo III. Karl in Rom zum Kaiser. Es wird angenommen, dass Karl zuvor dem Papst half, Vorwürfe des Meineids und Ehebruchs zu entkräften, für die Leo angeklagt wurde. Die Krönung gilt als welthistorische Wende, die das mittelalterliche Kaisertum begründete, das bis 1806 fortbestand.

 

TEXT: ANDREA RADTKE FÜR DAS ARTE MAGAZIN

 

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Kategorien: April 2013