„DURCH DIE NACHT“ WIRD 100!

avanti media/Fabian Meyer/John Toft

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Kakerlakenrennen, schweigende Gäste, Achterbahnfahrten – es gibt wohl kaum ein Format, das spontaner ist als „Durch die Nacht mit …“, wofür es 2006 den Grimme-Preis erhielt. Christoph Schlingensief und Christian Thielemann, Michael Haneke und Ferdinand von Schirach: Immer schlagen sich zwei Menschen in einer Stadt die Nacht um die Ohren. Nach zehn Jahren, 99 Folgen und 198 Prominenten zeigt ARTE am 6. Oktober die 100. Sendung der Superlative: In fünf europäischen Städten gibt es ein Wiedersehen mit Gästen vergangener Folgen, werden Highlights wiederentdeckt. Die kuriosesten finden Sie hier:

 

STILL
Wenn sich zwei Skandalkünstler treffen, wird es … ruhig! Ganze fünf Sätze sprach der französische „Elemen-tarteilchen“-Autor Michel Houellebecq (re.), als er 2006 in Barcelona den Schockregisseur Calixto Bieito traf. Auch dessen fortwährende Sympathiebekundungen lockten den stoischen Kettenraucher nicht aus der Reserve. Unerhört!

 

STIMMUNGSVOLL
Musik spielt eine wichtige Rolle bei „Durch die Nacht mit …“, unterschiedliche Musiker geben der Sendung ihren Klang. Die Mischung aus „Kojac“ und „Pink Panther“, die Sascha Wild für eine Regennacht in New York im Februar 2012 komponierte, kam so gut an, dass er sie sogar parallel zur Ausstrahlung in einem Frankfurter Club als Konzert inszenierte.

 

EXTREM
Wenn Sex auf Horror trifft, muss eine besondere Location her. Der amerikanische Splatterfilm-Regisseur Brian Yuzna und der Franzose Pierre Woodman, erfolgreicher Pornodarsteller, trafen sich 2007 in einer verlassenen Nervenheilanstalt in Prag. Die perfekte Kulisse für eine hitzige Diskussion über Sex und Gewalt, krasse Kindheitserlebnisse und todsichere Orgasmustipps …

 

ERSTE
Christoph Schlingensief († 2010), Enfant terrible der deutschen Kunstszene (li.), zog als Einziger dreimal durch die Nacht. In der ersten Folge 2002 traf er auf den traditionsbewussten Dirigenten Christian Thielemann. Konfliktpotenzial? Keineswegs: ob Dirigier-Crashkurs mit Asia-Stäbchen, picheln in der Stretchlimo oder Kakerlakenrennen (siehe „Schräg“) – sympathischer Wahnsinn!

 

CHAOTISCH
2005 ließen sich Markus Lüpertz, selbstverliebter Dandy des deutschen Kunstbetriebs, und Hermann Nitsch, österreichischer Aktionskünstler mit Rausche-bart, durch Wien kutschieren. Als der Fahrer der Limousine ihnen zu rauchen verbot und sie wegen angeblicher Weinflecken zurechtwies, charteten beide kurzerhand den Produktionsbus, das Team musste sehen, wo es blieb!

 

SCHRÄG
Halbgeheim und illegal war das Kakerlakenrennen, dem Christoph Schlingensief und Christian Thielemann (siehe „Erste“) 2002 im Hinterhof eines russischen Lokals in Berlin beiwohnten. Wie beim Pferderennen liefen dort die süßen Tierchen in Bahnen aus Plexiglas vor 40 Kakerlakenfans um die Wette. Und beide packte der Ehrgeiz, O-Ton: „Wir setzen auf Iwan!“

 

MEISTGESEHEN
Dieses Gespann galt als Garant für gute Stimmung: Eurovision-Star Lena Meyer-Landrut und Rapper Casper. Doch 2012 in Berlin wollte sich partout keine Harmonie einstellen. Der lässige Wortakrobat bemühte sich redlich, aber die Sängerin hatte beschlossen, ihm das Leben schwer zu machen. Mit über 200.000 Klicks in der ARTE-Mediathek (arte+7) wurde es trotzdem – oder deshalb? – ein Rekord!

 

MOBIL
Ob das kleine Schwarze oder das luftige Blaue – „Durch die Nacht mit …“ blickt auf eine ebenso bewegte wie aufregende Geschichte der Fortbewegungsmittel zurück. Standard ist immer ein Auto mit Chauffeur, aber es geht auch anders: So gondelten 2010 Regisseur Michael Haneke (Foto, re.) und der schriftstellernde Staranwalt Ferdinand von Schirach lässig durch die Kanäle Venedigs; XXL-Basketballer Dirk Nowitzki freute sich mit Jazztrompeter Till Brönner 2003 in Dallas über eine Superstrechlimousine, in der sich selbst der 2,13 Meter große Sportler in voller Länge ausstrecken konnte; der US-Künstler Joe Coleman und die italienische Schauspielerin Asia Argento fuhren in einer his-torischen Achterbahn mit Holzbänken in „Deno’s Wonder Wheel Amusement Park“ 2007 auf der New Yorker Halbinsel Coney Island ins Ungewisse. Es würde nicht verwundern, wenn eine Folge auf dem Mond geplant wäre …

 

CARLA SUSANNE ERDMANN FÜR DAS ARTE MAGAZIN

 

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Kategorien: Oktober 2012