UNTERWEGS MIT DEM MOPED

ARTE France

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GEFÄHRT UND GEFÄHRTE: DIE „MOBYLETTE“
Die orangefarbene „Mobylette“ von François ist fast derselbe Jahrgang wie er selbst: er 1969, sie 1970. Sie gehört zu seinem Leben und muss wie ein altes Fischerboot gepflegt werden. Bei seiner Tour quer durch Frankreich und Deutschland ist die Mobylette fast überall dabei: an einem Heißluftballon befestigt, auf Schiffen und Kähnen, in Zügen … und einmal gar von Schlittenhunden gezogen. Viele Menschen, die François trifft, fühlen sich durch sie an ihre Jugend erinnert.

 

CAMARGUE: STIERE UND WEIßE PFERDE
Für François ist die Camargue, das Sumpfgebiet der südfranzösischen Provence, ein Sehnsuchtsort der Kindheit. Er trifft auf Stierzüchter, die die schwarzen Kraftpakete für die unblutigen Stierkämpfe der Region heranziehen. In malerischer Landschaft macht er hoch zu Ross den Job der „Gardians“, der Camargue-Cowboys: ein eigener, traditioneller Berufsstand, der mit den typischen weißgrauen Camargue-Pferden arbeitet. Von dieser Rasse gibt es hier mehr als 10.000 Tiere.

 

DIE CEVENNEN: ENDLOSE NATUR
Die Cevennen, südliche Ausläufer des französischen Zentralmassivs, sind wild, unberührt und dünn besiedelt – mit sehr eigenwilligen Menschen. François trifft auf viele naturbegeisterte Aussteiger, die sich für das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur im 1970 gegründeten größten Nationalpark Frankreichs einsetzen. Seit 2011 ist ein Teil der Cevennen UNESCO-Weltnaturerbe, vor allem wegen der dort schon seit Urzeiten ausgeübten Wanderschäferei.

 

EIN BRETONE IN OSTFRIESLAND
Von Ostfriesland an der Nordseeküste Niedersachsens ist François besonders überrascht: Die Kultur ist lebendig und manchmal für Außenstehende auch skurril. So beispielsweise der sportliche Brauch des sogenannten Boßelns: Zu jeder Tages- und Nachtzeit wird da mitten auf der Landstraße eine Art Boule gespielt. François vergleicht den verrückten Kern der Ostfriesen mit den Leuten aus seiner Heimat, der Bretagne. Und genießt vor allem auch deren ostfriesische Teespezialitäten.

 

BAYERN: VON SCHWULEN SCHUHPLATTLERN
In Bayern erlebt François ganz urtümliche Lebensfreude. Unter anderem trifft er in München den weltweit einzigen homosexuellen Schuhplattler-Club. Bei diesem Tanz, der zu den markantesten bayerischen Brauchtümern zählt, spielt der „Bursch“ ohnehin die Hauptrolle, die Frauen drehen sich nur um die eigene Achse. Kurz vor einem Auftritt der „Schwuhplattler“ ist François bei einer Probe dabei. Er legt den Schuhplattler und andere Volkstänze mit aufs Parkett.

 

IM RENNEN GEGEN DEUTSCHE ZÜNDAPPS
Mobylette trifft Zündapps: In Bayern besucht François einen Verein von Zündapp-Sammlern, also Liebhaber von Mopeds des ursprünglich aus Nürnberg stammenden Fabrikats Zündapp (Zünder-Apparatebau-Gesellschaft). Er staunt über die gute Organisation deutscher Vereine. Außerdem sehen die alten Zündapps aus wie neu. Bei einer gemeinsamen Tour kommt der einzige Vertreter Frankreichs mit seiner Mobylette den glänzenden Kisten kaum hinterher.

 

NORDFRANKEICH UND DER BERGBAU
François reist in die ehemaligen Bergbaureviere im Nord-Pas-de-Calais in Nordfrank-reich, die neue Bestimmungen gefunden haben: Ein Bergwerk beispielsweise war Filmkulisse bei der Verfilmung des Zola-Romans „Germinal“ (1993) mit Gérard Depardieu und soll demnächst eine Filmhochschule beherbergen. Außerdem trifft François den Taubenzüchter Paul, der ihm den Taubensport und dessen Bezug zum Bergarbeitermilieu erläutert.

 

WIEDERSEHEN MIT BERLIN
Als die Berliner Mauer fiel, war François 20 und gerade vor Ort. Die Stimmung fand er angespannt. Jetzt, mehr als 20 Jahre später, entdeckt er das ganz andere, junge Berlin mit seinen Straßenhändlern am Checkpoint Charlie und vielerlei Kunst, die auf ihre Weise die Geschichte der Stadt erzählt. Sehr deutlich zeigt sich das in der Streetart. François besucht angesagte Orte wie die East Side Gallery und ein Künstlerkollektiv, wo er kurzerhand selbst zum Graffiti-Künstler wird.

Kategorien: September 2012