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WELTERFOLG DOCUMENTA

HR/Natascha Pflaumbaum

HR/Natascha Pflaumbaum

13
Die 13. documenta öffnet am 9. Juni 2012 für 100 Tage ihre Pforten: Bis zum 16. September zeigt die weltweit bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst Arbeiten von 160 Künstlern; einer von mehreren Ansätzen lautet „Collapse and Recovery“ („Zusammenbruch und Wiederaufbau“). Die Kuratorin, die US-Amerikanerin Carolyn Christov-Bakargiev, setzt unter anderem auf Demokratisierung: Sie lässt Kunstexperten, sogenannte Agenten, an der Planung und Durchführung teilhaben.

 

7.000
Eichen (Foto links) pflanzt Joseph Beuys ab 1982 in Kassel für „7.000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“. Der Beitrag zur documenta 7 ist erst fünf Jahre später, zur documenta 8, vollendet: Beuys stirbt 1986, sein Sohn setzt 1987 den letzten Baum. „7.000 Eichen“, Beuys’ größtes Projekt, kostet 4,3 Millionen DM.

 

4
feste Ausstellungsorte nutzt die documenta: Herzstück ist traditionell das Fridericianum (Foto ganz links), einst das erste öffentliche Museum Deutschlands; 1992 kam die docu-menta-Halle hinzu. Kunst unter freiem Himmel zeigen die Parkanlage Karlsaue und der Friedrichsplatz. Doch jede documenta legt individuell weitere Schauplätze in Kassel fest.

 

1968
scheitert das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude beinahe an dem Versuch, sein Objekt „5.600 Cubic Meter Package“ aufzurichten, einen 85 Meter hohen Ballon. Von Einheimischen liebevoll „Riesenwurst“ getauft, ragt das Gebilde zwei Monate lang in den Himmel und wird zum Wahrzeichen der documenta 4.

 

1955
hat die erste documenta im zerbombten Kassel Premiere. Die Schau zeigt 670 Werke von 150 Künstlern, darunter Picasso, Klee, Chagall, Kandinsky. Initiator ist der Maler und Kunstprofessor Arnold Bode (Foto oben; links, mit Theodor Heuss). Im Dritten Reich selbst mit einem Berufsverbot belegt, holt Bode verfemte Kunst in die junge BRD und gibt der Moderne hier erstmals eine Bühne. Kunst als Neubeginn: Die Ausstellung wird eine Sensation.

751.301
Besucher zählt 2007 die documenta 12, ein Rekord in der Geschichte der Ausstellung, die 1955 mit 130.000 Besuchern startet. Im Vergleich schließt die internationale Kunstausstellung La Biennale di Venezia 2007 mit 320.000 Zuschauern an 165 Tagen; zur Art Basel 2011, der fünftägigen, weltweit größten Kunstmesse, kommen 65.000 Kunstinteressierte.

 

100
Tage dauert jede documenta; ihr Begründer Arnold Bode nennt sie „Museum der 100 Tage“. Die 100 gilt als symbolische Zahl: 1997 ermöglicht die Veranstaltung „100 Tage – 100 Gäste“ einen allabendlichen Austausch zwischen Publikum, Künstlern und Ausstellungsmachern. 2012 erscheint im Vorfeld der documenta 13 die Schriftenreihe „100 Notizen – 100 Gedanken“.

 

1.001
Chinesen bringt der regimekritische Konzeptkünstler Ai Weiwei (Foto unten) zur documenta 12, denn „jeder soll das Recht zum Reisen haben“. Die gelungene Einreise und die Präsenz der Chinesen in der Stadt lassen mit dem Projekt „Fairytale“ ein Märchen wahr werden. Mit 3,1 Millionen Euro ist es das teuerste documenta-Projekt aller Zeiten, für die Teilnehmer das Ereignis ihres Lebens.

 

1.977
wird die documenta 6 mit 655 Künstlern und 2.700 Werken zur Schau der Superlative, die nach wie vor unübertroffen ist. Mehrere Kunstwerke bleiben bis heute in Kassel, wie die Stahlskulptur „Rahmenbau“ (Foto) des österreichischen Kollektivs Haus-Rucker-Co.

 

2
Tage vor der Eröffnung der documenta 12 ist ein Kunstwerk bereits zerstört: Unwissentlich entfernt die Müllabfuhr eine Arbeit der Chilenin Lotty Rosenfeld, Dutzende von weißen Kreuzen auf den Straßen von Kassel. Mit ihnen wollte Rosenfeld gegen die Gewalt des Pinochet-Regimes protestieren.

Kategorien: Juni 2012