NEU IM PROGRAMM 2012

Philippe Sautier/ARTE

Philippe Sautier/ARTE

ARTE MAGAZIN: Zuletzt hat ARTE im Januar 2010 sein Sendeschema erneuert. Warum ist es nun am 7. Januar wieder soweit?
CHRISTOPH HAUSER: ARTE reagiert auf die Umbrüche unserer Zeit, auf die europäische Krise und die Herausforderungen der globalisierten Welt: Das Programm positioniert sich nun mehr in der Gegenwart, thematisiert Europa stärker und macht die Vielfalt der europäischen Kulturen deutlich sichtbarer. Und schafft nicht zuletzt den europäischen Kreativen eine Bühne.

 

ARTE MAGAZIN: Wie kann man die wichtigsten Änderungen auf den Punkt bringen?
CHRISTOPH HAUSER: Unser Zuschauer nutzt mehr und mehr das Vor- und Nachmittagsprogramm. Deshalb akzentuieren wir das Programm am Nachmittag mit mehr Sendungen zu Kultur und Europa. Ebenfalls neu ist, dass das „ARTE Journal“ jetzt 20 Minuten dauert und um 19.10 Uhr beginnt. Auf der deutschen Seite wird es von Jürgen Biehle und – neu bei uns – Nazan Gökdemir moderiert. Drittens wollen wir am Abend eine bessere Orientierung bieten: mit großen Themenblöcken wie beispielsweise Kino am Montag oder Investigation am Dienstag. Und viertens bauen wir Brücken zwischen dem ARTE-Programm und dem ARTE-Internetangebot in erweiterter Form als bisher.

ARTE MAGAZIN: Bleibt der beliebte Themenabend das große Flaggschiff von ARTE?
CHRISTOPH HAUSER: Der Themenabend wird nach wie vor sonntags und dienstags das Programm prägen. Weiterhin stellen wir an anderen Tagen weitere große Themenblöcke zusammen, wenn es möglich ist, so wie beispielsweise am 25. Januar mit einem Comic-Schwerpunkt, wo wir die herausragenden Filme „Persepolis” von Marjane Satrapi und „Waltz with Bashir“ von Ari Folman zeigen sowie im Anschluss die Dokumentation „Comics ziehen in den Krieg“. Zusätzlich werden wir auch ganze Thementage im Programm haben wie den 3D-Tag am 19. Februar.

ARTE MAGAZIN: Wie verknüpft sich nun das Fernsehprogramm mit dem Onlineangebot von ARTE?
CHRISTOPH HAUSER: Wir haben ganz neue Formate, die Fernsehen und Internet verbinden: „ARTE Kreativ“ und „Introducing@ARTE Live“ samstags nach 23 Uhr sowie sonntags Klassik aus unserem Webangebot. Auch die Informationssendungen werden mit Internetangeboten verbunden, so wie jetzt z.B. mit dem Webprojekt „Die arabische Welt in Aufruhr“. Dienstags werden die Debatten nun häufiger im Internet in Chats weitergeführt. Das nächste Mal findet dieses Angebot am 17. Januar statt – beim Themenabend „Der Domino-Effekt – Kippt der Euro?“.

ARTE Magazin: Wie versucht sich ARTE weiterhin von anderen Sendern abzuheben?
CHRISTOPH HAUSER: Wir sind anders, weil wir ein einzigartiges Konzept haben. Weder national noch regional, sondern europäisch. Wir sind ein deutsch-französischer Sender mit europäischer Orientierung – und genau das macht den Unterschied und Mehrwert aus. Wir zeigen europäische Vielfalt und können Dinge differenzierter sehen, weil wir in gemischten Teams arbeiten. Außerdem kommt nur ein Drittel unseres Programms aus Deutschland, ein weiteres Drittel aus Frankreich und ein Drittel ist europäisch und international. Allein schon von der Programmmischung sind wir ganz anders positioniert als alle anderen Sender.

ARTE MAGAZIN: Was entgegnen Sie den Kritikern, die behaupten, dass ARTE mehr und mehr auf Einschaltquoten abzielt?
CHRISTOPH HAUSER: Für ARTE sind hohe Einschaltquoten nicht vorrangig das Ziel. Eine gute Quote ist das Resultat eines guten Programms und einer guten Programmierung. Deshalb tun wir weiterhin das, was wir am besten können, nämlich Programme produzieren, die qualitativ herausragend sind und sich dadurch auszeichnen, dass die Kreativen hier ihr Forum haben, sei es in Dokumentarfilmen, sei es im Fernseh- oder im Kinofilm, sei es in Kunst und Kultur. Intellektuell bereichern und intelligent unterhalten ist unsere Aufgabe und das machen wir gut.

ARTE MAGAZIN: Was sind Ihre persönlichen Programmhighlights in den nächsten Monaten?
CHRISTOPH HAUSER: Das Kulturgespräch „Square“ am Sonntag: Der erste Gast ist der Schriftsteller Alaa al-Aswany aus Kairo, am Sonntag darauf der Theaterregisseur Thomas Ostermeier. Wichtig ist für mich auch die crossmediale Reihe „Lebt wohl, Genossen!“ jetzt im Januar über den Zusammenbruch des Kommunismus sowie ab Februar unsere neue dänische Politserie „Gefährliche Seilschaften“ als Spiegel der Gesellschaft und der politischen Entwicklung. Als Filmfan freue ich mich auf „Die Sonnensucher“ aus der Reihe „Verbotene Filme“ im März. Beeindruckend ist der Dokumentarfilm „Neukölln Unlimited“ im April. Darin wird die Geschichte einer Familie erzählt, die seit 16 Jahren von der Abschiebung bedroht wird. Und eine Besonderheit gleich am 7. Januar: das Dokudrama „Friedrich der Große: Ein deutscher König“ mit einer sensationellen Katharina Thalbach als Alter Fritz. Das ist doch mal wieder typisch ARTE!Feierlich und berührend, klassisch oder rockig, clownesk oder dramatisch – das ARTE-Festtagsprogramm bietet ein abwechslungsreiches Fernseherlebnis. Vor allem Liebhaber von Musik und Tanz können erstklassige Produktionen aus aller Welt zu Hause genießen.

 

INTERVIEW: NINA VEY FÜR DAS ARTE MAGAZIN

 

ARTE INTERVIEW

 

CHRISTOPH HAUSER

Christoph Hauser war Kulturchef beim Fernsehen des SWR, bevor er 2005 Programmdirektor und Geschäftsführer von ARTE wurde

 

ARTE PLUS

 

DAS NEUE PROGRAMM AUF EINEN BLICK

MONTAG

Der Kinotag. Herausragende Filme aus Europa und der Welt

DIENSTAG

Journalistische Investigation, Recherche und Vertiefung in Gegenwart und Zeitgeschichte

MITTWOCH

Europäisches Autorenkino, der große Kino-Dokumentarfilm sowie eine Kulturdokumentation

DONNERSTAG

Der Serientag mit den besten Serien aus Europa und der Welt zur Primetime. Wissenschaft und Gesellschaft im Anschluss

FREITAG

Der Abend der Fernsehfilme und Kurzfilme

SAMSTAG

Europa und Kultur am Nachmittag: mit den Magazinen „Yourope“ und „Metropolis“ sowie „ARTE Reportage“. In der zweiten Abendhälfte Trends für junge Zuschauer mit crossmedialen Programmen

SONNTAG

Kulturgespräch am Vormittag mit Anja Höfer und Vincent Josse sowie Philosophie, am Nachmittag drei Sendungen für Kulturvermittlung plus das neue Magazin „Abgedreht“. Ab 20.15 Uhr Themenabend und Ereignisprogramme

Kategorien: Januar 2012