ZU TISCH IN … MOLISE

Michael Dreyer

Michael Dreyer

DAS REZEPT

Pallotte cacio e uova – Käsebällchen in Gemüsebrühe (für 8 Personen): 500 g Parmesan, 300 g altbackenes Weißbrot, 3 Eier, 1 Stange Sellerie, 1 Karotte, 1 Zwiebel, 3 Tomaten, 1/2 Bund glatte Petersilie, Salz. Käse reiben und Petersilienblätter fein hacken. Das Brot zerkrümeln, Eier, Käse und Petersilie hinzugeben. Alle Zutaten vermischen und kleine Bällchen daraus formen. Kleingeschnittenes Gemüse 15 Minuten in 2 Liter Wasser kochen, pürieren und mit Salz abschmecken. Käsebällchen hineingeben und weitere 15 Minuten in der nicht kochenden Brühe ziehen lassen. Buon appetito! – Guten Appetit! Buon appetito! – Guten Appetit!

 

 

DIE REGION

Molise ist nach dem Aosta-Tal die zweitkleinste Region Italiens. Nördlich von Apulien liegt Molise im Apennin und grenzt im Osten an die Adria. Viele Flächen werden nur zur Weidewirtschaft genutzt, weshalb die bergige Landschaft von Menschenhand kaum verändert wurde. Wanderer begegnen auf ihren Pfaden Hunderten von Schafsherden. Sie werden auf den „Tratturi“ (Foto), den Schafsautobahnen, in die Berge getrieben. Aus der Zeit des Römischen Reiches erhalten geblieben, stehen sie als einzige Landwege in Italien unter staatlichem Schutz.

 

Auch wenn Molise den Römern seine Schafswege verdankt, sind die Bewohner der Region nicht gut auf die italienischen Hauptstädter zu sprechen. Moliser verstehen sich als Nachkommen der Samniten, einem Volksstamm, der zwischen 400 und 100 v. Chr. im Apennin lebte und zu den größten Widersachern des Römischen Reiches zählte.

ZU TISCH

Während die Moliser auf Festen stundenlang tafeln und für ein traditionelles Hochzeitsmahl 20 Gänge auftischen, kochen sie im Alltag einfach und bodenständig. Mit der „Cucina povera“, der armen Küche, setzen sie der exklusiven Kochtradition, der „Cucina alto-borghese“, eine erschwingliche Alternative entgegen – zum Beispiel mit einem Wirsing-Eintopf und Kartoffeln. Die molisische Küche profitiert von der Herstellung eigener Käsesorten. Die typischste der Region ist der Caciocavallo (Foto), ein pikanter Käse, der durch die geschnürte Spindelform sein unverkennbares birnenförmiges Aussehen erhält.

 

TYPISCH MOLISE

Wie klingt die Stimme Gottes? Molise beantwortet diese Frage allsonntäglich mit dem Geläut seiner Kirchenglocken und trägt deren Klang in die Welt hinaus: Im Örtchen Agnone befindet sich die älteste Glockengießerei Europas. Seit 1.000 Jahren im Besitz der Familie Marinelli, stellt die Werkstatt vor allem Kirchenglocken für den Vatikan her und trägt den ehrenvollen Titel „päpstliche Glockengießerei“.

 

Wie es sich anfühlt, als Deutscher in eine molisische Familie einzuheiraten, beschreibt Jan Weilers Bestseller „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ (Ullstein Taschenbuchverlag). Er beweist, dass neben der Liebe auch die molisische Lebensart durch den Magen geht.

Kategorien: April 2011