ZU TISCH … AUF DEN AZOREN

Gerd Müller

Gerd Müller

DAS REZEPT

Tarte de Ananás – Ananas-Tarte: 230 g Blätterteig, 300 g Ananas, 150 ml Ananassaft, 200 g Zucker, 100 g Weizenmehl, 30 g Butter, 4 Eier, 1/2 Zitrone, Salz. Für die Füllung 100 g Zucker, 1 Prise Salz, Mehl, Butter, Eigelb und Ananassaft verrühren. Ananas schälen, in Stücke schneiden und hinzufügen. Die Schale der Zitrone abreiben. Aus dem Eiweiß Eischnee schlagen, den übrigen Zucker und die geriebene Zitronenschale unterheben. Blätterteig in einer Backform auslegen und die Füllung hinzugeben. Den Eischnee gleichmäßig darüber verteilen und bei 200 Grad etwa 30 Minuten backen. Bom apetite! – Guten Appetit!

 

 

DER ARCHIPEL

Wer kennt es nicht aus dem Wetterbericht – das Azorenhoch. Etwa 1.500 Kilometer westlich von ihrem Mutterland Portugal entfernt ragen die neun Azoren-Inseln wie Bergspitzen aus dem Atlantik und bilden die Schaltstelle zwischen Amerika und Europa. Von dem berühmten Hoch, das West- und Mitteleuropa paradiesischen Sonnenschein bringt, profitieren die 240.000 Einwohner des Archipels aber nur selten: In der Wetterküche Europas wechseln Regen und Sonnenschein einander so häufig ab, dass die Insulaner behaupten: „Wir haben vier Jahreszeiten an einem Tag“.

 

Die Wetterkapriolen verwan-deln die Azoren – zu deutsch Habichtsinseln – in grüne Oasen mit üppiger Vegetation. Vulkanische Kräfte haben die Landschaft der Inseln, die im 14. Jahrhundert von den Portugiesen erobert wurden, geformt: Sie sind übersät mit Vulkankegeln, Kraterseen und schwarzen Sandstränden.

 

ZU TISCH

Auf den Azoren walten bis heute die kolossalen Kräfte brodelnder Vulkane. Die natürliche Hitze, die in Geysiren und Vulkankratern herrscht, machen sich die Azoreaner zunutze und be-reiten leckere Eintöpfe direkt in heißen Erdlöchern zu. Den Cozido, einen Fleischeintopf aus Rind-, Schweine- und Hühnerfleisch, graben die Familien in aller Frühe in Löcher nahe der heißen Quellen ein, wo er sechs Stunden im Schwefeldampf gart. Rund um die Kochstellen gibt es zahlreiche Picknick-Tische, an denen die Familien ihren Eintopf direkt vor Ort verzehren. Zum Nachtisch gibt es saftige Ananas-Tarte mit Früchten aus eigenem Anbau.

 

TYPISCH AZOREN

Wer glaubt, Ananas wachsen nur auf Plantagen, dem bewei-sen die Azoreaner das Gegenteil: Auf der Insel São Miguel werden Ananas traditionell in Gewächshäusern an-ge-baut – umweltfreundlich und ohne Pestizide. Bis heute sind die Azoren der einzige Ort der Welt, an dem die stacheligen Stauden unter schützenden Dächern gezüchtet werden. Die Bio-Früchte sind kleiner und intensiver im Geschmack als unsere Supermarkt-Ananas.

 

Wie man die Ananas in ein mörderisch gutes Gericht verwandelt, verrät Autor Ben Faridi in seinem Azoren-Krimi „Das Schweigen der Familie“ (Oktober Verlag). Darin ermittelt Kommissar Jao Baptista auf Corvo und liefert dem kochfreudigen Leser die Rezepte zur Geschichte gleich mit.

Kategorien: März 2011