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ZU TISCH AM … CHIEMSEE

Chara Kyriasoglou

Chara Kyriasoglou

DAS REZEPT

Hechtnockerln in Sahne-Gemüse (4 Personen): 500 g Hechtfilet, 1 Zwiebel, 1 Lauchstange, 2 Tomaten, Champignons, 500 ml Sahne, 300 ml Fischfond, 200 ml Weißwein, Senf. Hechtfilet im Fleischwolf zerkleinern, 0,25 l Sahne beifügen, mit 1 TL Senf, Salz und Pfeffer würzen. Zutaten eiskalt verarbeiten, damit das Fischeiweiß nicht gerinnt. Aus dem Hechtbrät Nockerln formen, im heißen, nicht kochenden Salzwasser 10 Minuten ziehen lassen. Das Gemüse schneiden, in Olivenöl anbraten. Mit Weißwein und Fischfond ablöschen, einreduzieren lassen. Mit Sahne aufgießen, Nockerln hinzufügen, kurz ziehen lassen. An Guaden! – Guten Appetit!

 

DIE REGION

Der Chiemsee ist der siebte Himmel für Segler und Windsurfer, nicht umsonst wurde dort die gleichnamige Sportbekleidungsmarke von zwei Brüdern erfunden. Da er der größte See Bayerns und der drittgrößte in Deutschland ist, bezeichnet man den am Fuße der Chiemgauer Alpen gelegenen See auch als Bayerisches Meer. König Ludwig II. erwarb 1873 die größte der drei im See gelegenen Inseln, die Herreninsel. Als Verehrer des französischen Sonnenkönigs ließ er dort eine Kopie des Schlosses von Versailles errichten.

 

Auf der Fraueninsel, benannt nach dem ältesten Nonnenkloster Deutschlands, leben vor allem Fischer und Maler. Imposant ragt der Glockenturm der Abtei aus dem Grün hervor (Foto) und hat seinen festen Platz als Wahrzeichen der Region. Mit der unbewohnten Krautinsel, einem früheren Kräutergarten, bildet das Trio die kleinste Gemeinde Bayerns.

 

ZU TISCH

Wo Fisch mit bayerischem Schmaus zusammentrifft, da ist der Chiemsee nicht weit. Seit jeher bewirtschaften Fischer das Gewässer und kümmern sich um die Nachzucht der Tiere. Ob geräuchert oder nach Matjesart, ob Renke oder Saibling: Fisch kommt in allen Varianten auf die heimischen Teller. Jeder Fischer hat seine eigenen, geheimen Räucherrezepte. Es gibt Nockerln aus Fischbrät statt Weißwurst aus Fleischbrät und Teigknödel als abgewandelte Variante der bayerischen Semmelknödel. Natürlich verzichten die Bewohner nicht auf süddeutsche Köstlichkeiten wie Schweinshaxe, Leberkäse oder die süßen Dampfnudeln.

 

TYPISCH CHIEMSEE

Von der Fraueninsel bis zum Festland sind es nur wenige hundert Meter, trotzdem liegen Welten dazwischen. Die 180 Einwohner des Künstler- und Fischerdorfes sind ein eingeschworenes Völkchen. Im 19. Jahrhundert entdeckten Maler aus München und der Umgebung das Kleinod für sich. Immer zahlreicher flohen sie aus den stickigen Ateliers und der Enge der Stadt und gründeten auf der Fraueninsel eine Künstlerkolonie. Ihre Bewohner sind bis heute als die „Chiemseemaler“ bekannt. Wer sich den Chiemsee nach Hause holen will, der muss nur den Fernseher einschalten: In Serien wie „Sturm der Liebe“ wird er zur Kulisse für herzerweichende Romanzen.

Kategorien: Januar 2011