ZU TISCH IN … APULIEN

DAS REZEPT

Strozzapreti – "Priesterwürger"(4 Personen): 500 g Hartweizenmehl, 1 Prise Salz, 1 EL Olivenöl. Mehl, Salz und Öl auf die Arbeitsfläche geben, in das Mehl eine Mulde formen und ein wenig lauwarmes Wasser hineingeben. Mit den Händen kneten. Immer wieder etwas Wasser dazugeben bis ein glatter Teig entsteht. Teig 5 mm dick ausrollen, in Streifen schneiden und diese mit den Handflächen zu etwa 7-8 cm langen Spiralen rollen. Auf eine bemehlte Unterlage legen. In siedendem Salzwasser etwa 2-3 Minuten kochen bis sie al dente sind, dazu passt würzige Tomatensauce oder mildes Olivenöl. Buon appetito – Guten Appetit!

DIE REGION

Wogende Weizenfelder und silberne Oli­ven­haine mit knorrigen, jahrhundertealten Bäumen säumen die Straßen Apuliens. Schneeweiße Städte leuchten schon von Weitem. Die flachste Provinz Italiens ist die Kornkammer des Landes, sie liefert den Großteil des für die Pasta unentbehrlichen Hartweizens grano duro. Auch 44 Prozent des italienischen Olivenöls werden in Apulien produziert. Berühmtheit erlangte die Höhlenstadt Sassi di Matera, die an steilen Felshängen am Fluss Gravina liegt. Sie wurde 1993 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und ist heute eine Museumsstadt.

ZU TISCH

Die Menschen Apuliens leben von ihrer Erde. Die einfache Küche verwendet Saisongemüse, allen voran aromatische Tomaten für die salsa di pomodore, die Tomatensoße. Sie begleitet unzählige Gerichte, nicht nur Pasta, obwohl handgemachte Nudeln täglich auf den Tisch kommen. Von ohrenförmigen orecchiette bis zu gezwirbelten strozzapreti – die Kunst des Pastaformens beherrscht jede Familie. Auch das Brot hat eine lange Tradition und wird bis heute auf der Basis von Hartweizen im Holzofen gebacken. Schon 37 v. Chr. soll es Proviant des römischen Dichters Horaz gewesen sein.

TYPISCH APULIEN

Pizzica ist ein beliebter Volkstanz, der seinen Ursprung in der apulischen Stadt Lecce hat. Traditionell wird er Hand in Hand mit dem Partner getanzt, wobei oft nur Frauen gemeinsam tanzen. Der Pizzica-Rhythmus steckte auch den Rest Apuliens und seine Nachbarregion Basilicata an und gehört zu den süditalienischen Tarantella-Tänzen. Seit 1998  findet jeden Sommer in Lecce die sogennante Notte della Taranta statt, eine Festnacht mit großen Musikern und Pizzica-Orchestern, um diesem alten Brauch zu huldigen – und ausgelassen zu tanzen.

APULIEN LESEN

Laurent Gaudés Roman "Die Sonne der Scorta" (dtv, 2005) entführt in die Totenstille eines apulischen Dorfes in der Mittags­hitze. Eindrücklich beschreibt die Geschichte das harte Landleben einer süditalienischen Familie im Rhythmus archaischer Riten und tiefer Gottesfürchtigkeit. 2004 wurde das Buch mit dem Prix Goncourt, dem begehrtesten Literaturpreis Frankreichs, ausgezeichnet.

Kategorien: November 2010