ZU TISCH IM … WALDVIERTEL

Fernsehbüro/Frank Pfeiffer

Fernsehbüro/Frank Pfeiffer

DAS REZEPT

 

Mohnzelten (4-5 Personen): Teig: 300 g Kartoffeln (mehlig), 200 g Butter, 500 g Mehl,

1 Messerspitze Backpulver, 2 EL Sahne, 2 Eier. Füllung: 100 g Butter, 200 g Mohn, 150 g Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker, 1 EL Rum,

1 Messerspitze Zimt.

 

Für den Teig Kartoffeln kochen, heiß pellen, stampfen und sofort mit den restlichen Zutaten verkneten. Eier zuletzt dazugeben. Teig fingerdick auf Backpapier ausrollen. Für die Füllung zerlassene Butter mit den Zutaten vermischen und auf eine Hälfte des Teiges verteilen. Die andere Teighälfte darüberklappen und mit einem Holzstab Taschen abzwicken. Bei 200° C ca. 15 Minuten backen. Guten Appetit!

 

DIE REGION

 

Gut 60 Kilometer nordwestlich von Wien liegt einer der einsamsten Flecken Europas – das Waldviertel. Zusammen mit dem Weinviertel, dem Industrieviertel und dem Mostviertel bildet es einen grünen Ring um die österreichische Hauptstadt. Über das Hochplateau des Waldviertels erstreckt sich ein tiefdunkles Meer aus Tannenwäldern, in denen die Städter gern Erholung suchen. Hier scheint die Zeit still zu stehen: mittelalterliche Ortschaften, Kirchen und Klöster aus Barock und Renaissance findet man ebenso wie noch originale Gemischtwarenläden von Anno Dazumal.

 

ZU TISCH

 

Wessen Verdauung mit den als „leicht“ bezeichneten traditionellen Waldviertler Mohnzelten bereits zu stottern beginnt, sollte sich in Acht nehmen. Im Waldviertel muss man sich auf deftige Hausmannskost einstellen. Insbesondere an Kartoffeln – oder Erdäpfeln, wie der Einheimische sagt – in Gebäck, Knödeln, Nudeln oder pur kommt man in der historisch eher durch Armut geprägten Gegend nicht vorbei. Aus der südlich gelegenen Wachau, wo die Winter weniger streng sind, kommen frische Weißweine wie Riesling und Grüner Veltiner sowie die berühmte Aprikosenart Wachauer Marille.

 

TYPISCH WALDVIERTEL

 

Im Sommer gleichen die Felder des Waldviertels einem wogenden weiß-lila-roten Gemälde. Zwischen dunklen Tannenwäldern wird seit 700 Jahren eine legendenumrankte Kulturpflanze angebaut – der Schlafmohn. Der Tau der kühlen Nächte und die heißen Sonnentage lassen ihn besonders gut gedeihen. Der Waldviertler Graumohn ist die lokale Sorte. Er ist fein, mild und hat einen hohen Fettgehalt. Nicht nur in Kuchen, auch zur Herstellung von Schnaps, Öl, Honig und Kosmetik verwenden die Waldviertler ihren Mohn.

 

WALDVIERTEL LESEN

 

Für Bücher, die er selbst gern lesen wollte, erweiterte der Volksschullehrer Richard Pils 1989 sein heimisches Regal um die Bibliothek der Provinz. Dieser Verlag steht für hochästhetische, aber auch sozialkritische Ansichten des Waldviertels, Foto-bände, prämierte Kinderbücher oder biografische Bände, wie über Thomas Bernhard, für den Pils auf seinem Hof ein Denkmal errichtete.

Kategorien: August 2010