aurore.schaller@arte.tv

ICH BIN BEATLES-FAN!

ARTE: Frau Ebstein, Sie präsentieren bei ARTE den "Summer of the 60s" – was verbinden Sie persönlich mit dieser Zeit?
Katja Ebstein: Die 60er Jahre waren ein wichtiges Jahrzehnt des Umbruchs, in politischer und kultureller Hinsicht. Es ist nicht in allen Zeiten der Fall, dass die Menschen, die kulturell aktiv sind, auch politisch etwas bewegen wollen. Doch in den 60ern kam beides zusammen, was sich in viele gesellschaftliche Bereiche hinein auswirkte. Es gab eine beeindruckende Solidarität zwischen den Menschen, das hat mir sehr gefallen.

ARTE: Welchen Einfluss hatte diese Zeit auf Ihre Karriere als Sängerin?
Katja Ebstein: Wir sind damals vieles aus einem Impuls heraus angegangen, einfach, weil wir Freude an einer Sache hatten – vielleicht ist das ein Unterschied zur heutigen Zeit. In die Musikbranche bin ich ganz zufällig gekommen. Ich sang in einer Band, aber ohne berufliche Absichten. Ende der 60er hat mich Siegfried Loch, der damalige Deutschlandchef der US-amerikanischen Plattenfirma Liberty/United Artists, gehört und kurz darauf hatte ich meinen ersten Plattenvertrag in der Tasche. Das war unglaublich! Ich hatte das Glück, immer wieder Initialzündungen von außen zu bekommen.

ARTE: Berühmt wurden Sie als Schlagerstar – haben Sie die Rolling Stones trotzdem gerne gehört?
Katja Ebstein: Die Stones waren ein gesellschaftliches Event! Aber deshalb waren sie noch lange nicht gut. Ich war Beatles-Fan. Die konnten alles, haben gerockt und fast jedes Musikgenre vertreten. Wenn ein Sinfonieorchester "Yesterday" spielt, dann ist das eine große Anerkennung für die kompositorische Kraft, die Vielfalt und Klasse eines Paul McCartney oder eines John Lennon. Dessen Texte habe ich immer bewundert – "Imagine" ist ein starkes Lied, das ich liebe und auch selbst gesungen habe.

ARTE: Verraten Sie uns: Welches Poster hing damals über Ihrem Bett?
Katja Ebstein: Jazzer, ich hatte nur Jazzer an der Wand hängen, alle großen Ikonen. Gerry Mulligan, Ella Fitzgerald – an einer schwarzen Krepppapierwand!

ARTE: Bei welcher Sendung des "Summer of the 60s” werden Sie garantiert vor dem Fernseher sitzen?
Katja Ebstein: Alles über die Beatles ist natürlich ein Muss. Die Dokumentation am 5. August will ich nicht verpassen, genau wie das Konzert am 29. August. Auch den Beitrag über Janis Joplin am 22. Juli werde ich mir anschauen. Mir stehen Künstler nahe, die sich in irgendeiner Form gesellschaftlich und politisch eingemischt haben, und es freut mich sehr, dass viele von ihnen im ARTE-Sommerprogramm vertreten sind.

DAS INTERVIEW FÜHRTE MURIEL SCHINDLER FÜR DAS ARTE MAGAZIN

Kategorien: Juli 2010