ZU TISCH IN DER LÜNEBURGER HEIDE

DIE REGION

Im Einzugsgebiet von Hamburg, Bremen und Hannover findet sich die größte zusammenhängende Heidefläche Mitteleuropas – die Lüneburger Heide. Stark durch den Menschen geprägt, entstand sie durch Überweidung ehemaliger Waldgebiete auf unfruchtbaren Sandböden und bedeckte noch um 1800 weite Teile Norddeutschlands. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden in der Lüneburger Heide sowohl einer der größten Truppenübungsplätze Europas als auch zahlreiche Naturparks nach nordamerikanischem Vorbild errichtet. Mit Beginn der 1920er Jahre entwickelte sich die Lüneburger Heide zu einer gut besuchten Urlaubsregion.

ZU TISCH

Aufgrund der schlechten Böden und der dadurch dominierenden Viehwirtschaft ist das zarte, nach Wild schmeckende Fleisch der Heidschnucken fester Bestandteil der Speisekarte. Ein bedeutender zusätzlicher Wirtschaftszweig früherer Jahrhunderte war die Imkerei – der Heidehonig ist heute eine Spezialität. Die sandigen Böden des Geestlandes machen die Lüneburger Heide zu einer der wichtigsten Regionen für den Spargelanbau in Deutschland und lassen daneben lediglich Kartoffeln gedeihen. Einst die Alltagsspeise der einfachen Landbevölkerung, findet sich Buchweizen auch heute noch in vielen regionalen Rezepten wieder.

TYPISCH LÜNEBURGER HEIDE

Hört man "Heide", denkt man "Schnucke". Ohne die grauen, wolligen Schafe wäre die Lüneburger Heide wörtlich nicht denkbar: Denn die Lieblingsspeise der Heidschnucken ist das trockene Heidekraut. Genussvoll weiden sie weite Flächen der halboffenen Heide ab und verhindern damit das Zuwachsen mit Kiefern und Birken. Jahrhundertealte Lebensräume mit vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten können so erhalten bleiben. Die genügsamen Schafe stammen von den auf Sardinien und Korsika lebenden Mufflons ab. Während sie früher Wolle und Dünger lieferten, ist heute nur noch ihr Fleisch begehrt.

NÄHER DRAN

"Grün ist die Heide, die Heide ist grün, aber rot sind die Rosen, eh‘ sie verblühn." So wie der berühmte Heidedichter Hermann Löns ließen sich auch Theodor Storm oder der Maler Christian Morgenstern von der romantischen Landschaft der Lüneburger Heide und ihrer Abgeschiedenheit im Kontrast zu den industrialisierten Städten inspirieren. Löns Verse mündeten 1932 in den cineastischen Reigen "Grün ist die Heide" von Hans Behrendt, dessen Remake (1951, Foto) in den 1950er Jahren eine nicht gekannte Heimatfilm-Welle auslöste, u.a. mit "Wenn abends die Heide träumt"(1952), "Wenn die Heide blüht" (1960) oder "Heidemelodie" (1956).

DAS REZEPT

Buchweizenfladen (4-6 Portionen): 200 g Buchweizenkörner, 250 ml Fleischbrühe, 4 Eier, 150 g Vollkornweizenmehl, 250 ml Milch, 1 Bund Schnittlauch, 100 g Schafskäse, Salz, Pfeffer, Öl. Buchweizen zum Quellen für etwa 30 Sekunden in kochendes Wasser geben. Abgießen, dann mit der Brühe zum Kochen bringen. Bei kleiner Flamme 15 Min. ziehen lassen, dann auf Zimmertemperatur abkühlen. Eier mit gesiebtem Mehl und Milch zu einem glatten Teig verrühren. Buchweizen, fein gehackten Schnittlauch und Käsewürfel unterrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken. In heißem Öl goldgelbe Fladen backen. "Lat di dat smecken!"

RANDNOTIZ

Platt: In der Lüneburger Heide wird Plattdeutsch gesprochen, das so genannte Heidjer Platt. Einige Begriffe erleichtern das Überleben: Kroog (Gasthaus), Buddel (Flasche), Beer (Bier), düür (teuer), klönen (sich unterhalten), Tankstää (Tankstelle). Protest: Die Nähe zu Gorleben ließ in der Lüneburger Heide eine starke Protestbewegung gegen Atomenergie, Castortransporte und das geplante Atommüllendlager entstehen. Neben Schlagworten wie der "Freien Republik Wendland" steht die Region jedoch auch für Bioanbau und Ökotourismus. Parks: In der Lüneburger Heide wurde schon 1909 die Natur durch private Initiativen unter Schutz gestellt. Hier entstand das erste Naturschutzgebiet und 1954 der erste Naturpark Deutschlands. Statt in Kraftfahrzeugen bewegen sich die zahlreichen Besucher zu Fuß, auf dem Rad oder zu Pferd.

Kategorien: April 2010