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„Den Bison bei den Hörnern packen…“

Warum eine "nicht autorisierte Autobiografie" von George Bush?

Karl Zéro: Das Thema hat sich uns geradezu aufgedrängt. Wie ist es möglich, acht Jahre lang „das größte Land der Erde“ (wie Bush sagt) zu regieren und zugleich für die Mehrheit der Menschen auf unserem Planeten als der größte Idiot der Erde zu gelten?

Dies Geheimnis konnten wir nur lüften, indem wir den texanischen Bison bei den Hörnern packten. Wir mussten uns durch einen wahren Dschungel von Archivaufnahmen, Biografien und Dokumentationen wühlen und kulturell wie politisch eine "amerikanische" Denkweise annehmen.

"Being W." erzählt also die Geschichte eines Taugenichts, der es bis an die Spitze der größten Weltmacht schafft?
Michel Royer: Der Film erzählt vor allem die Geschichte eines Muttersöhnchens, dem Geld, Bildung und Beziehungen in die Wiege gelegt werden. Genau wie Straffreiheit bei zu schnellem Fahren unter Alkoholeinfluss und bei Finanzdelikten. Auch vor dem Vietnamkrieg konnte er sich drücken. Selbst die Aussicht auf das Präsidentenamt hat Bush von seinem Papa geerbt. Chiracs Vater hatte es höchstens darauf angelegt, dass sein Sohn Chef von Dassault werden sollte. Bei den Bushs muss es das Amt des mächtigsten Mannes der Welt sein. Der Schlüssel zum Weißen Haus wird einem Bush quasi mit den Windeln geliefert.

Da sind komische Höhepunkte geradezu vorprogrammiert …
Karl Zéro: Eigentlich eher ein gequältes Lachen. Man denkt: "Nein, unmöglich, das wird er sich jetzt nicht erlauben." Aber er erlaubt sich einfach alles. Wenn man George W. Bushs Werdegang verfolgt, versteht man, dass er nicht der Halbidiot ist, über den sich seit acht Jahren alle Welt lustig macht: Diese geistige Schwäche wurde vielmehr von seinen Beratern aus eiskaltem Kalkül inszeniert, und seine groteske Politik wurde von knallharten Strategen wie Rumsfeld, Cheney und Horowitz in die Wege geleitet.

Kategorien: August 2008