Musiker aus aller Welt spielen La Paloma#3 Silvia Ocougne

8 Min.
Verfügbar vom 05/05/2021 bis 31/10/2021
15 Musiker*innen komponieren den Dulab Alpaloma: die Gitarristin Silvia Ocougne ist eine von ihnen. Silvia erzählt, warum Berlin für sie als Brasilianerin eine Offenbarung war. Und zeigt, wie man die Saiten einer akustischen Gitarre zum Klingen bringt, ohne sie zu zupfen oder anzuschlagen.
In São Paulo geboren, studierte Silvia Ocougne Komposition bei Willi Correa de Oliveira an der São Paulo Universität und Gitarre bei Manoel São Marcos, Paulo Bellinatti u. a. 1984 erhielt sie ein Stipendium des brasilianischen Kultusministeriums für das Studium "Third Stream Guitar" am New England Conservatory, Boston, USA. Silvia Ocougne kam 1987 nach Berlin, wo sie als Musikerin und Komponistin im Bereich neuer, experimenteller und brasilianischer Musik arbeitet. Sie hat mit zahlreichen Musiker*innen/Komponist*innen zusammen gearbeitet wie Carlo Domeniconi, Chico Mello, Daniel Ott , Arnold Dreyblatt, Livio Tragtenberg sowie mit bildenden Künstlern wie Adel Abdessemed, Jimmie Durham oder Tessa de Oliveira Pinto u. a. Zahlreiche Kompositionen für Gitarre wurden von ihr uraufgeführt, u.a. von Komponisten wie La Monte Young, Louis Vierk, John Zorn, Graciela Paraskevaidis, Stephanie Schweiger, Carlo Domeniconi, David First, Il-Ryun Chung oder Vitold Szalonek. 2017 sie hat eine Plattform gegründet für Musiker*innen/Komponist*innen, die mit selbstgebauten und präparierten Instrumenten arbeiten. Als Kuratorin hat sie viele internationale Projekte u.a. mit dem Haus der Kulturen der Welt mitgestaltet. Ihre Konzertreisen führten Silvia Ocougne durch Deutschland, Europa, Nord- und Süd-Amerika und Asien. Mehrere CD- und LP-Veröffentlichungen.

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Wie wird aus der Melodie La Paloma ein Dulab? 
Über einen Zeitraum von drei Wochen, jeweils von Montag bis Freitag, lernen wir die Musiker kennen. Jeden stellen wir musikalisch vor mit seiner Version der Melodie und mit einer Variation, die er zu einer Variation eines anderen Musikers spielt. 
Das Besondere an unserem Dulab ist, dass die Musiker*innen aus völlig unterschiedlichen musikalischen Traditionen stammen. Von Klassik bis Jazz, von Neuer Musik bis Elektro, vor allem aber auch: aus Traditionen jenseits der europäischen Musik, z. B. aus China oder Singapur. Jeder Musiker interpretiert die Melodie auf seine Art, dies teils auf Instrumenten, die in Europa kaum bekannt sind. Viele sind mit den Mitteln der Improvisation vertraut – das klingt manchmal dann schon ganz schön abgefahren. 
Die meisten der beteiligten Musiker*innen leben in Deutschland, in Berlin – haben also einen migrantischen Background. Niemand sollte sich täuschen lassen: Auch wenn etliche Namen einem vermutlich nichts sagen – es handelt sich um absolute Meister ihres Fachs. Unser Dulab ist nicht nur eine Wundertüte an musikalischen Sprachen und Ausdrucksweisen, sondern auch der Beweis dafür, dass unterschiedlichste Musiker miteinander etwas Neues erschaffen können, ohne dass der eine sich dem anderen musikalisch unterwerfen müsste. 
Jeder Clip ist gleich aufgebaut: am Anfang spielt der Musiker die Melodie von La Paloma allein oder mit Begleitung, am Ende die Variation bzw. freie Improvisation. Dazwischen befindet sich ein kurzes Interview mit dem jeweiligen Musiker. Und zwar darüber, wie er oder sie zur Musik oder nach Deutschland kam, was sein Instrument ihm oder ihr bedeutet, oder über den Ort, an dem er gerade La Paloma spielt. Es handelt sich um einen Lieblingsort, den der Musiker selbst ausgesucht hat (unter den Bedingungen von Corona) – und zu dem er bisweilen eine kurze Geschichte erzählen möchte.
Das große Finale: Die Komponistin Cathy Milliken wird aus all der aufgezeichneten Musik zusammen mit Dietmar Wiesner eine völlig eigenständige Komposition kreieren. 


Foto © Uli Aumüller


  • Regie :
    • Uli Aumüller
  • Komponist/-in :
    • Cathy Milliken, Dietmar Wiesner (Komposition/Musikalische Leitung)
  • Land :
    • Deutschland
  • Jahr :
    • 2021