Terror 2000 - Intensivstation Deutschland

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73 Min.
Verfügbar vom 22/08/2020 bis 19/11/2020
Untertitel für Gehörlose

Abschluss von Christoph Schlingensiefs Deutschlandtrilogie und brüllend komischer Gewaltexzess: Der Filmemacher geht aufs Ganze und nimmt sich eine Bestandsaufnahme von Deutschland kurz nach der Wiedervereinigung vor. In Anlehnung an das Gladbecker Geiseldrama (1988) geht es um zwei flüchtige Gangster, die von sensationsgeilen Reportern und Kriminalbeamten verfolgt werden.

Die beiden Ex-Gangster Bössler und Jablo haben in der ostdeutschen Kleinstadt Rassau eine neue Heimat gefunden – der eine besitzt ein Möbelgeschäft, der andere eine kleine Kirche. Hier setzen sie zur Säuberung der Stadt von Ausländern an und leiten Angriffe auf ein Asylantenheim. Erst zögerlich nimmt das Bundeskriminalamt in Gestalt von zwei trägen Beamten die Arbeit auf. Das Prekäre: Die Fronten verwischen sich mehr und mehr, alle geraten in einen sexualisierten Rausch der Gewalt und obszönen Bilder. Die Medien spielen in dieser Trash-Fantasie auf fatale Weise mit und heizen die perverse Stimmung an.  „Erstaunlich angstfrei hat Schlingensief stets die Grenzen des Anstands, des guten Geschmacks sowie des gesicherten Terrains des Verständlichen überschritten“, ist im Nachruf des Goethe-Instituts auf Christoph Schlingensief zu lesen, der 2010 im Alter von 50 Jahren starb. Mit seiner Politgroteske „Terror 2000 - Intensivstation Deutschland“ provozierte er kurz nach der Wende, als die ersten Übergriffe auf ein Asylantenheim in Rostock-Lichtenhagen das Land erschütterten, eine öffentliche Debatte: Wie zynisch ist dieser Trash-Film oder trifft er mit seinen Gewaltexzessen den Nerv einer fremdenfeindlichen Gesellschaft?  Berliner Autonome zerstörten Kopien im Kreuzberger Sputnik-Kino, weil der Film „stumpfsinnig, rassistisch und sexistische Propaganda“ sei. Ganz anders die Kritik in „Die Zeit“: „‚Terror 2000‘ ist das wirksamste Gegengift gegen den Biedersinn des deutschen Gremienfilms. Echter Horror kann manchmal die reine Erholung sein.“ (A. Kilb)

  • Regie :
    • Christoph Schlingensief
  • Drehbuch :
    • Christoph Schlingensief
    • Oskar Roehler
    • Uli Hanisch
  • Produktion :
    • DEM FILM
    • WDR
    • NDR
  • Produzent/-in :
    • Christoph Schlingensief
  • Kamera :
    • Reinhard Köcher
  • Schnitt :
    • Bettina Böhler
  • Musik :
    • Kambiz Giahi
  • Mit :
    • Margit Carstensen (Margret)
    • Peter Kern (Peter Körn)
    • Alfred Edel (Bössler)
    • Udo Kier (Jablo)
    • Artur Albrecht (Klausi)
    • Kalle Mews (Rösi)
    • Oskar Roehler (zweiter Reporter)
    • Christoph Schlingensief (Kühnen)
  • Land :
    • Deutschland
  • Jahr :
    • 1992
  • Herkunft :
    • ZDF