Voces Suaves im Dominikanerkloster von Guebwiller, Oberelsass

53 Min.
Verfügbar vom 29/10/2020 bis 26/04/2021

„Nel mezzo del cammin di nostra vita“ (Auf der Mitte unserer Bahn durchs Leben) lautet der erste Vers des „Inferno“, dem ersten Buch von Dante Alighieris „Göttlicher Komödie“. Dieser Vers hat das Basler Ensemble Voces Suaves zu seinem neuen Programm inspiriert, das hier im Dominikanerkloster von Guebwiller zu sehen ist und zusätzlich durch ein innovatives Mapping visualisiert wird. 

Das Ensemble hat hierfür ausschließlich Werke aus der italienischen Renaissance und dem frühen Barock ausgewählt und daraus ein Programm zusammengestellt, das im Wesentlichen die geistlichen und weltlichen Madrigale in den Mittelpunkt rückt. 

Das Madrigal war in der Renaissance eine experimentelle und innovative Musikform, mit der die Komponisten die ideale Verbindung aus Musik und Dichtung suchten. Die ausgewählten Madrigale treten mit Auszügen aus der „Göttlichen Komödie“, die in italienischer Sprache vorgelesen werden, in einen musikalischen Dialog.

Der erste Teil des Programms heißt „Visioni infernali“ (Höllische Visionen) und beschreibt die Klänge, die Dante vernimmt, als er durch die Pforten der Hölle schreitet.  Den Ausführungen des Dichters wird das Madrigal „Quivi sospiri“ von Luzzasco Luzzaschi zur Seite gestellt, dessen letzte Worte mit den ersten Zeilen eines Madrigals von Pietro Vinci identisch sind. Madrigale von Jakob Arcadelt und Philippe Verdelot komplettieren die Beschreibung der Hölle mit Schilderungen der Liebespein.

Im zweiten Teil wird das Fegefeuer zu den Klängen von Carlo Gesualdos „Laboravi in gemitu meo“ aus dem 6. Psalm beschrieben, der die Qualen der Sünder auf ihrer Suche nach Läuterung und Reue zum Inhalt hat. 

Im letzten Teil, „Le celesti armonie“, wird der Aufstieg ins Paradies und die Begegnung mit der Jungfrau Maria geschildert. Diese Vision wird wieder in Dantes Verse sowie zwei Madrigale von Claudio Merulo und Joanne Metcalf gekleidet. Das Programm schließt mit einem Stück von Claudio Monteverdi über die Klänge des Himmelreichs.  

 

 

Mit seiner musikalischen Zusammenstellung versucht das Ensemble Voces Suaves, die drei Reiche der Toten in Wort und Gesang abzubilden. Das Wechselspiel aus „Göttlicher Komödie“ und Madrigalen fordert die Vorstellungskraft der Zuschauer, wobei die danteske musikalische Erfahrung durch ein innovatives Mapping, das die Darstellung der drei Reiche in zeitgenössischen Bildern umsetzt, visuell unterstützt wird. Musikalische und visuelle Eindrücke ergänzen einander an einem Ort, wo vor vielen Hundert Jahren gewiss der eine oder andere Mönch über Dantes Versen brütete und dessen Schilderungen des Jenseits mit Bangen in sich aufsog. 


  • Produktion :
    • Libelo Productions
  • Regie :
    • Victor Toussaint
  • Mit :
    • Voces Suaves
  • Land :
    • Frankreich
  • Jahr :
    • 2020